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Marburg Umhüllung bietet Schutz
Marburg Umhüllung bietet Schutz
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09:00 23.10.2021
Sanierungsarbeiten in der Elisabethkirche: Pfarrer Ulrich Hilzinger im Landgrafenchor.
Sanierungsarbeiten in der Elisabethkirche: Pfarrer Ulrich Hilzinger im Landgrafenchor. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Die Innensanierung der Elisabethkirche ist ein gewaltiges Unterfangen. 6,7 Millionen Euro hat das Land Hessen dafür zur Verfügung gestellt, dass das Marburger Wahrzeichen bis 2024 eine entscheidende Umgestaltung erhält. Zurück zu der ursprünglichen Farbigkeit des Kirchenraumes aus dem 13. Jahrhundert und zudem die Ausbesserung von Schäden, die seit der letzten Rundum-Sanierung vor rund 100 Jahren entstanden sind: Das sind zwei der Hauptziele der ambitionierten Baumaßnahmen.

Zunächst begann das Unternehmen Innensanierung vor einigen Wochen mit vorbereitenden Arbeiten. Das wichtigste Ziel dabei ist es, die Kunst- und Kulturschätze in der Kirche vor eventuellen Schäden während der Zeit der eigentlichen Arbeiten zu schützen. „Die Kunstgegenstände sind mittlerweile fast komplett eingehaust“, erläutert Ulrich Hilzinger, Besucherpfarrer der Elisabethkirche, im Gespräch mit der OP. Sie wurden mit Holzplatten umhüllt, so wie es schon vorher bei den Landgrafensärgen geschah.

Staubschutzwand

Und auch die weitere Inneneinrichtung wird geschützt. So bietet sich jetzt den Besuchern rund um den Altar ein ungewöhnliches Bild. Mittlerweile wurde eine aus mehreren Platten bestehende meterhohe und fast den gesamten Raum füllende Staubschutzwand aufgebaut, die die vielen Pfeiler des Lettners rund um den Altar verdeckt und schützt. Nur der Altar in der Mitte bleibt ausgespart, weil die Gottesdienste auch in der Sanierungszeit weitergehen werden. Für die Gottesdienst-Gänger und die anderen Kirchenbesucher soll aber auf der Staubschutzwand noch eine „Fototapete“ angebracht werden, die den Bild-Eindruck aus der Zeit vor der Sanierung vermitteln soll.

Auch im Hohen Chor ist die Einhausung von wertvollen Kunstgegenständen fortgeschritten, ebenso wie an den Seitengängen links und rechts. Wenn es richtig los geht mit der Sanierung, dann wird in der Kirche noch im Nebenschiff vor dem Hindenburg-Grab auch noch eine Bauhütte eingerichtet, erläutert Pfarrer Hilzinger. Dies soll dazu beitragen, dass der Ausbau und die dringend notwendige Reinigung einiger Fenster direkt vor Ort geschehen kann.

Die erste Bauphase wird anderthalb Jahre in Anspruch nehmen und somit auf jeden Fall auch im gesamten kommenden Jahr ungeachtet des Stadtjubiläums „Marburg 800“ andauern. Daran anschließend erfolgt dann Bauphase zwei, bei der die Innensanierung fortgesetzt wird. Das Bauende soll dann im Jahr 2024 sein.

Damit verbunden ist natürlich auch, dass es große Einschränkungen beim Besuch der Elisabethkirche geben wird, weil viel weniger besichtigt werden kann als in normalen Zeiten möglich wäre. So werden die täglichen Kirchenführungen bis auf Weiteres nicht mehr angeboten, erklärt Pfarrer Hilzinger. Das wirkt sich jetzt erst einmal nicht ganz so gravierend aus, weil die Führungs-Saison sowieso normalerweise zwischen Oktober und April ausgesetzt ist. Pünktlich zum Start der neuen Saison im Mai 2022 wird es sich aber schon auswirken.

Auch wenn die regulären Kirchenführungen erst einmal storniert werden, heißt das aber nicht, dass führungstechnisch gesehen gar nichts mehr passieren wird. Das gilt sowohl für die direkt von der Kirche angebotenen Führungen als auch für die über „Marburg Stadt und Land Tourismus GmbH“ (MSLT) vermittelten Führungen der städtischen Gästeführer.

Sonderführungen

„Es werden noch Sonderführungen angeboten, beispielsweise zum Reformationstag oder zum Deutschen Orden“, erläutert Hilzinger. Und immerhin ist ja auch noch einiges so zu besichtigen. Beispielsweise könnte der Elisabethschrein erst einmal weiter zugänglich bleiben.

Und ansonsten ist bei den Kirchenführungen jetzt sehr viel Kreativität gefragt. Zudem soll nach den Worten des Besucherpfarrers versucht werden, jetzt eben bei Führungen verstärkt das Areal rund um die Kirche mit einzubeziehen. Zudem soll es auch Spezialführungen zu der Innensanierung geben, wobei man zeitweise sogar den Restauratoren über die Schulter schauen könnte. Auch Dachstuhl-Führungen sind weiter möglich.

In Vor-Corona-Zeiten verzeichnete die Elisabethkirche rund 100 000 Besucher, erläutert Pfarrer Hilzinger. Diese Zahl hat sich seit März 2020 wegen der Corona-Pandemie schon reduziert. Wie sich die Einschränkungen aufgrund der Sanierung auf die Attraktivität des Besuchermagnets Elisabethkirche auswirken wird, lässt sich derzeit aber noch nicht abschätzen.

Von Manfred Hitzeroth