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Marburg Impftermin-Vergabe sorgt für Verwirrung
Marburg Impftermin-Vergabe sorgt für Verwirrung
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07:50 18.03.2021
Von der Registrierung bis zum Impftermin kann es Wochen dauern. Mehrere Menschen aus dem Kreis berichten von ihren Erfahrungen.
Von der Registrierung bis zum Impftermin kann es Wochen dauern. Mehrere Menschen aus dem Kreis berichten von ihren Erfahrungen. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Nach welchen Kriterien werden Impftermine vom Land Hessen vergeben? Alter, Erkrankung, Zeitpunkt der Registrierung? Die Terminvergabe-Praxis für eine Corona-Schutzimpfung macht Impfwilligen zu schaffen. Mehrere Leser wandten sich an die OP, alle mit demselben Problem: Sie sind im System, warten aber seit Wochen auf einen Impftermin.

Die Registrierung über das hessische Impf-Serviceportal oder per Telefon hat bei allen funktioniert, nun stagniert der weitere Vorgang. Angemeldet haben sie sich vor drei oder vier Wochen, ein Impftermin soll eigentlich per Email folgen, laut Land Hessen „sobald ein Termin für Sie verfügbar ist“. Und eben diese Email kommt nicht.

Frustration macht sich breit

Frustrierend für die Impfwilligen, die sich nun nach dem vorläufigen Astrazeneca-Stopp erst recht Sorgen machen, ob und wann sie an die Reihe kommen. Darunter Gerold Bender aus Ebsdorf. Er meldete sich online am 23. Februar, seine Frau am Tag danach zur Impfung an, und wartet seitdem, „man guckt immer nur auf seine Emails“, erzählt er frustriert.

Der 64-Jährige ist registriert und impfberechtigt, sowohl schwer herz- wie chronisch lungenkrank, hat zudem Asthma. „Wenn ich Corona kriege, bin ich weg“, fürchtet er und setzt große Hoffnungen in die Impfung.

Rhiel: Seitdem passiert nichts

Die Ungewissheit macht auch Willi Rhiel aus Mardorf das Leben schwer, auch er ist lungenkrank und hat das Warten satt, „seit dem 24. Februar habe ich die Vorgangskennung und seitdem passiert nichts“, berichtet der 68-Jährige. Er fragte schon an verschiedener Stelle nach, erfuhr, dass die Termine nach dem Zufallsprinzip vergeben würden, „das kann ich einfach nicht nachvollziehen“, wundert er sich.

Für beide besonders unverständlich: Bei verschiedenen Bekannten ging es deutlich schneller, diese sind bereits geimpft. Auf Nachfrage wurde ihnen gesagt, dass sie weiter auf die Email warten müssen. „Wenn ja jeder so lange warten müsste, würde ich das ja auch verstehen – aber viele sind ja vor uns dran gekommen, die haben sofort einen Termin gekriegt“, ärgert sich Gerold Bender.

Terminvergabe-Praxis wirke chaotisch und willkürlich

Die Terminvergabe-Praxis wirke da chaotisch und willkürlich. So wie in einem weiteren Fall aus Marburg: Ein 80 Jahre alter Pflegebedürftiger wurde Ende Februar von zwei Verwandten zur Impfung angemeldet, zeitgleich auch die beiden Familienmitglieder, die als sogenannte „enge Kontaktpersonen“ ebenso impfberechtigt sind. Ergebnis: Die deutlich jüngeren Angehörigen sind bereits seit mehr als einer Woche geimpft, der 80-Jährige wartet weiter auf einen Termin.

Ähnlich das Bild bei einem Paar aus dem Nordkreis: Beide sind über die zweite Prioritätsgruppe impfberechtigt, der Ehemann leidet unter Adipositas, ist ansonsten aber gesund und erhielt schnell einen Impftermin – seine schwer kranke Frau muss indes weiter abwarten.

Statusmeldung des Landes

Das Unverständnis darüber wächst. Nach welchen Kriterien verläuft die Terminierung konkret? Eine OP-Anfrage an das Hessische Innenministerium zur Auswahl der Priorisierungsgruppen blieb seit vergangener Woche unbeantwortet.

Gerold Bender erhielt am Montag (16. März) doch noch eine lange Email, zwar nicht mit einem Termin, dafür mit einer „Statusmeldung“ des Landes, das auf fehlende Impfstoffmengen und weitere Engpässe durch den Astrazeneca-Stopp hinweist. Dort heißt es: „Bitte lassen Sie sich nicht verunsichern, wenn Personen aus Ihrem Bekannten- und Freundeskreis schon Impftermine erhalten haben.“ Der Zeitpunkt für einen Termin sei „nicht unmittelbar“ vom Zeitpunkt der Registrierung abhängig.

Impftermin: Alter vor Krankheit

Denn: Neben Impfstoffmenge und Kapazitäten in den Impfzentren sei vor allem – zu zwei Drittel – das Alter entscheidend: Die Termine würden „absteigend nach dem Alter der Registrierten und, beispielsweise innerhalb eines Jahrgangs, nach dem Zufallsprinzip vergeben“.

Also erst die 79-Jährigen, dann die 78-Jährigen und so weiter, so die Mitteilung. Ein weiteres Drittel der Dosen werde „ebenfalls nach dem Zufallsprinzip“ an Menschen vergeben, „die einen berufs- oder krankheitsbedingten Anspruch haben“.

Ersatztermine für Astrazeneca-Impftermine

Ob bei diesen Kriterien nun sein Alter oder seine Krankheit stärker gewertet wurden, weiß Bender nicht, anscheinend Ersteres, ärgert er sich, kann diese Priorisierung nicht nachvollziehen.

Nach dem bundesweiten Impfstopp mit dem Astrazeneca-Mittel wurden in dieser Woche teils Termin-Zusagen in den Impfzentren wieder aufgehoben, das Land Hessen verspricht Ersatztermine und will Betroffene darüber informieren.

Von Ina Tannert, Till Conrad und Björn Wisker

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