Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Impfzentrum steht: Es könnte losgehen
Marburg Impfzentrum steht: Es könnte losgehen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:58 11.12.2020
Maik Klein, stellvertretender Kreisbrandinspektor, zeigt das fertig errichtete Impfzentrum am Messeplatz.
Maik Klein, stellvertretender Kreisbrandinspektor, zeigt das fertig errichtete Impfzentrum am Messeplatz. Quelle: Foto: Nadine Weigel
Anzeige
Marburg

Was alles in eine Woche reinpasst - manchmal kann man nur staunen, denn auch wenn viel reingehen muss, bleibt es dabei, dass ein Tag nur 24 Stunden hat. Da ist es dann umso wichtiger, wenn Teams zueinander finden, die harmonieren, die effizient planen und beherzt zielgenau umsetzen.

So ist es dem Landkreis Marburg-Biedenkopf mit seinem Fachbereich Gefahrenabwehr zusammen mit der Stadt Marburg, den Stadtwerken, dem Dienstleistungsbetrieb der Stadt und der Messe Marburg Veranstaltungs GmbH unter Zuhilfenahme sonstiger stets bereiter Helfer wie den Mitgliedern des Technischen Hilfswerkes gelungen, fristgerecht auf dem Messeplatz in Marburg ein Corona-Impfzentrum zu errichten. Verbaut wurden die Ladungen von 20 Sattelzügen, erläutert Andreas Kleine von der Messe Marburg Veranstaltungs GmbH.

Terminverschiebung

Und kaum dass das Corona-Impfzentrum fertig geworden ist, wurde der bisherige Fix-Termin 11. Dezember tatsächlich zurückgenommen und durch den 28. ersetzt. Wahrscheinlich ist auch nicht früher mit der Zulassung des Impfstoffes zu rechnen. Landrätin Kirsten Fründt nimmt die Terminverschiebung sportlich und ist froh, dass das Zentrum schon mal steht und damit jederzeit einsatzbereit ist. „Es ist aber auch nicht schlecht, jetzt noch ein bisschen Luft zu haben“, sagt sie. Denn sie weiß, wenn der Betrieb erst einmal angelaufen ist, dann wird das tägliche Arbeitspensum enorm sein.

„Das Land Hessen rechnet damit, dass sich etwa 60 Prozent der Bevölkerung impfen lassen wollen. Auf unseren Landkreis gerechnet bedeutet dies, dass das Zentrum von 147 000 Menschen genutzt werden wird“, so die Landrätin. Und die müssen ja innerhalb von drei Wochen zweimal zum Impfen kommen. Somit ist auch schon mal eine Betriebsdauer von 250 Tagen angesetzt worden. Dr. Birgit Wollenberg, Leiterin des Kreisgesundheitsamtes, sagt: „Zu Beginn wird wohl erst mal weniger Betrieb hier vor Ort sein, dann aber werden die Kapazitäten immer mehr ausgenutzt, so das wir am Tag mehr als 1 000 Menschen impfen können.“

Wenn es tatsächlich losgeht, sollen ja in erster Linie Menschen geimpft werden, die ein erhöhtes Risiko auf schwere Krankheitsverläufe haben. Das bedeutet, dass dann erst einmal vier mobile Gruppen zum Einsatz kommen. Diese werden dann durch den Landkreis fahren und die Alten- und Pflegeheime aufsuchen. Auch das Pflegepersonal und medizinisches Personal stehen dann erst einmal an. Dann wird es auch in der 3 200 Quadratmeter großen Halle langsam losgehen.

Dr. Thomas Spies, Oberbürgermeister von Marburg, ist überzeugt davon, dass der Messeplatz ein zentraler Standort für alle Menschen im Landkreis ist. „Wir haben hier einen Busanschluss, aber natürlich werden die meisten Menschen mit dem Privat-Pkw kommen, da liegen wir anbindungsgünstig und können 600 Parkplätze anbieten.“ Es sei keine Frage gewesen, dass sich die Stadt an den Aufbauarbeiten beteiligte, so habe beispielsweise der Dienstleistungsbetrieb Marburg auch 120 Meter Wasserleitungen verlegt. Auch für schnelles Internet für die Datenverarbeitung vor Ort soll noch mit einer Glasfaserleitung gesorgt werden. 93 Ärztinnen und Ärzte haben ihre Bereitschaft signalisiert, beim Impfen zu helfen. Hinzu kommen noch mal 73 Personen mit medizinischen Hintergrund, die beim Ablauf und der Betreuung mithelfen wollen. „Das sind natürlich keine Vollzeitstellen, die meisten haben noch eigene Praxen und Arbeitsplätze, sagt Wollenberg. Es werde ein Dienstplan erstellt, der ein Zweischichtenbetrieb zwischen 7 und 22 Uhr an sieben Tagen in der Woche sicherstellt.

Die Akquise von Fachpersonal laufe aber noch weiter, weil schließlich ein längerer Zeitraum abgedeckt werden muss. „Wir benötigen weiterhin Ärztinnen und Ärzte mit Impferfahrung, medizinische Fachangestellte, Gesundheits- und Krankenpflegekräfte oder auch pharmazeutisch-technische Fachangestellte und anders medizinisches Personal mit mindestens dreijähriger Ausbildung", sagt Wollenberg.

Einladungsmanagement

Wann welcher Personenkreis geimpft wird, legt das Land Hessen fest. Das bedeutet bis auf Weiteres, dass das Einladungsmanagement auch beim Land liegt. Eine private Anmeldung muss vom Gesundheitsamt ebenso abgewiesen werden, wie Menschen, die ohne Impftermin im Impfzentrum erscheinen. Nur so können überlange Wartezeiten vermieden werden und alles geregelt ablaufen. Wer einen Termin nachweisen kann, wird nach einem Fiebermessen registriert und aufgeklärt, ehe es dann in eine der insgesamt 16 Impfkabinen geht.

Dabei ist es möglich, dass Menschen, die sich nicht ausreichend sicher bewegen können, von einer Person begleitet werden dürfen. Nach der Impfung muss jeder noch eine Weile in einem Warteraum Platz nehmen, falls akute Impfreaktionen auftreten sollten. Ein Erste-Hilfe-Raum wird in unmittelbarer Nähe eingerichtet sein. Mit eingebunden in das Gesamtkonzept ist auch die Gefahrenabwehr des Landkreises. „Wir werden natürlich nichts über das Sicherheitskonzept sagen, außer dass es eins gibt“, machte Kreisbrandinspektor Lars Schäfer deutlich. Der Impfstoff werde vom Land verwaltet und geliefert.

Wer in das medizinische Anforderungsprofil passt und noch seine Hilfe anbieten möchte, kann dies per E-Mail tun unter Personal-Impfzentrum@marburg-biedenkopf.de

Von Götz Schaub