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Marburg In Ginseldorf startet das Carsharing
Marburg In Ginseldorf startet das Carsharing
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12:00 02.05.2022
Ehrenamtliche Helfer des Dorfladen Ginseldorf, Vertreter der Stadt Marburg und die Sponsoren des Carsharing-Projekts freuen sich über den Start des Versuchs mit zwei E-Autos.
Ehrenamtliche Helfer des Dorfladen Ginseldorf, Vertreter der Stadt Marburg und die Sponsoren des Carsharing-Projekts freuen sich über den Start des Versuchs mit zwei E-Autos. Quelle: Foto: Gianfranco Fain
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Ginseldorf

Zwei strahlend weiße Renault Zoe stehen am Freitag im Mittelpunkt des Interesses der rund 50 Gäste im Hof des Dorfladens Ginseldorf. Die beiden Elektrofahrzeuge kennzeichnen den Beginn des Carsharing-Projekts im Marburger Stadtteil. Dass die ebenso strahlenden Ginseldorfer als erste durchstarten, kommt nicht von ungefähr, verdeutlicht Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies.

Ausgelöst durch die Arbeitsgemeinschaft Mobilität und Versorgung in den Marburger Außenstadtteilen beschäftigte sich eine Gruppe des Ortes schon frühzeitig mit dem Thema Mobilitätswende und der nachhaltigeren Anbindung an die Kernstadt. Dadurch standen die Grundzüge schon fest, als das Bürger-Carsharing im Zuge von IKEK, dem Dorfentwicklungsprogramm des Landes, entstand.

Beitrag zur Verkehrswende und zum Klimaschutz

Dennoch war noch viel ehrenamtliche Arbeit nötig, bis das Pilotprojekt verwirklicht wurde, führt Spies aus und Ralf Laging fügt an: „Das geht nur, wenn man im Ruhestand ist.“ Schon früh stand dagegen fest, das Projekt mit Elektrofahrzeugen anzugehen, weil es ein Beitrag zur Verkehrswende und dem Klimaschutz sein soll. „Das wäre mit Bestandautos nicht möglich“, sagt Laging. Zugleich besteht die Hoffnung, durch das Carsharing-Projekt die Anzahl an Fahrzeugen in den Ginseldorfer Haushalten „runterzufahren“ oder Menschen, die kein eigenes Auto besitzen wollen, Mobilität zu ermöglichen.

So funktioniert Ginselmobil

Für das E-Carsharing in Ginseldorf stellt der Verein Dorfladen zwei Renault Zoe zur Verfügung. Diese haben ihre Standorte am Bürgerhaus und im Gunzelinweg. Voraussetzung für das Nutzen des Angebots ist die Mitgliedschaft im Verein „Dorfladen Ginseldorf“, der Abschluss eines Nutzungsvertrags, ein Mindestalter von 18 Jahren, ein gültiger Führerschein sowie eine Einweisung in das Fahrzeug.

Gebucht und abgerechnet wird über die App „familiy car sharing“, in der die gewünschte Uhrzeit angegeben sowie das Fahrzeug ausgewählt werden und ein Code ausgegeben wird. Mit diesem wird am Standort des Fahrzeugs der Schlüssel aus einem Tresor entnommen. Nach dem Entriegeln des Ladekabels kann die Fahrt beginnen. Die Rückgabe erfolgt am selben Standort, das Ladekabel ist wieder anzuschließen und der Schlüssel in den Tresor zu legen. Abgerechnet wird am Monatsende per Lastschrift.

Bis die Stadt das Buchungs- und Abrechnungssystem bereitstellt, erfolgt die Ausleihe nach einem reinen Zeittarif, der gestaffelt nach Mietdauer und Tageszeit 1,50 bis 4,50 Euro je Stunde beträgt. Für eine Tagesbuchung werden 35, für ein Wochenende 50 Euro fällig. Die Preise schließen Kilometer und Stromkosten ein. Mit Einführung des Abrechnungssystems wird ein Tarifmix aus Zeit und Kilometerleistung gelten.  

Die Jahresmitgliedschaft „Plus“ im Verein „Dorfladen Ginseldorf“ kostet für Einzelpersonen 48 Euro, für Familien 74 und für Vereine 112 Euro.

Das ist neben dem Erreichen ihrer Klimaziele ein weiterer Anlass für die Stadt Marburg, dieses Projekt finanziell zu unterstützen. Man wolle durch das Umgestalten der Mobilität erreichen, dass die Lebensqualität in den Außenstadtteilen genauso hoch wird wie im Zentrum, erklärte der Oberbürgermeister.

Zu einer geänderten Mobilität gehört in Ginseldorf auch, dass Mitglieder des Trägervereins Dorfladen Senioren für Fahrdienste zur Verfügung stehen. Ein vierköpfiges ehrenamtliches Team organisiert als Unterabteilung des Dorfladens das Carsharing im Ort. Wie schnell die Ginseldorfer das Projekt auf die Beine stellten, verdeutlicht das Fehlen eines Buchungssystems. Dieses stellt die Stadt Marburg bereit, wird aber erst Ende Juli zur Verfügung stehen. Bis dahin können die Ginseldorfer das Carsharing übergangsweise mit einem reinen Zeittarif testen, danach wird nach Zeit- und Kilometerleistung abgerechnet. Bis zu 15 Interessenten für das Carsharing gibt es laut Laging schon, die Familie von Tobias Long hat sogar ihr Auto abgemeldet und will ihre Fahrten mit den Leihfahrzeugen bestreiten.

Stadt trägt Versicherungskosten der beiden Fahrzeuge

Neben dem Buchungssystem trägt die Stadt auch die Kosten für die Versicherung der beiden Fahrzeuge und stand in der Planungszeit beratend zur Seite. Insgesamt beträgt der Anteil der Stadt an den Kosten „mindestens 15 000 Euro“, aus dem Dorfentwicklungsprogramm des Landes Hessen erhalten die Ginseldorfer 20 000 Euro. Weitere 10 500 Euro steuerten lokale Sponsoren bei, zu denen unter anderen neben den Firmen Wachsmann Lift-Technik und Wetzstein Gartengestaltung der Biohof der Familie Pohl, die Sparkasse Marburg-Biedenkopf und die Marburger Stadtwerke zählen. Letztere installieren in Ginseldorf auch eine Ladestation mit zwei Ladepunkten – einen öffentlichen und einen für das private Carsharing. Bis dahin lädt der Verein die Fahrzeuge an privaten Wallboxen. Eine weitere finanzielle Unterstützung durch einen Rahmenvertrag des Bundesverbandes Carsharing mit dem Fahrzeughersteller Renault ermöglicht eine monatliche Leasingrate von 90 Euro je Fahrzeug. Ziel des nicht gewinnorientierten Vereins ist, diese Kosten durch das Vermieten hereinzufahren. Moischt und Elnhausen/Dagobertshausen, die beiden anderen Pilot-Standorte, sind noch im Planungsstadium.

Von Gianfranco Fain