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Marburg Drei neue Stadtälteste
Marburg Drei neue Stadtälteste
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13:55 22.11.2021
Die neuen Marburger Stadtältesten Georg Schnell, Sonja Sell und Horst Mania (vordere Reihe von links) mit Stadtverordnetenvorsteherin Elke Neuwohner und Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies. 
Die neuen Marburger Stadtältesten Georg Schnell, Sonja Sell und Horst Mania (vordere Reihe von links) mit Stadtverordnetenvorsteherin Elke Neuwohner und Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies.  Quelle: Foto: Stefan Dietrich
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Wenn Kommunalpolitikerinnen und -politiker nach jahrzehntelangem Engagement, nach unzähligen Sitzungen und Gesprächen politisch kürzertreten, dann können sie zu Stadtältesten ernannt werden.

Gleich drei neuen Stadtälteste ehrten Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) und Stadtverordnetenvorsteherin Elke Neuwohner (Grüne) am Donnerstag: Die langjährige SPD-Stadtverordnete Sonja Sell, den ehemaligen Moischter Ortsvorsteher Horst Mania (CDU) und seinen Ronhäuser Kollegen Georg Schnell (SPD). Alle waren mehr als zwei Jahrzehnte lang kommunalpolitisch aktiv.

Keine einfache Aufgabe, denn kommunalpolitische Verantwortung sei oft nicht leicht zu tragen, hob Stadtverordnetenvorsteherin Elke Neuwohner hervor: „Alles, was wir tun, muss gerechtfertigt werden vor dem Freundeskreis oder in der Nachbarschaft“, sagte sie.

Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies lobte die Erfahrung von Sell, Mania und Schnell: „Erfahrung führt dazu, dass man große Herausforderungen intuitiv anders einschätzt und ein Gefühl dafür hat, welches der sicherste Weg ist“, sagte er. „Auf dieses Wissen wollen wir nicht verzichten.“

Es sei zwar richtig, dass die Geehrten nun erst einmal die Nachfolger machen lassen – „aber genauso sollte dieses Wissen bereitstehen für diejenigen, die nachfragen.“

Sonja Sell war von 1997 bis 2021 Mitglied der Stadtverordnetenversammlung. Ihr großes Thema waren Bauen und Stadtentwicklung. „Mit ihrer Expertise und ihren klaren Positionen hat sie dazu beigetragen, dass die Stadt heute so ist, wie sie ist“, sagte Spies und fügte hinzu: „Ich werde deine Fachkunde vermissen.“ neuwohner lobte, sie habe von Sell viel gelernt: Über die Vereinbarkeit von Familie und Mandat und wie man viele lange Reden erträgt – nämlich mit Handarbeit. Sell, die von Beruf Schulsekretärin ist, sagte im Gespräch mit der OP, sie habe beim Thema Bauen gelernt, „beim Blick nach vorne auch den Blick zurück zu behalten: Was ist erhaltenswert?“ Mit Blick in die Zukunft sagt die 54-Jährige, sie hoffe, dass es nach ihrem Abschied aus dem Stadtparlament „nicht zu ruhig wird“. Aber bei der SPD sei es sowieso üblich, dass man sich weiter einmischt.

Horst Mania war von 1979 bis 1989 Mitglied der Stadtverordnetenversammlung und dann ab 2006 Ortsvorsteher in Moischt. „Er war Mister Moischt“, lobte Spies, „er hat mit einer sehr umgänglichen und klaren Art für den Stadtteil gekämpft.“ In der Runde der Ortsvorsteherinnen und Ortsvorsteher werde er fehlen. „Er ist ein Beispiel dafür, dass man nicht in der gleichen politischen Organisation sein muss, um sich gemeinsam für das Wohl der Stadt einzusetzen“, lobte der SPD-Politiker Spies den Moischter CDU-Politiker. Mania, der beruflich 32 Jahre lang im Strafvollzug gearbeitet hat, sagte über seine politische Tätigkeit: „Die Arbeit mit Menschen hat mir große Freude bereitet, das war das Wichtigste.“ Der 80-Jährige will sich auch weiterhin im Stadtteil ehrenamtlich engagieren, versicherte er.

Georg Schnell war von 1977 bis 1981 Schriftführer im Ortsbeirat Ronhausen, ab 1981 dann Ortsvorsteher – also 40 Jahre lang. In der Runde der Ortsvorsteher sei er derjenige gewesen, der sich wirklich an alles erinnern könne, der eine unendliche Erfahrung habe, der nicht nur alle Menschen in dem kleinen Stadtteil kenne, sondern „auch jeden Pflasterstein in Ronhausen mit Vornamen kennt“, lobte Spies. „Und über die Brunnen in Ronhausen weißt du wirklich alles“, fügte Spies hinzu. „Wir haben drei Quellen für die Wasserversorgung“, erläuterte Schnell dazu später im Gespräch die Bedeutung der Brunnen, „durch die Wasserschutzzonen war die Entwicklung des Ortes eingeschränkt.“ Vier Oberbürgermeister habe er erlebt, erzählte der 72-Jährige – Hanno Drechsler, Dietrich Möller, Egon Vaupel und Thomas Spies. Sein Beweggrund, sich politisch zu engagieren, sei der geplante Lückenschluss der B 3 gewesen, berichtete Schnell. Damals sei ein Brückenbauwerk bei Ronhausen geplant gewesen. Der damalige CDU-Landtagsabgeordnete Möller sei dafür gewesen, er dagegen, erzählte Schnell. Dass er nun auch politisch im Ruhestand ist, will der gelernte Schriftsetzer und spätere Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens „erst mal sacken lassen“. Er stehe aber seinem Nachfolger für jede Frage mit Rat und Tat zur Verfügung, versprach er.

Von Stefan Dietrich

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