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Marburg Zulieferer lässt Post-Boxen offen stehen
Marburg Zulieferer lässt Post-Boxen offen stehen
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16:48 07.08.2019
Dreimal hat ein Zulieferer alleine in der vergangenen Woche Boxen mit Briefen und Zeitungen auf einem Postverteilerkasten am ­Ortenberg stehen gelassen, sagt OP-Leser Jürgen Scharf, der die Vorgänge mittels Bildern dokumentierte. Quelle: Jürgen Scharf
Marburg

OP-Leser Jürgen Scharf wunderte sich in den vergangenen Wochen des Öfteren. Gleich dreimal habe eine gelbe Box auf dem Postverteilerkasten direkt vor seiner Wohnung an der Zahlbach gestanden, sagt er. Die Briefe und Zeitschriften, die dort drinnen lagen, hätte ­jeder Passant mitnehmen können. „Zum Glück ist der Kasten etwas versteckt“, sagt Scharf im Gespräch mit der OP.

Am 30. Juni und vergangenen Donnerstag sowie Samstag merkte Scharf das Problem. Er rief bei der DHL an. Der dortige Mitarbeiter habe die Sache aber „lapidar abgehakt“, sagt Scharf. Das machte den Marburger sauer. Für ihn steht fest: „Das kann nicht sein.“

Alexander Böhm, Post-Pressesprecher für Mittelhessen, gibt ihm recht. „Das darf nicht sein“, sagt Böhm, „und das wird auch nicht mehr vorkommen.“ Auf OP-Anfrage bestätigte Böhm, den Missstand. Die gelben Kästen habe ein Fahrer einer externen Transportfirma, die für die Post Versorgungsfahrten übernimmt, dort abgestellt. Auf Nachfrage konnte sich der Zulieferer aber nicht mehr daran erinnern, sagt Böhm.

Im vergangenen Jahr gab es ähnliche Vorfälle

Der Post-Pressesprecher tippt, dass der Fahrer den Schlüssel für den Verteilerkasten vergessen hatte und stattdessen die Post obendrauf stellte, im Glauben, dass der Zusteller die Post dringend brauche. Das sei aber nicht zulässig. Könne der Fahrer den Verteilerkasten nicht öffnen, so müsse er die Post wieder mitnehmen, sagt Böhm. Das habe die Post der Transportfirma auch nochmal deutlich gemacht.

Wie es sein kann, dass der Zulieferer den Schlüssel gleich mehrfach vergessen hat, ist nicht klar. Denn: OP-Leser Jürgen Scharf berichtete von mindestens drei Vorfällen, die er auch jeweils mit Foto dokumentierte. Bereits im vergangenen Jahr hatten sich OP-Leser mehrmals über ähnliche Probleme beklagt. Ein Marburger rief gar bei der Polizei an, als er eine solche gelbe Box an einem Verteilerkasten in Ockershausen entdeckte.

Daraufhin sammelten Polizisten die Briefe ein und benachrichtigten den zuständigen Zusteller. Ob gestern erneut Post außerhalb des Verteilerkastens an der Zahlbach abgestellt wurde,­ konnte Jürgen Scharf nicht ­sagen. Er bat aber seinen Sohn, darauf zu achten. Obgleich Scharf ohnehin weiß: „Montags werden erfahrungsgemäß erst gar keine Briefe ausgetragen.“

Bundesnetzagentur soll mehr Befugnisse erhalten

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) will derweil mit einer Reform des Postgesetzes die Rechte von Verbrauchern stärken (die OP berichtete). Geplant sind zum Beispiel effektivere Beschwerdeverfahren – etwa, wenn Briefe oder Pakete nicht zugestellt werden. Außerdem soll die Bundesnetzagentur mehr Befugnisse erhalten.

Die Teilnahme an Schlichtungsverfahren soll verbindlich werden, dies zielt vor allem auf die Deutsche Post. Im Briefmarkt soll es mehr Wettbewerb geben. Das sehen Eckpunkte für eine Überarbeitung des Postgesetzes vor, die das Ministerium am vergangenen Donnerstag vorgelegt hatte.

Das Wirtschaftsministerium prüft dabei auch, ob die Post künftig noch an sechs Tagen in der Woche Briefe zustellen muss – das EU-Recht verlangt nur eine Zustellung an fünf Tagen. Post-Pressesprecher Böhm wollte sich auf OP-Anfrage nicht weiter dazu äußern. Solange die Post sechs Tage pro ­Woche ­zustellen müsse, tue sie das auch, sagte Böhm. Die Gesetzgebung könne man nicht beeinflussen.

von Tobias Kunz und unserer Agentur