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Marburg Idylle mit Schattenseiten
Marburg Idylle mit Schattenseiten
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17:18 31.01.2021
Eine Flasche liegt neben einer Parkbank im Alten Botanischen Garten in Marburg. Immer wieder wird der beliebte Park im Zentrum der Universitätsstadt vermüllt.
Eine Flasche liegt neben einer Parkbank im Alten Botanischen Garten in Marburg. Immer wieder wird der beliebte Park im Zentrum der Universitätsstadt vermüllt. Quelle: foto: Thorsten Richter
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Marburg

Die Menschen, die in den dreistöckigen Wohnblocks entlang der Johannes-Müller-Straße leben, wohnen gern dort – kein Wunder: Sie sind mitten in der Stadt, haben die kleine Anwohner-Sackgasse für sich, und sie teilen sich einen der schönsten und größten Vorgärten Marburgs: den Alten Botanischen Garten. Ein Paradies mit alten Bäumen, Teichen, Spazierwegen und Bänken zum Ausruhen und Entspannen. Ein Paradies jedoch auch mit Schattenseiten, wie Anwohnerin Bärbel Preubisch findet. Regelmäßig, so berichtet sie, sei der Park vermüllt, abends und nachts werde der Alte Botanische Garten immer wieder zum Treffpunkt für feiernde Gruppen.

Gelage auf Parkbänken

Während der kalten Jahreszeit habe das zwar ein wenig nachgelassen, doch wegzuräumen gebe es immer irgendetwas, bestätigt auch Thomas Waldherr. Der bei der gemeinnützigen Praxis GmbH beschäftigte Vorarbeiter ist regelmäßig – allein oder mit Mitarbeitern – damit beschäftigt, für Sauberkeit und Ordnung in dem Areal zu sorgen.

„Hauptsächlich ist es Leergut, das wir einsammeln“, sagt Waldherr, während er mit seiner Zange unter hohen Bäumen nach Hinterlassenschaften nächtlicher Zusammenkünfte sucht. Drei Parkbänke haben sich Unbekannte dort zusammengeschoben, wo es bei ungemütlicher Witterung einigermaßen trocken ist und man außerdem durch Bäume und Büsche nicht beim Trinken beobachtet wird. Dass dort getrunken wird, ist nicht zu verhehlen, im Boden stecken jede Menge Kronkorken, haufenweise Zigarettenkippen liegen ebenfalls herum.

„Wenn die Leute wenigstens ihr Zeug wieder mitnehmen würden“, schimpft der Mann von der Praxis GmbH, während er einen neuen blauen Sack in einen Abfalleimer steckt. Polizeisprecher Martin Ahlich erklärt auf OP-Anfrage, dass die Beamten regelmäßig auch den Alten Botanischen Garten anfahren: „Die Streifen kontrollieren dort regelmäßig, aber derzeit ist nichts bekannt über einen Brennpunkt, an dem sich unter Missachtung geltender Regeln Menschen treffen.“

Auch dem Ordnungsamt der Stadt Marburg liegen aktuell und aus der jüngsten Vergangenheit keine Beschwerden über illegale Partys, nächtliche Ruhestörungen oder Ähnliches im Alten Botanischen Garten vor, hieß es am Freitag auf Anfrage aus der Pressestelle der Stadt.

Gleichwohl sei aus früheren Jahren bekannt, dass sich in dem beliebten Botanischen Garten mitten in der Stadt immer mal wieder größere Gruppen versammeln und es dann auch zu nächtlichen Ruhestörungen komme. Das habe allerdings innerhalb des vergangenen Jahres nachgelassen. Ob es ein vermehrtes Müllaufkommen im Botanischen Garten gibt, kann die Stadt indes nicht beantworten, da „der Dienstleistungsbetrieb der Stadt Marburg nur für den Bereich rund um den Alten Botanischen Garten zuständig ist, nicht innerhalb des Parks“. Doch die Stadtpolizei des Ordnungsamtes unterstütze die Universität, in dem sie ihre Streifengänge auch auf den Botanischen Garten ausdehne, so die Auskunft aus der städtischen Pressestelle.

Eigentümerin des Geländes ist die Philipps-Universität, in deren Auftrag ein privater Sicherheitsdienst ebenfalls regelmäßig im Botanischen Garten unterwegs ist. Dr. Gabriele Neumann von der Uni-Pressestelle bestätigt: „Im Alten Botanischen Garten werden seit Jahren öfter Personengruppen angetroffen, die sich dort aufhalten und auch Ruhestörungen verursachen.“

Deshalb gebe es einen Runden Tisch, an dem Vertreterinnen und Vertreter der Uni, der Stadt Marburg sowie der Polizei säßen, um Lösungen für das Problem zu suchen. „Der Sicherheitsdienst der Universität kontrolliert den Botanischen Garten im Rahmen von Rundgängen regelmäßig, im Sommer vor allem an Wochenenden“, so die Uni-Sprecherin weiter. Während im Sommer rund um die Uhr kontrolliert werde, beschränke sich der tägliche Einsatz derzeit auf die Zeit von 8 bis 24 Uhr. In der jüngsten Vergangenheit, so Gabriele Neumann, seien bei der Universität keine Beschwerden wegen nächtlicher Ruhestörung oder illegalen Partys eingegangen: „In der Zeit zwischen den Jahren kam es zu einem höheren Müllaufkommen.“

„Habe schon alles gefunden“

Das bestätigt auch Bärbel Preubisch: Vor zwei Wochen und auch am zurückliegenden Wochenende habe es erneut Partys gegeben, erzählt die Rentnerin, die tagtäglich zweimal durch den Botanischen Garten geht: „Ich habe schon alles gefunden – Röhrchen mit Haschisch, Spritzen, fertige Joints.“ All das hat sie mit ihrem Smartphone dokumentiert und ist entschlossen, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um „ihren“ Botanischen Garten lebenswerter zu machen: „Viele – auch viele Studenten – wissen nicht, dass dieser Botanische Garten ein Kulturdenkmal ist.“

Von Carsten Beckmann