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Marburg Marburg statt Metropole
Marburg Marburg statt Metropole
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16:58 09.05.2021
Blick auf das Landgrafenschloss von Ockershausen aus.
Blick auf das Landgrafenschloss von Ockershausen aus. Quelle: foto: Thorsten Richter
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Marburg

In Marburg eine Wohnung zu kaufen, ist mit einem geringen finanziellen Risiko verbunden. Vielmehr verspricht ein Eigentumserwerb in der Universitätsstadt sogar Gewinne – nicht nur, aber speziell für professionelle Investoren. Das geht aus dem jüngsten Risiko-Rendite-Ranking des Beratungsunternehmens Dr. Lübke & Kelber (L&K) hervor.

Die Studie setzt Anlegerrisiko und erzielbare Erträge ins Verhältnis. Marburg liegt demnach im oberen Drittel der 111 untersuchten Städte, ist hessenweit das wohl attraktivste Oberzentrum. Vor allem in den guten Lagen, also in der Innenstadt und den ihr nahen Bereichen wie Ockershausen oder Ortenberg lohnt sich ein Kauf. Jedenfalls dann, wenn es Bestands- und keine Neubauten sind; das wird sichtbar durch den von den Studienautoren ermittelten prozentualen Abstand der Eigenkapitalrendite zur empfohlenen Mindestrendite.

In diesen Städten lohnt sich demnach ein Immobilienkauf im Bestand in guter Lage:

1. Pforzheim: 3,38 Prozent

2. Kaiserslautern: 3,38 Prozent

3. Lüneburg: 3,28 Prozent

31. Fulda: 2,67 Prozent

35. Marburg: 2,65 Prozent

38. Gießen: 2,61 Prozent

In diesen Städten lohnt sich ein Immobilienkauf im Bestand in mittlerer Lage:

1. Bamberg: 4,43 Prozent

2. Flensburg:4,42 Prozent

3. Kaiserslautern: 4,41 Prozent

38. Marburg: 3,54 Prozent

50. Gießen: 3,32 Prozent

51. Fulda: 3,26 Prozent

In diesen Städten lohnt sich ein Immobilienkauf im Neubau in guter Lage:

 1. Landshut: 3,23 Prozent

2. Fürth: 3,18 Prozent

3. Bamberg: 3,16 Prozent

42. Marburg: 2,32 Prozent

58. Gießen: 2,12 Prozent

60. Fulda: 2,10 Prozent

 „Gewinner der Krise sind Mittel- und Universitätsstädte rund um die Metropolen“, sagt Marc Sahling, L&K-Geschäftsführer im Hinblick auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Weil Menschen vermehrt im Homeoffice arbeiten, nehmen sie auch längere Pendelstrecken in Kauf – weil die Wege nicht mehr so häufig zurückgelegt werden müssten. Eine Sehnsucht nach dem Häuschen im Grünen, das man arbeitsbedingt nur noch selten verlassen muss? Schon in den Vor-Pandemiejahren schnitten kleinere Städte in den Analysen der Immobilienexperten am besten ab.

Boom der „B-Städte“

Der Trend, dass sich Käufer zunehmend für sogenannte B-Städte interessieren, zeichnet sich schon seit Längerem ab. Der wesentliche Grund: In Frankfurt, Köln oder anderen Metropolen sind Immobilien schon so teuer geworden, dass es kaum noch Rendite abwirft. Jedoch: Die Risiken eines Immobilieninvestments sind in Großstädten sehr gering.

Im Gegensatz dazu steigen die Mieten in Deutschlands Städten kaum noch an. Sie entwickeln sich eher seitwärts. Für Investoren heiß das: Das Verhältnis von Kaufpreisen zu Mieten ist so stark auseinandergedriftet, dass besonders in den Metropolen mit neuen Immobilienkäufen kaum mehr Geld zu verdienen ist.

Dr. Lübke & Kelber führt die Studie seit mehreren Jahren durch – und jedes Jahr werden die erzielbaren Renditen geringer. Aber auch im Jahr 2020 gibt es keine Stadt, die eine negative Relation aufweist. Die alte Weisheit vom „Betongold“ bestätigt sich also weiter, denn Immobilien sind noch immer eine ertragreiche Anlageform.

Eine aktuelle Erhebung des Immobilien-Instituts Empirica und der Deutschen Teilkauf zeigt unterdessen, in welchen Regionen die wohlhabendsten Senioren wohnen – es ist eine Übersicht, die bei den Vermögensanteilen vor allem auf Immobilieneigentum fußt. Im Hinblick auf das durchschnittliche gesamte Netto-Haushaltsvermögen der über 60-Jährigen, landet Marburg-Biedenkopf mit rund 320 000 Euro demnach im unteren Mittelfeld, nicht mal in Mittelhessen vorne, sondern deutlich hinter dem Kreis Gießen.

Studie fokussiertauf Profi-Investoren

Für die in dem Ranking zugrunde gelegte Investitionsanalyse unterstellte die Studie eine Investoren-Eigenkapitalquote von 55 Prozent bei einem auf zehn Jahre fixierten Zins von 0,74 Prozent für Fremdkapital. Dabei konnten in fast allen der 111 untersuchten Städte Eigenkapitalrenditen von bis zu gut drei Prozent erzielt werden. Unklar ist, wie sich die während der Corona-Pandemie sichtbar sinkende Zahl der in Marburg wohnenden Studenten auf die Preisentwicklung auswirken wird. Bis Frühjahr 2020 gingen Prognosen des Regierungspräsidiums Gießen davon aus, dass Marburg bis 2030 durch anhaltenden Zuzug an der 80 000-Einwohner-Marke kratzen würde. Die Wohngebiets-Ausweisungen, etwa am Hasenkopf und Oberen Rotenberg, jüngst auch im Osten der Stadt, fußen maßgeblich auf dieser Kalkulation.

Von Björn Wisker

09.05.2021
09.05.2021