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Marburg Eine bärenstarke Unterstützung
Marburg Eine bärenstarke Unterstützung
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00:18 29.03.2019
16 Balus und Moglis durften das Theaterstück „Das Dschungelbuch“ gemeinsam mit Projektleiterin Heike Hübner (links im Bild) besuchen. Quelle: Julia Carp
Marburg

Junge Erwachsene stellen sich als Mentoren an die Seite von Grundschülern. Die Mentoren im Alter von 19 bis 30 Jahren übernehmen dabei die Rolle von Balu, während die Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren die Rolle Moglis besetzen. Ganz so wie in „Das Dschungelbuch“.

Die Pärchen treffen sich ein ganzes Jahr lang einmal pro Woche, um zusammen zu spielen, zu reden, zu basteln und Ausflüge zu unternehmen. Bei dem ehrenamtlichen Projekt lernen sowohl die Moglis viele neue Dinge, aber auch die Balus profitieren von der Zeit, die sie mit den Moglis verbringen.

„Ich habe in der Zeit mit meinem Mogli sehr viel gelernt“, erklärt die 22-jährige Jill Zielke. Die Lehramtsstudentin betont, dass die praktische Arbeit mit ihrem Mogli eine tolle Ergänzung zu dem theoretischen Studium sei. Von ihrem siebenjährigen Mogli habe sie sehr viel über Lebensfreude gelernt. Der Erstklässler zeige ihr, wie man „alles etwas leichter sehen“ kann.

Balus tauschen sich regelmäßig aus

Auch Heike Hübner, Projektkoordinatorin von „Balu und Du“, berichtet, dass die Balus in Verbindung zu ihren Moglis „quasi zwischen den Zeilen Schlüsselkompetenzen wie Selbstdisziplin, Zeitmanagement und Sozialkompetenzen“ erwerben oder verbessern.

„Wenn sie mal nicht weiter wissen, müssen sich die Balus keine Sorgen machen“, erklärt Hübner. In einem gesicherten Online-Tagebuch können sich die Balus mitteilen und ihre Erlebnisse reflektieren. Diese Einträge werden von qualifizierten Fachkräften – den Baghiras und der Projektkoordinatorin – gelesen und kommentiert. Somit finde eine intensive Begleitung der Patenschaft statt. Auch in regelmäßig stattfindenden Reflexionstreffen tauschen sich die Balus mit ihren Beratern und anderen Balus aus.

Drei Schulen aus Marburg kooperieren mit Projekt

Das Programm richte sich unabhängig vom Studienfach des Balus an alle, die Freude und Engagement an der Arbeit mit Kindern mitbringen und in diesem Gebiet schon Erfahrungen gesammelt haben. Eine gute Kooperation des Projektes mit den jeweiligen Schulen ist gewährleistet. Die kooperierenden Schulen in Marburg sind die Schule am Schwanhof, die Astrid-Lindgren-Schule und die Geschwister-Scholl-Schule.

Projektkoordinatorin Heike Hübner berichtet: „Die ersten Treffen der Balus und ihren Moglis finden in den Schulen statt und die Eltern haben die Möglichkeit, auch mit reinzuschnuppern.“ Darüber hinaus biete das Projekt Eltern, deren Kinder von den Lehrern oder der Schulleitung vorgeschlagen werden, persönliche Gespräche an. In diesen wird erneut über „Balu und Du“, die dahinterstehende Motivation und die Ansprechpartner informiert.

Info-Veranstaltung

Für alle potenziellen Balus, die sich für das Projekt interessieren, findet am 27. März um 
18 Uhr und am 11. April um 20 Uhr eine unverbindliche Infoveranstaltung auf dem MBS-Gelände, Schwanallee 57, in Marburg statt. Außerdem sind alle wichtigen Informationen im Internet auf www.passion1.de zu finden. Eine Bewerbung, um Balu zu werden, kann zudem jederzeit per E-Mail an balu@passion1.de gesendet werden.

Teilnehmerin Jill Zielke berichtet begeistert von ihren Erlebnissen mit ihrem Mogli. Ein Höhepunkt für sie war, als ihr Mogli das erste Mal bei einem Treffen zur Begrüßung auf sie zu rannte.

„Einmal erzählten mir seine Eltern, dass er sie gefragt habe, wie oft er noch schlafen müsse, um sich wieder mit mir zu treffen. Das hat mich natürlich sehr gefreut!“, berichtet die Studentin.

Tolle Erlebnisse festigen 
Partnerschaften

Die Moglis bekommen durch das Projekt die Möglichkeit, eine enge Bindung zu einer Person außerhalb der Familie und des gleichaltrigen Freundeskreises aufzubauen. Die Balus können mit ihren Schützlingen durch das Projekt oftmals etwas unternehmen, wofür im Alltag vielleicht keine Zeit ist.

Als die tollsten Erlebnisse für ihren Mogli schätzt Zielke die Ausflüge ein, die die zwei zusammen unternehmen. Der erste Besuch im Kino, eine Besichtigung des Schlosses und auch ein Tag in der Trampolinhalle begeisterten den Jungen sehr.

Eine dieser Unternehmungen wurde in jüngster Zeit durch den Veranstalter des Theaters Liberi in Bochum möglich: Dieser konnte für das Marburger „Balu und Du“-Projekt vergünstigte Karten für das Theaterstück „Das Dschungelbuch“ organisieren, das am 10. März im KFZ aufgeführt wurde.

Projekt in Marburg ist zehn Jahre alt

Der leitende Verein „Passion1“ verloste 16 Karten für die Paare des Projekts. Dadurch konnten jeweils acht Teams an dem Ausflug umsonst teilnehmen. Das war ein ganz besonderes Erlebnis, weil das Projekt „Balu und Du“ auf der Geschichte „Das Dschungelbuch“ basiert. Für einige Kinder war es zudem der allererste Besuch in einem Theater.

Das Projekt orientiert sich seit dem Jahr 2001 deutschlandweit an dem Konzept der Geschichte des Dschungelbuches. In Marburg gibt es „Balu und Du“ seit 2009. Etwa 130 Balu- und Mogli-Patenschaften seien seitdem in Marburg entstanden, berichtet Andreas Frick, Vorsitzender des Vereins „Passion1“. Außerdem haben sich bisher 230 Ehrenamtliche am Projekt beteiligt. Aktuell gebe es 22 Teams, wobei demnächst wieder ein Neustart für neue Balus und Moglis anstehe, um sich kennen zu lernen.

von Julia Carp