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Marburg Unternehmen erwarten starken Umsatzeinbruch
Marburg Unternehmen erwarten starken Umsatzeinbruch
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17:10 26.11.2020
Vor allem die Gastronomie leidet – wie auch der Handel – unter dem gerade verlängerten „Lockdown light“. Viele Gastro-Betriebe setzen auf einen Abhol- und Lieferservice.
Vor allem die Gastronomie leidet – wie auch der Handel – unter dem gerade verlängerten „Lockdown light“. Viele Gastro-Betriebe setzen auf einen Abhol- und Lieferservice. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Marburg

Die Stimmungslage in der heimischen Wirtschaft hat sich extrem eingetrübt – vor allem in der Gastronomie und im Handel. Das zeigt eine Blitzumfrage der IHK, an der sich mehr als 400 Unternehmen im Bezirk der IHK Kassel-Marburg beteiligt haben. „Die Folgen der Corona-Pandemie werden immer deutlicher und heftiger für die heimische Wirtschaft. Unsere Wirtschaft ist von Normalität weit entfernt“, konstatiert IHK-Präsident Jörg Ludwig Jordan – vor allem durch den „Lockdown light“ seien „Gastronomie, Reisegewerbe, Eventbranche und Dienstleister wie Fitnessstudios besonders hart getroffen,“ so Jordan.

11,5 Prozent rechnen mit drohender Insolvenz

In der Umfrage gab nahezu jedes dritte befragte Unternehmen an, dass es von Umsatzeinbrüchen zwischen 25 und 50 Prozent ausgehe. Und: Gut jedes fünfte Unternehmen rechnet gar mit Umsatzeinbrüchen von mehr als 50 Prozent. Lediglich 19 Prozent erwarten keine Auswirkungen durch den „Lockdown light“. Allerdings seien auch die Auswirkungen auf die geschäftlichen Abläufe beträchtlich: Fast 52 Prozent klagen über weniger Nachfrage. Bei knapp 41 Prozent der Betriebe steht die Produktion mindestens zum Teil still – oder das Geschäft ist komplett oder teilweise geschlossen. Zudem sind die Abläufe auch dadurch gestört, dass Personal fehlt oder ausgefallen ist – das gaben fast 22 Prozent der Befragten an. Besonders stark betroffen seien die kleineren Unternehmen bis 20 Beschäftigte. Die größeren Betriebe meldeten laut IHK vornehmlich logistische Engpässe und Mitarbeiterausfälle. Die Befragung zeigt auch: Corona und der „Lockdown light" drücken auf die Finanzlage. Demnach meldeten 37 Prozent der Befragten Liquiditätsengpässe, gut 48 Prozent einen Eigenkapitalrückgang. Und: „11,5 Prozent rechnen gar mit drohender Insolvenz. Das sind keine guten Ergebnisse. Da tröstet es auch nicht, wenn 27,5 Prozent sagen, dass die Finanzlage in Ordnung ist“, so Jörg Ludwig Jordan. Besser sehe es in der Industrie aus: Dort seien lediglich 2,7 Prozent von einer Insolvenz bedroht, 53,5 Prozent gaben indes an, keine negativen Auswirkungen zu spüren. „Ähnlich sieht es über die Größenklassen verteilt aus: Eine akute Insolvenz sehen vornehmlich kleinere Unternehmen“, erläutert der IHK-Präsident.

Was tun die Unternehmen, um die Folgen abzumildern? Sie sparen: Fast 56 Prozent streichen oder verschieben Investitionen, 46 Prozent wollen durch Rationalisierung Einsparpotenziale nutzen, gut 35 Prozent wollen auch beim Personal einsparen.

Verstärkter Einsatz der Digitalisierung steht an

Der verstärkte Einsatz der Digitalisierung steht bei fast einem Drittel der Befragten auf der Agenda. „Wir befürchten einen Investitionsstau, der zu Lasten der Zukunftsfähigkeit der heimischen Wirtschaft führen kann, da es hier auch zu keinen signifikanten Unterschieden zwischen den konsumtiven und produzierenden Branchen in der Befragung gekommen ist“, kommentiert Jordan.

Von der Politik wünschen sich die heimischen Betriebe neben finanziellen Unterstützungen eine zukunftsorientierte Rahmensetzung. So wünschen sich 59,1 Prozent eine Bürokratieentlastung. Verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten, die Ausweitung des Verlustrücktrags und wettbewerbsfähige Energiepreise stehen ebenfalls auf der „Wunschliste“.

Nahezu 60 Prozent der Unternehmen nehmen derzeit bereits staatliche Hilfe in Anspruch oder planen, diese zu beantragen. Größte Hilfe ist dabei das Kurzarbeitergeld. Die „Novemberhilfe“, die Überbrückungshilfe 2 und KfW-Sonderprogramme folgen. „Die Wirtschaft ist in einer sehr schwierigen Situation. Der allgemeine Gesundheitsschutz hat Priorität, das steht außer Frage“, verdeutlicht Jordan.

Seiner Meinung nach solle die Politik allerdings „mit Augenmaß wirtschaftliches Handeln ermöglichen, wo es vertretbar ist. Unsere Betriebe haben große Anstrengungen unternommen und umfangreiche Hygienekonzepte umgesetzt. Ich denke hier besonders an die Gastronomie und den Handel. Ich habe größte Befürchtungen um das Weihnachtsgeschäft für Handel und Gastronomie“, verdeutlicht der IHK-Präsident.

Schnelle Auszahlung der Hilfsgelder sei wichtig

Wichtig sei jetzt eine unbürokratische und schnelle Auszahlung der Hilfsgelder. „Letztlich hat es aber auch der Verbraucher in der Hand, ob sein Gastronom oder Händler aus dem Ort die nächsten Wochen wirtschaftlich übersteht. Industrie und Bauwirtschaft sind noch in einer befriedigenden Situation – sie sind aktuell mehr denn je Rückgrat unserer Gesamtökonomie“, so Jörg Ludwig Jordan.

Von Andreas Schmidt

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