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Marburg Ohne Vertrauen geht es nicht
Marburg Ohne Vertrauen geht es nicht
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08:00 01.12.2020
Die Teilnehmer des Business-Talks (von links): Marion Guder (Arbeitsagentur), Michael Schröder (Geschäftsführer CSL Marburg), Susanne Bitsch (Geschäftsführerin PraeMontis), Volker Breustedt (Leiter Agentur für Arbeit Marburg), Dr. Elena Heimann (Kanzlei Bluedex) und Michael Honndorf (Personalleiter Elkamet).
Die Teilnehmer des Business-Talks (von links): Marion Guder (Arbeitsagentur), Michael Schröder (Geschäftsführer CSL Marburg), Susanne Bitsch (Geschäftsführerin PraeMontis), Volker Breustedt (Leiter Agentur für Arbeit Marburg), Dr. Elena Heimann (Kanzlei Bluedex) und Michael Honndorf (Personalleiter Elkamet). Quelle: Andreas Schmidt
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Marburg

Die Corona-Pandemie hat die Arbeitswelt verändert: Statt im Büro beim Arbeitgeber, arbeiten viele Mitarbeiter mittlerweile von außerhalb. Doch was gilt es dabei zu beachten? Und wie sieht es in der Praxis aus? Dazu veranstaltete die Arbeitsagentur Marburg einen „Business-Talk“ unter dem Titel „Mobiles Arbeiten, hybrides Arbeiten oder Homeoffice? Disruptionen in der Arbeitswelt mit Corona“.

„Umgangssprachlich sprechen alle immer vom Homeoffice – in der Rechtswelt gibt es aber eigentlich den Begriff der Telearbeit“, erläuterte die Anwältin Dr. Elena Heimann. Dabei werde die Arbeit komplett oder zumindest teilweise aus dem privaten Umfeld heraus geführt – von einem fest eingerichteten Arbeitsplatz zu Hause. Den muss der Arbeitgeber einrichten – „mit allen Arbeitsmitteln, vom Tisch bis zum Computer“, so Heimann. Doch auch „mobiles Arbeiten“ oder „hybrides Arbeiten“ stehen derzeit hoch im Kurs. Beim „mobilen Arbeiten“ erhält der Arbeitnehmer seinen Arbeitsauftrag – und entscheidet selbst darüber, von wo er ihn ausführt. „Und das hybride Arbeiten kombiniert mindesten zwei Arbeitsmethoden“, so die Anwältin. Dabei würden häufig traditionelle und agile Arbeitsmethoden kombiniert. Susanne Bitsch, ebenfalls Juristin und Geschäftsführerin der Agentur „PraeMontis“, hat festgestellt, dass der Bedarf an den neuen Arbeitsmethoden durch Corona immens hoch ist. Sie rät den Arbeitgebern: „Lassen Sie es Ihre Führungskräfte selbst mit den Teams entscheiden, wie es am besten passt“ – denn die Veränderungen würden auch stark in das so wichtige Thema Work-Life-Balance eingreifen. Und: Während die Einen gerne mobil arbeiten, wollen die Anderen möglichst schnell ins Unternehmen zurück, „weil sie dort ihre festen Strukturen haben“. Die Arbeitgeber hätten dabei nicht nur die technischen Anforderungen zu lösen – sondern auch die rechtlichen.

„Telefone haben geglüht“

Doch wie schaut es mit der „neuen Arbeitswelt“ in der Praxis aus? Welche Erfahrungen haben Unternehmer und auch Behörden gesammelt? Volker Breustedt, Leiter der Marburger Arbeitsagentur, erinnert sich an den März zurück: „Es war heftig: Wir mussten innerhalb weniger Stunden entscheiden, wie es weitergeht – und gleichzeitig das Personal im Kurzarbeiterbereich um mehr als den Faktor zehn erhöhen.“ Die Telefone „haben zu dieser Zeit geglüht“ – die Agentur habe zwei Aufgaben gehabt: Den Gesundheitsschutz der Mitarbeiter gewährleisten und die Produktivität hochhalten. „Da war Homeoffice für uns ein Segen“, erläutert der Agenturchef. 40 Prozent der Mitarbeitenden würden derzeit nicht im Gebäude der Arbeitsagentur arbeiten, „Corona hat bei uns die Digitalisierung deutlich nach vorne gebracht“.

Michael Schröder, Geschäftsführer und Standortleiter von CSL Behring, erläuterte, dass ein Produktionsstandort natürlich andere Bedingungen mit sich bringe, „natürlich kann ich ein Medikament nicht zu Hause in der Garage herstellen“, scherzte er. Dennoch seien Anfang März 1 000 Mitarbeiter – also rund ein Drittel der Beschäftigten – ins mobile Arbeiten gegangen. „Wir hatten keinen Produktivitätsverlust“ – mittlerweile würden sich aber auch Stimmen häufen, dass den Kollegen die Kontakte fehlten, „der Austausch an der Kaffeemaschine. Denn virtuell laufe ich mir nicht spontan über den Weg“, so Schröder. Daher gehe es zukünftig wohl in Richtung hybrides Arbeiten, könnte er sich vorstellen. Eine große Rolle habe die Anpassung des Arbeitszeitgesetzes gespielt, „so konnten wir die Arbeit auf eine breitere Zeit verteilen“, so Schröder. „Hier müssen wir aus meiner Sicht weitermachen – das Arbeitszeitgesetz braucht eine Anpassung an die Zukunft“, forderte er vonseiten der Politik.

Auch Michael Honndorf, Personalleiter von Elkamet Kunststofftechnik, verdeutlichte, dass das mobile Arbeiten „die Arbeit gut entzerrt hat“. Abteilungsbesprechungen finden im Video-Chat statt, „die elektronischen Medien helfen, in Kontakt zu bleiben“. Für ihn ist klar: „Grundlage des mobilen Arbeitens ist das Vertrauen – ohne geht es nicht.“ Das sei wichtigstes Prinzip der Führung in dieser Zeit. „Mobilarbeit ist die Königsdisziplin der Führung“, verdeutlichte auch Volker Breustedt in diesem Zusammenhang, denn das volatile Umfeld sorge dafür, jeden Tag aufs Neue entscheiden zu müssen. Und Michael Schröder erläuterte, dass es wichtig sei, jeden Tag für die Mitarbeiter ansprechbar zu sein – „dafür habe ich in meinem Kalender, den die Mitarbeiter alle einsehen können, eine Fokus-Zeit eingetragen. Dann können Mitarbeiter sich melden – und man läuft sich zumindest virtuell über den Weg.“

von Andreas Schmidt

30.11.2020
30.11.2020
30.11.2020