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Marburg In den Kliniken wird es eng
Marburg In den Kliniken wird es eng
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07:58 04.11.2020
Eine Pflegerin in Schutzausrüstung betreut einen Corona-Patienten auf der Intensivstation IT2 im Operativen Zentrum II des Universitätsklinikums Essen. Die Warnungen, dass der Platz auf Intensivstationen knapp werden könnte, werden lauter. Quelle: Fabian Strauch/dpa
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Marburg / Eschborn

„Die für Covid-Patienten bereitgehaltenen Plätze laufen zusehends voll“, sagte der Geschäftsführende Direktor der Hessischen Krankenhausgesellschaft, Professor Steffen Gramminger, der Deutschen Presse-Agentur.

„Ohne Gegenmaßnahmen und ohne Nachsteuern“ reichten die Kapazitäten für Covid-Patienten in Hessen „vielleicht noch eine Woche oder zehn Tage“, sagte Gramminger. Mit Nachsteuern meint Gramminger, dass mehr Kapazitäten für Covid-Patienten geschaffen werden – zu Lasten von planbaren Eingriffen.

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In bestimmten Regionen – etwa in Mittelhessen und im Rhein-Main-Gebiet – habe die Auslastung vor dem Wochenende schon rund 80 Prozent betragen. Bisher könne man Patienten weiterverlegen und damit die Belastung der Kliniken gleichmäßig verteilen. Der Anteil der Erkrankten, die beatmet werden müssten, sei derzeit glücklicherweise deutlich niedriger als im Frühjahr.

Laut Intensivregister lagen am Sonntag in Hessen 194 Patienten mit Covid-19 auf Intensivstationen, 102 von ihnen wurden beatmet. Rund 1 700 von knapp 2 130 Intensivbetten waren belegt, das entspricht etwa vier von fünf Intensivbetten. Hinzu kommen 1 000 Betten Notfallreserve.

Mit dem Teil-Lockdown ab diesem Montag verbindet Gramminger die Hoffnung, „dass wir es schaffen, dass die Zahlen stagnieren“. Auch wenn die Einschränkungen viele Branchen hart träfen: „Es ist ein Versuch und es muss sein.“ Letztlich komme es aber darauf an, dass die Menschen im Privaten ihr Verhalten änderten.

Auch im Universitätsklinikum Gießen-Marburg schaut man „mit einer gewissen Besorgnis auf die stetig steigenden Zahlen“, wie Pressesprecherin Christine Bode auf OP-Anfrage mitteilte. Allerdings habe das Klinikum „organisatorisch und medizinisch von den Erfahrungen aus der ersten Welle im Frühjahr profitiert“. Das UKGM sehe sich „derzeit gut gerüstet, sowohl Covid-19-Patienten als auch unsere anderen Patienten, die einer dringenden medizinischen Behandlung bedürfen, adäquat versorgen zu können“. Stand gestern gab es im Landkreis Marburg-Biedenkopf noch 38 freie Intensivbetten. 108 Intensivbetten waren mit Patienten ohne Covid belegt.

„Gemäß der Vorgaben des Landes Hessen passen wir unsere Kapazitäten der aktuellen Notwendigkeit an und stellen so die Versorgung der Covid-Patientinnen und -Patienten und unserer anderen Patienten sicher“, betont UKGM-Pressesprecherin Christine Bode. Das Klinikum habe „alle dafür erforderlichen Maßnahmen getroffen, um angesichts der steigenden Zahlen an Covid-19-Patienten flexibel reagieren zu können. Wir stehen sowohl mit den Krankenhäusern des Versorgungsgebietes als auch überregional mit dem Ministerium im ständigen Kontakt.“

Der Landkreis befindet sich derzeit in der sogenannten Eskalationsstufe 2. Die besagt, dass Kliniken weitere Kapazitäten frei machen, sollte dies notwendig sein. Das heißt, Ärzte überprüfen Eingriffe, die medizinisch nicht dringend notwendig sind und eventuell verschoben werden können.

Von Uwe Badouin und unserer Agentur

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