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Marburg In Erinnerungen an viele Sommer
Marburg In Erinnerungen an viele Sommer
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18:00 24.10.2021
Saša Stanišic präsentiert im Marburger Cineplex sein prämiertes Buch „Herkunft“.
Saša Stanišic präsentiert im Marburger Cineplex sein prämiertes Buch „Herkunft“. Quelle: Privatfoto
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Marburg

Bereits vor zwei Jahren erhielt er nach dem Gewinn des Deutschen Buchpreises 2019 für sein Werk „Herkunft“ vom Marburger Literaturforum und der Kulturellen Aktion Marburg eine Einladung nach Marburg, in diesem Jahr ist es endlich so weit. Die Veranstaltung findet im Zuge des Literaturfestivals Leseland Hessen statt. Der Eintritt beträgt im Vorverkauf und an der Abendkasse im Cineplex regulär zwölf und ermäßigt zehn Euro.

„,Herkunft’ ist ein Buch über meine Heimaten, in der Erinnerung und der Erfindung. Ein Buch über Sprache, Schwarzarbeit, die Stafette der Jugend und viele Sommer“, erläutert Stanisic. Dabei erinnere er sich an verschiedene Sommer, beispielsweise „als mein Großvater meiner Großmutter beim Tanzen derart auf den Fuß trat, dass ich beinahe nie geboren worden wäre. Den Sommer, als ich fast ertrank. Den Sommer, in dem Angela Merkel die Grenzen öffnen ließ und der dem Sommer ähnlich war, als ich über viele Grenzen nach Deutschland floh.“

Abschied von Großmutter

Das Buch sei in gewisser Weise auch ein Abschied von seiner dementen Großmutter. „Während ich Erinnerungen sammle, verliert sie ihre“, erklärt er. Das Werk habe folglich auch einen traurigen Hintergrund, weil „Herkunft für mich zu tun hat mit dem, das nicht mehr zu haben ist.“

In „Herkunft“ sprechen laut Stanisic die Toten, die Schlangen sowie seine Großtante Zagorka, die sich in die Sowjetunion aufmacht, um Kosmonautin zu werden.

Saša Stanišics Werke bestechen immer wieder durch das Spiel mit Detailbeobachtungen, Karikatur und Ernst in Geschichten, die wie beiläufig erzählt sind und doch lange nachklingen. Bereits sein Debüt „Wie der Soldat das Grammophon repariert“ wurde in 31 Sprachen übersetzt. Mit seinem jüngsten Roman „Herkunft“, der 2019 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde, stellt der 1978 in Jugoslawien geborene, deutschsprachige Autor sich wie seine Leser vor die existenzielle Frage, was wir meinen, wenn wir von Herkunft sprechen.

Auf welche Weise Erinnerungen, Begegnungen, Orte, die Worte, die wir sprechen, unser Erleben von Herkunft prägen, fragt dieser mit Wärme und scharfsichtigem Witz erzählte Roman. Die miteinander in Beziehung tretenden Geschichten von Zufällen, Anekdoten der Familiengeschichte, der eigenen Kindheit und die Erinnerungen an die Großmutter zeugen dabei in ihrer Vielseitigkeit und ihrem fragmentarischen Charakter von einer biografischen Spurenlese.

Kontinuierliche Selbstbefragung

Die eindrücklichen Beobachtungen des Erzählers spiegeln aber auch eine kontinuierliche Selbstbefragung gegenüber der Erfahrung einer Flucht wider, die den Autor 1992 nach Heidelberg führte, und berühren die Frage nach seinen Heimaten. Vor allem aber steht Stanisics „Herkunft“ für den Wunsch, etwas sehr Persönliches zu bewahren.

Sasa Stanisic wurde 1978 in Visegrad in Jugoslawien geboren und lebt seit 1992 in Deutschland. Seine Erzählungen und Romane wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet. Stanisic erhielt unter anderem den Preis der Leipziger Buchmesse für „Vor dem Fest“ und zuletzt für „Herkunft“ den Deutschen Buchpreis 2019 sowie den Eichendorff-Literaturpreis und den Hans-Fallada-Preis der Stadt Neumünster. Er lebt und arbeitet in Hamburg.

Zusätzliche Informationen

Das Buch „Herkunft“ von Saša Stanišic wurde im März 2019 vom Luchterhand Verlag veröffentlicht und besitzt einen Umfang von 368 Seiten. Der Preis beträgt 22 Euro.

Am Mittwoch, 27. Oktober, wird Saša Stanišic, der 2019 den deutschen Buchpreis gewann, sein Werk „Herkunft“ ab 19.30 Uhr im Cineplex Marburg vorstellen und sich im Anschluss noch Gesprächen zu dem Buch widmen.

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