Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Impfzertifikate: Apotheken müssen passen
Marburg Impfzertifikate: Apotheken müssen passen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:42 22.07.2021
Das Ausstellen von Impfzertifikaten wie in der Apotheke an der Hohen Leuchte in Marburg ist aufgrund einer digitalen Sicherheitslücke bis auf Weiteres in keiner Apotheke möglich.
Das Ausstellen von Impfzertifikaten wie in der Apotheke an der Hohen Leuchte in Marburg ist aufgrund einer digitalen Sicherheitslücke bis auf Weiteres in keiner Apotheke möglich. Quelle: Thorsten Richter
Anzeige
Marburg

Nichts geht mehr. Wer gestern in einer Apotheke des Landkreises vorstellig wurde, um sich ein Impfzertifikat ausstellen zu lassen, musste unverrichteter Dinge von dannen ziehen.

Was noch am Mittwochnachmittag wie eine vorübergehende Störung des Registriersystems anmutete, erwies sich am Donnerstag als ernsthafte Datenpanne des beim Deutschen Apothekerverbandes (DAV) angesiedelten Systems.

Wann das Problem behoben wird, ist offen

Auf Anfrage der OP bestätigt eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums, dass „aufgrund eines Hinweises auf eine potenzielle Schwachstelle beim Zugang zum Webportal des DAV die Ausstellung von Impfzertifikaten über dieses Webportal deaktiviert ist“. Wann das Problem beim DAV behoben sein wird, ist offen. Deshalb fallen im Landkreis vorerst die Apotheken als Aussteller der Impfzertifikate aus.

Wer sich impfen lässt, kann jedoch das Ausstellen eines Zertifikates beim Hausarzt oder im Impfzentrum am Afföller veranlassen. Dort werden die Impfbelege weiterhin in den gelben Impfausweis geklebt und auch der Versand eines QR-Codes veranlasst, erklärt Stephan Schienbein, Pressesprecher des Landkreises auf Anfrage der OP. Mit dem Code können die Geimpften ihre Bestätigung in digitale Formate wie die Luca-App oder die Corona-Warn-App einlesen. Auslöser des Abschaltens der Servicemöglichkeit der Apotheken ist die Zeitung Handelsblatt. Deren Mitarbeiter fanden mithilfe gefälschter Dokumente eine Sicherheitslücke. Dazu schufen sie einen Gastzugang auf den Namen eines erfundenen Apothekeninhabers, legten dazu eine gefälschte Betriebserlaubnis und eine weitere Dokumentenfälschung vor, um sodann zwei Impfzertifikate auszustellen.

Bisher ausgestellte Zertifikate sind rechtmäßig

Offensichtlich wurden die bei der Anmeldung eingegebenen Daten für den Gastzugang nicht vor der Freigabe abgeglichen. Der Gastzugang musste eingerichtet werden, da das Bundesgesundheitsministerium eine diskriminierungsfreie Lösung forderte. Zuerst war das Portal nämlich nur den DAV-Mitgliedern zugänglich. Deren Daten sind im Mitgliederverzeichnis enthalten und gewährleisten ein sicheres und zweifelsfreies Authentifizieren der Apotheken.

Laut DAV-Mitteilung sind von den knapp 17 900 auf dem Portal registrierten Apotheken nur 470 über den Gastzugang angeschlossen. Nun werden diese überprüft, weitere Betrugsfälle wurden bis gestern Nachmittag aber nicht entdeckt. Daher sei davon auszugehen, dass die bisher ausgestellten mehr als 25 Millionen Impfzertifikate alle rechtmäßig sind. Wann das Ausstellen von Zertifikaten wieder aufgenommen wird, steht noch nicht fest.

Von Gianfranco Fain

17:58 Uhr
Marburg Corona-Fallzahlen - Neun Corona-Neuinfektionen
16:30 Uhr