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Marburg Bauhaus-Ausstellung: Viele Schätze aus Depot
Marburg Bauhaus-Ausstellung: Viele Schätze aus Depot
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15:58 04.11.2019
Großes Interesse findet die Bauhaus-Ausstellung im Kunstmuseum. Das Foto zeigt Besucher der Vernissage. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Für die Bauhaus-Ausstellung wurden die Bilder aus dem großen Saal im Obergeschoss des Museums kurzerhand umgehängt, um Platz zu schaffen für die neue Schau. Die gezeigten Kunstwerke stammen fast alle aus den Beständen des Museums selbst. Eine Besucherin der Vernissage brachte es auf den Punkt: „Erstaunlich, was in den Depots des Marburger Kunstmuseums so alles schlummert.“ 

Rund 30 Graphiken und Gemälde werden präsentiert, darunter Werke von Paul Klee, Wassily Kandinsky, Oskar Schlemmer und Ida Kerkovius, die im „normalen“ Museumsalltag nicht zu sehen sind. Hinzu kommt ein mehrteiliges Großfoto, das Figurinen aus Oskar Schlemmers Triadischem Ballett zeigt, dazu gibt es eine Audiostation mit einer aktuellen Komposition für das Ballett.

Auf großen Schautafeln werden Einblicke gegeben in den ästhetischen und gesellschaftlichen Ideenkosmos der Bauhaus-Bewegung. Hintergrund der Ausstellung ist die Gründung des Bauhauses vor 100 Jahren in Weimar. Bei der Vernissage am Donnerstagabend freute sich Dr. Christoph Otterbeck, der Leiter des Kunstmuseums, über das große Interesse an der Ausstellung. 

„Die Erinnerungskultur ist in diesem Jahr auf das Bauhaus gerichtet“, erklärte er mit Blick auf die zahlreichen Ausstellungen in Deutschland. Nach dem Ersten Weltkrieg sei das Land in einer sehr schwierigen Situation gewesen. „In Weimar hat man rund um den Bauhaus-Gründer Walter Gropius einen umfassenden Neubeginn versucht.“

Aus Anlass des Jubiläums habe sich Marija Marchuk, die Kuratorin der Ausstellung, schon vor einiger Zeit auf Spurensuche in der Marburger Sammlung des Kunstmuseums begeben, so Otterbeck weiter. Dabei seien einige Schätze gehoben worden. So werde ein zweiter Kandinsky jetzt zum ersten Mal gezeigt. Bis auf zwei Bilder von Oskar Schlemmer, die Leihgaben sind, stammen alle Kunstwerke aus dem eigenen Haus.

Marija Marchuk gab am Donnerstag eine kurze Einführung in die Schau mit dem Titel „Bauhaus: Kunst-Moderne-Leben“. Das Bauhaus sei eine Avantgarde-Schule gewesen, die es sich zur Aufgabe gemacht habe, eine neue Generation von Künstlerinnen und Künstlern heranzuziehen. Die Bewegung hatte große Visionen: Sie wollte eine neue menschenwürdige Welt zu erschaffen und neue gesellschaftliche Ideen verwirklichen.

Das Bauhaus verstand sich als „Ausbildungsort und Knotenpunkt der Moderne“, so Marchuk weiter. Die Marburger Ausstellung setzt den Schwerpunkt auf Gemälde und Graphiken aus der Weimarer Zeit. Aus dem Umfeld des Bauhauses wurde Einfluss genommen auf die internationalen Akteure der neuen Kunst, der Architektur und des Designs. Dahinter stand unter anderem auch die Idee eines neuen Menschen. 

In der Marburger Schau gehe es um die Bauhaus-Gründung, die Dessauer Zeit und in wenigen Werken um das Nachleben des Bauhauses, erklärte Marchuk weiter. Anhand von Beispielen soll die Ausstellung wie eine Versuchsanordnung wirken, in der ästhetische Erfahrungen möglich werden. 

Zur Ausstellung gibt es ein Begleitprogramm. Seit Montag (4. November) bietet Samira Idrisu Führungen mit Workshops für Schulklassen an (Anmeldung ab 4. November, 3. bis 7. Klasse). Ab Ende Januar gibt es zwei Vorträge, jeweils mit Film und Experiment. Weitere Infos gibt's hier.

  • Die Schau ist noch bis zum 29. Februar 2020 zu folgenden Öffnungszeiten zu sehen; geöffnet Montag sowie Mittwoch bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr, jeweils am letzten Donnerstag im Monat von 11 bis 21 Uhr.

von Bettina Preussner