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Marburg „Theater, Konzerte, Kunst“
Marburg „Theater, Konzerte, Kunst“
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09:58 16.08.2021
Die Bars an der „Place d’arme“ in Poitiers sind gut besucht.
Die Bars an der „Place d’arme“ in Poitiers sind gut besucht. Quelle: Chris Dussoir
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Poitiers

60 Jahre: So lange besteht bereits die Städtepartnerschaft zwischen dem französischen Poitiers und Marburg. Seit 1961 gibt es verschiedene Verbindungen zwischen Vereinen, Schulen, Verwaltung und der Wirtschaft. Die beiden Universitäten pflegten auch schon vor der Städtepartnerschaft Beziehungen. In diesem Jahr waren Feierlichkeiten vorgesehen, doch die Corona-Pandemie erschwert die Planungen und auch den Austausch.

Inzwischen kommt man in Poitiers wieder einer gewissen Normalität nahe. „Das kulturelle Angebot arbeitet sich langsam wieder empor“, sagt der Deutschlehrer Olivier Blanchard aus Poitiers. „Momentan gibt es alles: Theater, Konzerte, Kunst“, erzählt Chris Dussoir, der in Poitiers als Filmregisseur arbeitet und in Marburg lebt.

Ein fast normales Leben

„Es gibt viele Veranstaltungen. Die Bars sind voll. Das Leben ist fast normal“, sagt er weiter. Eine Veranstaltung, die zwar erst im Oktober stattfindet, aber nichtsdestotrotz erwähnenswert ist, ist das Straßenkunst-Festival „Les Expressifs“, an dem regelmäßig Bands aus Marburg teilnehmen, wie sowohl Dussoir als auch Blanchard berichten.

Die Partnerschaft zwischen Poitiers und Marburg

Mit Poitiers besteht die längste Städtepartnerschaft unter den insgesamt sechs Partnerstädten Marburgs. Seit 1961 gibt es Kontakte zwischen Schulen, Vereinen, den städtischen Verwaltungen und der Wirtschaft. Auf universitärer Ebene kam es bereits vor der offiziellen Städtepartnerschaft 1961 zu Partnerschaftsvereinbarungen. In Marburg engagiert sich neben der Deutsch-Französischen Gesellschaft auch das Kinder- und Jugendparlament (KiJuPa) für den Austausch mit der französischen Partnerstadt.

Mit der Aktion „Ensemble pour le climat“ („Gemeinsam gegen den Klimawandel“) feiert das KiJuPa die städtepartnerschaftlichen Jubiläen mit Sfax in Tunesien (50 Jahre) und Poitiers (60 Jahre) und setzt sich für den gemeinsamen Klimaschutz ein.

Poitiers liegt im Westen Frankreichs und ist eineinhalb Stunden mit dem Zug von Paris entfernt. Zudem kommt man schnell zu den Loire-Schlössern und an die Atlantikküste bei La Rochelle. Aber Poitiers hat touristisch auch selbst einiges zu bieten. Es gibt viele sehenswerte Kirchen, „darunter Notre-Dame-la-Grande, die Kathedrale mit einer Orgel aus dem 18. Jahrhundert, die Taufkirche St. Jean“, erzählt Blanchard. Darüber hinaus liegt der Freizeitpark Futuroscope in unmittelbarer Nähe.

Viele Verbindungen nach Marburg

Apropos Architektur: Auch hier zeigen sich bei Poitiers und Marburg Parallelen. „Beide sind Universitäts- und Studentenstädte, fast gleich groß, in beiden stehen die Geschichte und das architektonische Erbe im Mittelpunkt. Beide haben einen schönen und zugleich übersichtlichen Stadtkern“, sagt Blanchard.

Die Partnerschaft zeichnet sich für Blanchard auch dadurch aus, dass sie in der gesamten Gesellschaft stattfindet. „Besonders schön finde ich, dass sie sich nie auf die Behörden beschränkt, sondern immer wieder Vereine, Schulen, Bands und Sportler mit einbezogen wurden“, erklärt Blanchard. Er selbst habe in Marburg viele Freunde, und „wir hegen und pflegen einen langjährigen Schüleraustausch“.

Sehenswürdigkeiten in Poitiers

In Poitiers gibt es vieles zu sehen:

Die Kathedrale Saint-Pierre mit einer Orgel aus dem 18. Jahrhundert. Baubeginn der Kathedrale war 1162.

Die Kirche Notre-Dame-la-Grande aus dem 11. und 12. Jahrhundert.

Die Taufkirche St. Jean mit einem Taufbecken aus dem vierten Jahrhundert.

Die Kirche Montierneuf aus dem 11. Jahrhundert.

Der Justizpalast.

Für Chris Dussoir kommt ein privater Aspekt hinzu. „Ich bin mit einer deutschen Frau verheiratet“, sagt der 38-Jährige. So pendelt er zwischen seinem Wohnort Marburg und seiner Arbeitsstätte Poitiers und verkörpert gewissermaßen die Verbindung zwischen den Städten.

Corona-Pandemie in Poitiers

Im Mai 2020 fragte die OP in Poitiers nach, wie bei der Pandemiebekämpfung vorgegangen wurde. Zu Beginn der Pandemie im März 2020 waren in der französischen Partnerstadt unter anderem Kindergärten und Schulen geschlossen, Besucher durften Pflege- und Altenheime nicht betreten, kulturelle und gastronomische Einrichtungen mussten schließen.

Im weiteren Verlauf der Pandemie gab es Ausgangssperren, und Bewohner mussten beim Gang aus dem Haus eine Bescheinigung mit sich führen, weshalb sie das Haus verlassen. Ab Mitte Mai 2020 traten die ersten Lockerungen in Kraft.

Von Lucas Heinisch