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Marburg Zwei Frauen kämpfen um das Glück
Marburg Zwei Frauen kämpfen um das Glück
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13:00 29.12.2019
Eurídice (Carol Duarte, l.) und Guida Julia Stockler sind unzertrennlich – bis das Schicksal sie auseinanderreißt. Quelle: Bruno Machado
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Marburg

Hinter der historischen Kulisse von Karim Aïnouz’ scharfsinniger Romanverfilmung scheint der Traum eines von Gerechtigkeit, Gleichheit und Diversität bestimmten Brasiliens hervor. Rio de Janeiro, 1950. Die unzertrennlichen Schwestern Eurídice und Guida sind voller Träume: Eurídice will Konzertpianistin werden, Guida träumt von Liebe und Freiheit.

Doch die Enge ihres konservativen Elternhauses und die traditionellen Vorstellungen ihres Vaters Manoel lassen keinen Platz für solche Sehnsüchte. Gute Ehefrauen und Mütter – einen anderen Weg kann sich Manoel nicht vorstellen für seine Töchter. Doch Guida will sich nicht fügen. Unsterblich verliebt in den Seemann Yorgos geht sie mit ihm heimlich nach Griechenland.

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Als Guida Monate später zurückkehrt, verlassen und schwanger, weist ihr Manoel die Tür. Er lässt sie glauben, Eurídice sei zum Klavierstudium nach Wien gegangen und wolle keinen Kontakt mehr zu ihrer Schwester. Guidas Briefe an Eurídice lässt er verschwinden. So leben die Schwestern über Jahre in Rio, ohne voneinander zu wissen. Jede kämpft für sich voller Leidenschaft darum, ein eigenes, selbstbestimmtes Leben zu haben.

Mit dem Hauptpreis als bester Film ausgezeichnet

Eurídice verfolgt ihren Traum der Musikkarriere auch dann gegen alle Widerstände weiter, als sie längst – nicht sonderlich glücklich – verheiratet und Mutter ist, während Guida und ihr Sohn bei der Nachbarin Filomena, einer alternden Prostituierten, langsam so etwas wie eine neue Familie finden.

„Die Sehnsucht der Schwestern Gusmão“ ist inspiriert von dem Roman „Die vielen Talente der Schwestern Gusmão“ von Martha Batalha. In den Hauptrollen begeistern die beiden Kino-Newcomerinnen Carol Duarte und Julia Stockler. Für ihre absolut betörenden Bilder wurde die Kamerafrau Hélène Louvart mit der Golden Camera 2019 ausgezeichnet – 2018 gewann sie den Marburger Kamerapreis.

Bei seiner Uraufführung in der Sektion „Un Certain Regard“ auf dem Filmfestival in Cannes wurde „Die Sehnsucht der Schwestern Gusmão“ mit dem Hauptpreis als bester Film ausgezeichnet. Ein farbenprächtiger, schillernder und trotz des teilweise düsteren Themas absolut lebensbejahender, mitreißender Film der ganz großen Emotionen, herzzerreißend, ohne je kitschig zu sein.

  • Der Film läuft im Capitol.