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Marburg KUSS-Festival startet am Sonntag
Marburg KUSS-Festival startet am Sonntag
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08:00 30.03.2019
Jürgen Bandte (hinten, links), Vorsitzender des Freundeskreises des Landestheaters, präsentiert die Jury des KUSS-Festivals: Mechthild Grabner (von links), Helen Jahnke-Schuck, Anouk Ehlgen, Marion Benz-Hoff, Sophie Hermann, Jakob Finkelmeyer und Josia Lipinksy. Quelle: Uwe Badouin
Marburg

Das ursprünglich geplante Eröffnungsstück „Ophelias Schattentheater“ musste wegen einer Erkrankung leider abgesagt werden. Stattdessen kommt das Theaterhaus Ensemble Frankfurt mit „Runter auf Null“ nach Marburg. „Runter auf Null“ rückt das Lebensgefühl Heranwachsender ins Zentrum und ihren Umgang mit Mutproben und dem Internet: „Ist nur dann etwas wirklich passiert, wenn ich es mit Tausenden geteilt habe?“, fragt das Stück von Kristofer Grønskag.

„Runter auf Null“ ist eines von wenigen Stücken des Festival-Programms, für das es nach Auskunft von Festivalleiter Jürgen Sachs noch Karten gibt. Ein kleines Kartenkontingent gibt es auch noch für das Kinder-Tanz-Stück „Mein Platz, Dein Platz“ des Hessischen Landestheaters, das am Dienstag, 2. April, um 16 Uhr zu sehen ist (ab 3).

Gleiches gilt für „Das besondere Leben der Hilletje Jans“, mit dem das echtzeit-theater aus Münster am Donnerstag, 4. April, um 18 Uhr nach Marburg kommt. Und auch für das Finale mit „Das doppelte Lottchen“ vom Comedia Theater Köln und der Preisverleihung am Samstag, 6. April, um 18 Uhr gibt es noch Karten. Für alle anderen Vorstellungen gibt es allenfalls noch Einzelkarten. „Aber nachzufragen lohnt sich“, meint Sachs.

Jury besteht aus Erwachsenen und Jugendlichen

Apropos Preisverleihung: Der Preis der Hessischen Kinder- und Jugendtheaterwoche „KUSS“ wird zum 22. Mal vom Freundeskreis des Hessischen Landestheaters ausgelobt. Er ist mit 2.000 Euro dotiert und inzwischen sehr begehrt. Und er hat „KUSS“ erst zu einem richtigen Festival gemacht, wie der Freundeskreis-Vorsitzende Jürgen Bandte immer wieder betont.

Vergeben wird der Preis, und das ist das Besondere an dem Marburger Theaterfestival, von einer Jury, die sich aus Erwachsenen und Jugendlichen zusammensetzt – also von ganz normalen Besuchern und eben nicht ausschließlich aus Theaterprofis. Vom Landestheater dabei sind die Ensemble-Mitglieder Mechthild Grabner und Artur Molin, die sich abwechseln werden.

Auf die Jury kommt richtig viel Arbeit zu. Immerhin müssen 19 verschiedene Stücke bewertet, quasi Äpfel mit Birnen bewertet werden. Denn das Spektrum reicht von Produktionen wie „Astons Steine“ des Stockholmer Teater Pero für Kinder ab 3 Jahren bis zum Vampir-Tanz-Spektakel „Blood Kiss“ des Danstheaters Aya aus Amsterdam für Jugendliche ab 12 Jahren.

Doch die Jury ist inzwischen recht erfahren: Helen Jahnke-Schuck (70), Sophie Hermann (15) und Anouk Ehlgen (14) sind zum dritten Mal dabei und Josia Lipinsky (17) zum zweiten Mal. Jakob Finkelmeyer (15) und Marion Benz-Hoff sind neu. Die Schülerinnen und Schüler werden für eine Woche vom Unterricht befreit, schließlich sehen sie von morgen bis abends Theater – manchmal vier Stücke am Tag.

"Wir glauben an Theater für alle."

Das Festival ist eine Chance für das Landestheater, Kinder und Jugendliche für das Theater zu begeistern oder zumindest Interesse für das Theater zu wecken. „Viele Jugendliche in meinem Umfeld gehen lieber ins Kino, für viele ist das Theater tot“, meint Josia Lipinsky. Anouk Ehlgen kontert sofort: „Das stimmt nicht.“

Die Mitglieder der Jury freuen sich auf das Festival und darauf, viele unterschiedliche Stilformen zu sehen. „Im letzten Jahr war es eine schöne Zeit, sehr spannend“, meint Sophie Hermann. „Ich finde es mega, dass ihr das macht“, sagte Intendantin Eva Lange bei der Vorstellung der Jury. Ihre Mit-Intendantin Carola Unser betonte: „Wir glauben an Theater für alle. Gut gemachtes Kindertheater kann auch für Erwachsene sehr spannend sein.“

Die beiden neuen Intendantinnen des Landestheaters halten ohnehin nichts von der Trennung in Kinder- und Jugendsparte auf der einen und Erwachsenensparte auf der anderen Seite. „Diese Trennung muss weg, das ist die Zukunft“, betonen sie. Das gelte auch für die oft schlechteren Produktionsbedingungen im Kinder- und Jugendbereich. „Das wollen wir nicht.“

von Uwe Badouin