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Marburg Im „Korfu“ heißt es: Alles auf Anfang
Marburg Im „Korfu“ heißt es: Alles auf Anfang
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10:59 16.05.2020
Gastronom Andreas Kallioras zeigt in seiner „Taverna Korfu“ in der Ketzerbach Desinfektionsmittel - ein Beitrag zu den Hygieneregeln. Quelle: Andreas Schmidt
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Marburg

Am 9. März – also vor knapp zehn Wochen – war Andreas Kallioras wohl einer der glücklichsten Menschen in Marburg. Denn: Rund drei Wochen lang hatten Handwerker in seinem Restaurant „Taverna Korfu“ in der Ketzerbach gewerkelt.

Das komplette Mobiliar, jede Wand, alle Böden, die gesamte Elektrik, das Geschirr, die Sanitäranlagen und sogar die Theke samt Fischauslage hatten sie umgestaltet, um das „Korfu“ in einem frischen, mediterranen Look im Stil einer griechischen Taverne erstrahlen zu lassen.

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Einen sechsstelligen Betrag hat Kallioras in das Projekt, das er weiterhin „Projekt 2020“ nennt, investiert. Inspiration holte er sich unter anderem in modernen griechischen Hotels, für einen „cleaneren Stil mit viel Leichtigkeit“, sagt Kallioras im Gespräch mit der OP. „Und am 9. März konnte ich endlich wieder öffnen – das war ein tolles Gefühl.“

Im Jahr 2011 hatte er das Restaurant, in dem er seit seinem 16. Lebensjahr immer wieder mitgearbeitet hat, von seinem Vater übernommen. Der führte das „Korfu“ bereits seit 1996, hatte zuvor die „Lokomotive“ betrieben – und wechselte auch wieder dorthin zurück.

„Der Totalverlust hat uns hart getroffen“

„Die Eröffnung war einfach toll“, sagt Andreas Kallioras rückblickend. Doch nur wenige Tage später kam das, womit der Gastwirt „auf keinen Fall gerechnet“ hätte: Es kam zum Lockdown, zunächst durften Restaurants nur bis 18 Uhr öffnen, mussten dann sogar ganz geschlossen werden.

„Schon während des Umbaus unterhielten sich die Arbeiter immer wieder über Corona, weil das Virus ja ständig Thema in den Nachrichten war. Aber dass es nicht nur uns, sondern quasi die ganze Welt so lahmlegen würde, damit hätte ich nicht gerechnet“, gibt Kallioras zu.

Plötzlich stand er vor einem Scherbenhaufen. „Keine Einnahmen und viel investieren ist eine schlechte Kombination. Der Totalverlust hat uns hart getroffen“, denn die ganze Familie lebe ja vom Restaurant. „Betriebsferien kann man planen – auch, was den Wareneinsatz angeht“, sagt der Gastronom.

Anfangs noch Hoffnung auf schnelle Öffnung

Doch durch die verordnete Schließung „ohne Vorwarnung von einem Tag auf den nächsten“ habe er viel wegwerfen müssen, „das hat mich schon geschmerzt, denn es war sehr hochwertiger Fisch. Einen Teil konnte ich wenigstens noch verschenken“, sagt Kallioras.

In Puncto Personal hatte er „Glück im Unglück: Zwei Leute hatten schon vor dem Umbau gesagt, dass sie gehen werden – einer zum Studium nach Berlin und einer in ein Hotel auf Rügen.“ Die erste Zeit war von sehr viel Unsicherheit geprägt.

„Niemand wusste genau, wie es läuft, etwa mit Kurzarbeit oder der Corona-Soforthilfe.“ Auch im Kollegenkreis habe es viele Diskussionen gegeben – immer gepaart mit der Hoffnung, „dass das Ganze nach zwei Wochen wieder gelaufen ist und alle wieder öffnen können“. Aber es kam anders – das Restaurant blieb geschlossen, die Sorgen wuchsen.

„Es geht nur noch um Schadensminderung“

„Wir hatten unser Erspartes in den Umbau gesteckt – der Puffer war weg, aber die Kosten liefen weiter“, fasst Andreas Kallioras zusammen. Pacht für das Restaurant, Abtrag für die Wohnung, „vor drei Jahren habe ich auch einen neuen Lieferwagen gekauft, weil der alte wegen der Umweltzone nicht mehr in die Stadt durfte“, erzählt der Gastronom.

Er hofft, dass das Geschäft jetzt wieder gut anläuft und er noch irgendwie mit einem blauen Auge davonkommt. „Geld verdienen ist für dieses Jahr auf jeden Fall vorbei – jetzt geht es nur noch um Schadensminderung.“

Immerhin hatte Kallioras für den Tag der Wiedereröffnung einige Reservierungen, „die Kunden sind ja auch neugierig, was aus ,ihrem’ Korfu geworden ist“. Und er sagt: „Es kommt mir zugute, dass das Restaurant relativ groß ist.“ So könne er immerhin 26 Personen unterbringen. Er hat sich genaue Pläne gemacht, wie er die Gäste setzen kann, damit die Abstandsregeln eingehalten werden.

„Gastronomie ist nicht irgendein Job“

Für ihn ist klar, dass er nicht alles bis auf den letzten Millimeter ausreizen möchte. Denn: „Die Gäste kommen zu uns, um erlesenen Fisch und guten Wein dazu zu genießen. Das sollen sie auch können.“ Das war auch der Grund, warum er sich nicht am „To go“-Geschäft beteiligt habe: „Durch das Einpacken und den Transport wird die Qualität der Gerichte – gerade bei Fisch – verfälscht. Das entspricht dann nicht mehr der Qualität, die mein Anspruch ist. Ich will ja kein gemindertes Produkt an die Kunden bringen.“

Nun geht es also wieder los – die Gastronomie startet wieder durch. Kallioras stellt sich auf viel Arbeit ein. „Ich kann ja in der jetzigen Situation niemanden einstellen“, sagt er. Dennoch freut er sich darauf, endlich wieder loslegen zu können und das zu tun, was ihm Spaß macht. „Gastronomie ist nicht irgendein Job – für mich ist es der Lebensinhalt“, sagt er. Daher schaut er nun trotz der widrigen Umstände optimistisch in die Zukunft.

„Wir werden das Beste draus machen und alles dafür tun, dass unsere Gäste hier eine gute Zeit erleben“, verspricht Andreas Kallioras.

Regeln in Restaurants

Es gilt eine Beschränkung der Gästezahl im Innen- und Außenbereich, abhängig von der Größe der Gaststätte.

Die Abstandsregel von 1,5 Metern muss eingehalten werden. Pro Gast wird deshalb eine Fläche von fünf Quadratmetern gerechnet.

Ausgenommen von der Regel sind Familien und Wohngemeinschaften.

Die Bewirtung in geschlossenen Räumen ist erlaubt, allerdings müssen alle Gäste Name, Anschrift und Telefonnummer hinterlassen, damit im Falle einer Infektion alle Kontaktpersonen nachverfolgt werden können.

Das Küchen- und Servicepersonal muss durchgehend Mund- und Nasenschutz tragen.

Für Gäste gibt es keine Maskenpflicht – sie wird aber, außer während des Essens, empfohlen.

Salz- und Pfefferstreuer stehen nicht mehr auf dem Tisch, sondern werden auf Wunsch gereicht. Besser soll abgepackte Ware genutzt werden.

Selbstbedienung oder Buffets sind nicht erlaubt.

Stoffservietten oder Tischtücher sind ebenfalls verboten – stattdessen müssen Papierservietten verwendet werden.

Auch auf der Toilette gilt eine eingeschränkte Personenzahl.

Von Andreas Schmidt

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