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Marburg Hoteleröffnung in Corona-Zeiten
Marburg Hoteleröffnung in Corona-Zeiten
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17:58 16.10.2020
Michelle Schmidt führt das Stadthotel Marburg. Das Foto zeigt sie an der Rezeption. Quelle: Foto: Uwe Badouin
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Marburg

Das Stadthotel von Michelle Schmidt liegt etwas versteckt in der Bahnhofstraße. Man muss schon sehr genau wissen, wo man suchen muss, um den Eingang zu finden. Die Eingangstür liegt zwischen einer Bäckerei und einem Döner-Schnellimbiss.

Die 28-Jährige hat das ehemalige Stadthotel Village im Januar übernommen und viel Geld investiert. Decken, Böden, Wände wurden renoviert. Die alte Einrichtung wurde entsorgt, die 13 Doppel- und fünf Einzelzimmer komplett neu und modern eingerichtet. Sie hat die Bäder ebenso erneuert wie einen Frühstücksraum und die Rezeption im zweiten Stock des Hotels neu gestaltet. Im Keller gibt es einen Raum für Fahrräder.

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Eigentlich wollte Michelle Schmidt ihren Traum vom Hotel im April eröffnen. Doch damals hatte die Corona-Pandemie das Land fast komplett zum Erliegen gebracht. Kneipen, Restaurants, Kinos waren geschlossen. „Eigentlich war es gar nicht so schlecht“, sagt sie rückblickend. So hatte sie etwas mehr Zeit für die Einrichtung, für Details.

Und dennoch: Ein Hotel zu eröffnen ist ohnehin ein Wagnis, auch in einer Stadt wie Marburg, wo in normalen Jahren Kongresse der Universität, Firmen, Geschäftsleute und nicht zuletzt Touristen die Hotels gut auslasten. Aber in Corona-Zeiten sieht dies anders aus. Keine Kongresse, kaum Firmenkunden, da viele im Homeoffice arbeiten und Kontakt über das Internet halten.

Am 1. August hat Michelle Schmidt ihr Stadthotel eröffnet. „Es ist wunderbar angelaufen“, sagt sie. „Unter der Woche fehlen zwar die Geschäftsleute, aber das Geschäft mit Touristen an den Wochenenden lief gut.“

Bis jetzt. Wegen steigender Infektionszahlen darf sie derzeit keine Gäste aus innerdeutschen Risikogebieten beherbergen. Kunden aus Frankfurt, Offenbach oder Köln fallen aus. „Es sind viele Stornos gekommen“, sagt Michelle Schmidt.

Ihren Optimismus lässt sie sich dennoch nicht nehmen. Sie kommt aus einer Gastronomie-Familie, kennt das Geschäft von klein auf. Ihr Vater Wolfgang Schmidt hat früher das Stadthallen-Restaurant und den Lahngarten in Wehrda betrieben und hat einen Partyservice. Das kleine Hotel im Lahngarten mit acht Zimmern führte zuletzt Michelle Schmidt. „Aber ich habe mir gesagt: Ich mache auf jeden Fall was Eigenes.“

Zur Hotelfachfrau ausgebildet wurde sie in Marburgs Top-Hotel – dem Vila Vita Rosengarten. Danach hat sie im Betrieb der Eltern gearbeitet und als die Chance kam, das Stadthotel zu übernehmen, zugegriffen. Sie macht dort fast alles selbst. Den Check-in, den Check-out, die Buchhaltung, den Einkauf. Sie kommt morgens als Erste und geht abends als Letzte. Vier Aushilfen unterstützen sie bei der Reinigung der Zimmer. Urlaub? Erst mal nicht. Ihre Pläne: Einen langen Atem haben. Ihre Hoffnung: Viele Gäste, die sich wohlfühlen in ihrem kleinen, familiengeführten Hotel.

Die Rückmeldungen von Kunden auf dem Internet-Portal Booking.com sind positiv. „Die Lage ist sehr zentral – für ein Wochenende in Marburg ideal. Das Hotel ist frisch renoviert und die Zimmer sind hübsch und geschmackvoll eingerichtet. Das Hotel wird seit diesem Sommer von einer neuen Inhaberin geführt, die sehr freundlich und hilfsbereit ist“, heißt es dort etwa. Dass es wegen Corona derzeit kein Frühstück gibt, stört die Kunden nicht. Denn gleich nebenan ist eine Bäckerei, die alles bietet, was das Herz begehrt.

Und wenn mal etwas kaputtgeht im Stadthotel, dann gibt es noch ihren Lebensgefährten Tobias Noll. Der ist Handwerker und (fast) kann alles.

Von Uwe Badouin