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Marburg Hygieneregeln in der Gastronomie sollen verschärft werden
Marburg Hygieneregeln in der Gastronomie sollen verschärft werden
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09:00 08.05.2022
Am Marktplatz in der Marburger Oberstadt gibt es zahlreiche Gastronomiebetriebe.
Am Marktplatz in der Marburger Oberstadt gibt es zahlreiche Gastronomiebetriebe. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Hessens Verbraucherschutzministerin Priska Hinz will die Lebensmittelkontrolle in Hessen schlagkräftiger machen – dies betrifft künftig auch die Gastronomie. Hintergrund: Nach Bekanntwerden des neuen Lebensmittelskandals in einem Betrieb im südhessischen Landkreis Groß-Gerau haben Organisationen und Verbände grundlegende Reformen bei der Lebensmittelkontrolle gefordert.

Der Vorwurf: Die deutschen Behörden würden zu wenig kontrollieren und oftmals herrsche eklatanter Personalmangel, bemängelt die Verbraucherorganisation Foodwatch. All dies soll nicht ohne Konsequenzen bleiben. Im Gespr­äch mit der Frankfur­ter Rundschau (FR) kündig­te Verbraucherschutz­ministerin Priska Hinz (Grüne) jüngst mehrere Maßnahmen an, mit denen sie das Kontrol­lsystem stärken will.

Das sagen Betreiber des heimischen Gastgewerbes

Stephan Bretz von der Geschäftsführung der Villa Vita: „Wir begrüßen den Vorstoß der Ministerin. Für uns wird sich allerdings nicht viel ändern, weil wir bereits auch die Hygiene betreffend auf einem sehr hohen Qualitätsniveau arbeiten und regelmäßig Schulungen durchführen. Der Plan von Hinz, dass Gastronomen in Zukunft eine Hygieneschulung nachweisen müssen, um beispielsweise ein Restaurant führen zu dürfen, wäre eine Formalisierung eines Prozesses, den wir bereits haben.“

Peter Heinzmann, Betreiber des Cafés am Markt: „Der Ansatz ist grundsätzlich gut. Denn bislang gibt es nur eine Belehrung über das Infektionsschutzgesetz beim Gesundheitsamt. Dort wird ein wohl älteres Filmchen gezeigt – und fertig. Ohne Test bekommt man schließlich einen Nachweis. Das ist einfach schwach. Wenn es um Lebensmittel und Gesundheit geht, muss eine bessere Schulung stattfinden mit Abschlusstest.“

Thomas Edlund, Betreiber des Restaurants „Edlunds“: „Bei uns werden alle Mitarbeitenden ohnehin einmal jährlich die Hygiene betreffend geschult.“

Für Diskussionen sorgen dürfte ein Vor­schlag, der bereits im Vorfeld der amtli­chen Betriebsprüfung­en ansetzt: Geht es nach der Grünen-Poli­tikerin, müssen Gast­ronomen in Zukunft eine Hygieneschulung nachweisen, um ein Restaurant oder ein­en Imbiss betreiben zu dürfen. Einen „Sachk­undenachweis für Betreibende von Gaststätten“ hatte der Rech­nungshof in seinem Prüfbericht als „uner­lässlich“ bezeichnet, wie die FR vor wen­igen Wochen exklusiv berichtete. Hinz wi­ll dies voranbri­ngen: „Ich halte viel davon, dass Mens­chen, die mit Lebens­mitteln umgehen, eine Grundschulung erha­lten“, so die Minist­erin.

Julius Wagner, Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gas­tstättenverbands (Deho­ga) Hessen, sagte dazu auf Anfrage der OP: „Zunächst einmal muss festgestellt werden, dass die Skandale um die Wilke-Wurst oder jüngst in Südhessen mit dem Gastgewerbe nichts zu tun haben. Ich bin jetzt seit 13 Jahren im Amt und seit dieser Zeit ist das Gastgewerbe skandalfrei.“ Bezüglich der Forderung der Ministerin gebe es vonseiten der Dehoga Hessen aber „durchaus Einigkeit. Wir befürworten also die geplanten Hygieneschulungen – auch wenn sie verpflichtend wären mit Test und Prüfung. Wir selbst werden dazu Schulungen anbieten. Diese sind insbesondere für Quereinsteiger wichtig und notwendig“, ergänzte Wagner. Derzeit stehe die Dehoga Hessen in intensivem Kontakt mit der Ministerin. „Im Gastgewerbe finden regelmäßige Lebensmittelkontrollen statt und selbstverständlich gibt es dabei auch immer wieder Beanstandungen. 60 Prozent davon beziehen sich jedoch auf bauliche Mängel. Mit den Kontrollen wollen wir grundsätzlich dazu beitragen, schwarze Schafe zu ahnden, aber auch den Menschen in unserem Gewerbe zu helfen“, sagt Wagner.

Von Michael E. Schmidt

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