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Marburg Im Gespräch den eigenen Horizont erweitern
Marburg Im Gespräch den eigenen Horizont erweitern
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08:00 02.07.2021
Alexander Kolling macht bei „Marburg spricht“ mit.
Alexander Kolling macht bei „Marburg spricht“ mit. Quelle: Privatfoto
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Marburg

160 Menschen finden sich in Marburg zu 80 Paaren zusammen, um bei einem „Blind Date“ mit Andersdenkenden über heiße Themen der Universitätsstadt zu sprechen. Mit dabei ist Mareike Heitmüller, die „schon sehr gespannt ist“.

Die 21-Jährige will mit ihrem Partner darüber diskutieren, ob Autofahrer in Marburg zu sehr benachteiligt werden. Da sie meistens mit dem Fahrrad in der Stadt unterwegs ist, fühlt sich die Soziologie und Erziehungswissenschaften studierende Heitmüller eher benachteiligt. Deshalb interessiert sie, wie Autofahrer dies sehen.

Auch das Thema „Meinungsfreiheit in Deutschland“, über das derzeit zum Teil kontrovers diskutiert wird, findet sie sehr interessant. Die 21-Jährige hatte noch nie das Gefühl, ihre Meinung nicht sagen zu können. Ihr fällt aber auf, dass „gerade in sozialen Medien persönliche Meinungen, die zum Teil andere Menschen diskriminieren, frei heraus geäußert werden“.

Die Ansichten anderer zu hören und darüber zu reden, reizt Mareike Heitmüller, da man sich im Alltag, zum Beispiel an der Universität, „in einer kleinen Blase“ mit gleichgearteten Menschen bewege. Die Meinung von anderen Menschen anzuhören und darüber zu diskutieren, hält sie für den einzigen Weg, um mit Konflikten in der Gesellschaft oder zwischen Menschen umzugehen.

Jan Forge möchte im Zwiegespräch zwar auch die als Grundlage vorgeschlagenen Themen – wie zum Beispiel Autoverkehr, Windräder, nächtliche Polizeikontrollen in Marburg oder die Pandemie-Problematik – ansprechen. Am meisten interessieren den 38-jährigen Projektentwickler in der Immobilienbranche jedoch die Aussichten zur wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt Marburg nach der Corona-Pandemie und wie der angestrebte Wandel damit in Einklang zu bringen ist.

Alexander Kolling treiben seine Erfahrungen zur Teilnahme an „Marburg spricht“ an. Bei seinem politischen und bürgerschaftlichen Engagement stellte der 25-jährige Student der Erziehungswissenschaften rasch fest, schnell auf verhärtete Fronten zu treffen. Weil es Beschlüsse oder Prinzipien einzuhalten gebe, verhärte sich der Diskurs, dabei seien die Meinungen der Leute von Sorgen und Unsicherheit geprägt. Kolling, der derzeit als pädagogischer Mitarbeiter in der Kinderintensivpflege tätig ist, will auch über die angeregten Themen wie bezahlbarer Wohnraum, Rassismus oder Meinungsfreiheit sprechen, besonders spannend findet der gebürtige Hamburger aber, über die unterschiedlichen Lebensbereiche von Studenten, Jugendlichen und Familien zu sprechen.

Unvoreingenommen und ohne Themenfestlegung möchte Leonie Disselkamp ins Gespräch gehen. Die Studentin der Friedens- und Konfliktforschung möchte mit ihrem Gesprächspartner absprechen, welche Themen ihn interessieren, um festzustellen, wer die Person ist, die ihr gegenüber sitzt. Der Dialog ist ein Thema, das sie im Studium viel beschäftigt. Sie war zum Beispiel im vorigen Jahr an einem Projekt beteiligt, in dem die Reaktion von gebildeten Paaren mit möglichst konträren Meinungen zur Corona-Pandemie beobachtet wurden. Um Erfahrungen zu sammeln, wie ein guter Dialog möglich sein kann, nahm die 28-jährige Disselkamp auch schon selbst am „Deutschland spricht“ teil.

Von Gianfranco Fain

Hier geht es zum Livestream von Marburg spricht