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Marburg Lebensrettung bleibt „Kontaktsport“
Marburg Lebensrettung bleibt „Kontaktsport“
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15:59 20.08.2020
Mitglieder der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft bei einer Übung am Hirsefeldsteg. Archivfoto: Michael Hoffsteter/Archiv
Mitglieder der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft bei einer Übung am Hirsefeldsteg. Quelle: Michael Hoffsteter/Archiv
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Marburg

Seit dem Corona-Lockdown haben sich auch die Vorgaben für die Rettung zu Wasser und an Land verändert. Denn auch für die Rettungskräfte gilt folgende Regelung:

Sie müssten eigentlich auch bei ihren Rettungsaktionen einerseits den Mindestabstand von 1,50 Meter wahren und zudem aus Infektionsschutzgründen eine Gesichtsmaske tragen.

Doch wie lassen sich solche schon auf den ersten Blick nicht mit der alltäglichen Praxis des Rettungsgeschehens zu vereinbarende Vorschriften im Alltag umsetzen.

„Mit Abstand retten – das geht nicht“: Das macht Dirk Bamberger, der Vorsitzende der Marburger DLRG (Deutsche Lebensrettungsgesellschaft), auf OP-Anfrage deutlich.

Die Marburger Lebensretter sind unter anderem für die Überwachung des Geschehens an der Lahn zuständig und haben in der Nähe des Weidenhäuser Wehrs ihre Zentrale.

Rettungsschwimmer haben keine Schutzausrüstung

„Wenn jemand in vorderster Front ins Wasser springen muss, dann kann er auch keine Maske tragen“, sagt Bamberger. Und wenn es hart auf hart komme, dann müssen die Rettungsschwimmer natürlich auch Hand anlegen an die Personen, die gerettet werden müssen –zumindest im Wasser.

„Wir sind diejenigen, die in der Badehose reingehen“, macht Bamberger deutlich und verweist auf die Aufgaben, die die DLRG-Kollegen beispielsweise in der Sommerferien-Zeit an der Nord- und Ostsee zu bewältigen hatten. Dabei hätten sie eben nicht die Schutzausrüstung wie beispielsweise Feuerwehrleute, die immer noch durch ihre Schutzmasken vor Ansteckungsrisiken geschützt seien.

Vorschriften passen nicht zur Corona-Lage

Anders sieht es nach den derzeitigen Corona-Vorgaben aber schon dann aus, wenn für eine gerettete Person an Land eine Wiederbelebung anstehe. Anstelle der bisher durchaus häufig üblichen Mund-zu-Mund-Beatmung sei jetzt nur noch das rhythmische Drücken des Brustkorbs möglich.

Noch viel drastischer als auf die Rettungspraxis wirken sich die Corona-Vorgaben allerdings nach Ansicht von Bamberger auf das Training aus. „Unser Problem ist, dass wir die Rettungsschwimmer nicht mehr adäquat ausbilden können, weil die Vorschriften das nicht hergeben“, sagt er. Dann beispielsweise können die Übungen auf der Lahn nicht mehr stattfinden, bei denen ein „Ertrinkender“ aus dem Wasser in ein Boot transportiert werden muss.

Prüfungsstau im nächsten Jahr?

Gerade für jüngere Rettungsschwimmer, die noch nicht so viel Erfahrung haben, ist aber das Einüben solcher Praktiken eigentlich essenziell. „Geübte Leute, die schon länger dabei sind, haben noch eine gewisse Routine“, sagt der DLRG-Vorsitzende.

Einerseits fällt jetzt ein Teil der Fortbildung für die Lebensretter „ins Wasser“. Und zudem können natürlich auch Neulinge nicht mehr wie zuvor angelernt werden. Ein weiteres Problem: Lizenzen können teilweise nicht mehr verlängert werden und regelmäßig anstehende Prüfungen können nicht abgehalten werden und müssen teilweise auf das kommende Jahr vertagt werden, wo dann eventuell eine Art Prüfungsstau ansteht.

Dirk Bamberger sieht aufgrund der Abstands-Vorgaben auch noch Probleme auf einem ganz anderen Feld: „Momentan können wir auch den kleinen Kindern nicht das Schwimmen beibringen“. Das könne sich auf Dauer fatal auswirken, da es sowieso schon eine zunehmend höhere Quote von Nichtschwimmern gäbe. Für die DLRG hofft Bamberger deswegen zumindest in eigener Sache auf eine Lockerung der Vorschriften.

Von Manfred Hitzeroth

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