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Marburg Zahl der Hochzeiten sinkt auf Rekordtief
Marburg Zahl der Hochzeiten sinkt auf Rekordtief
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10:01 16.05.2022
2021 haben so wenig Paare in Deutschland geheiratet wie lange nicht.
2021 haben so wenig Paare in Deutschland geheiratet wie lange nicht. Quelle: Foto: Silas Stein/dpa
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Marburg

Schon Friedrich Schiller mahnte: „Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet.“ Was an der Schwelle vom 18. zum 19. Jahrhundert Ausdruck dichterischer Freiheit gewesen sein mag, ist im 21. Jahrhundert Realität: Die Zahl der standesamtlichen Eheschließungen in Deutschland geht kontinuierlich zurück.

Im zurückliegenden Jahr sank die Zahl der Hochzeiten auf einen neuen historischen Tiefstand: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) trauten sich 2021 deutschlandweit rund 357 800 Paare. Damit seien 2021 noch einmal 15 500 oder 4,2 Prozent weniger Ehen geschlossen worden als im ersten Corona-Jahr 2020, in dem die Zahl bereits um 10,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken war. Doch bereits in Vor-Corona-Zeiten gab es eine Abwärtsbewegung – also muss es auch andere Gründe dafür geben, sich nicht gegenseitig den Ring an den Finger stecken zu wollen.

„Wer Luxus will, muss auch für Luxus zahlen“

Zurück zu Schiller: „Der Wahn ist kurz, die Reu’ ist lang“, warnte er. Und in der Tat: Viele Verliebte scheinen davor zurückzuschrecken, dass schon die Eheschließung mit Kosten in vier- bis fünfstelliger Höhe verbunden sein kann. Allein für ein Brautkleid schlagen 500 bis 3 000 Euro zu Buche, rechnet Inka Brühl vor. Die Betreiberin der Brautboutique Katharina in Marburg sagt: „Ich erkläre es immer gern so: Sie kommen mit einem Ferrari von Marburg nach Frankfurt, aber auch mit einem Opel Corsa – wer Luxus will, muss auch für Luxus bezahlen.“

Sie selbst habe von einem Rückgang der Nachfrage nach Brautkleidern nicht allzu viel bemerkt: „Klar, in der Pandemie sind viele Hochzeiten verschoben worden – aber die finden jetzt statt.“

Kostenfalle Scheidung

Wie auch immer – der „schönste Tag des Lebens“ hat seinen Preis, und da kann man auch im siebten Himmel schon einmal kalte Füße bekommen. Mehr noch: Scheitert die Beziehung, kann eine Scheidung erst zur richtigen Kostenfalle werden. Den Stress der Hochzeitsvorbereitungen wollen sich ebenfalls viele Paare ersparen, und letzten Endes steht offenbar die Angst vor einer verbindlichen Beziehung im Raum. „Die Deutschen verlieren die Lust am Heiraten“, sagte Jürgen Dorbritz vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) der Zeitung „Die Welt“. Der Statistiker hat berechnet, dass unter den Jüngeren mittlerweile jede dritte Frau und sogar knapp 40 Prozent der Männer niemals den Bund der Ehe eingehen werden. Alternative Formen des Zusammenlebens laufen unterdessen der Ehe den Rang ab. Hinter dem Kürzel „LAT“ verbirgt sich der englische Begriff „Living Apart Together“, zu gut Deutsch „getrennt zusammenleben“. Das trifft zu auf Paare, die zwar in der gleichen Stadt, aber nicht unter einem Dach leben. Klingt zunächst einmal einfach, weil unverbindlich und damit attraktiv. Allerdings halten solche LAT-Partnerschaften auch nicht besonders lange: „Die Hälfte geht innerhalb von sechs Jahren kaputt“, sagt der Psychologe Jens B. Asendorpf von der Berliner Humboldt-Universität – ebenfalls im Gespräch mit der „Welt“.

Auch in Marburg finden immer weniger Paare den Weg zum Standesamt: Gaben sich 2011 noch 447 Paare das Jawort, waren es zehn Jahre später nur noch 360. In dieser Hinsicht liegt die Universitätsstadt genauso im Trend wie bei der Entwicklung der Geburten. Während immer weniger Menschen heiraten, stieg im Verlauf des zurückliegenden Jahrzehnts die Zahl neugeborener Kinder.

Die deutschlandweiten Zahlen dazu von den Destatis-Rechnern aus Wiesbaden: Im Jahr 2021 wurden in Deutschland rund 795 500 Kinder geboren. Das war die höchste Geburtenzahl seit 1997 (812 173 Kinder).

In Marburg erhöhte sich die Zahl der Geburten von 1 813 im Jahr 2011 auf 2 564 im Jahr 2021.

Von Carsten Beckmann

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