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Marburg Holz und Pellets sind knapp und teuer
Marburg Holz und Pellets sind knapp und teuer
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13:55 28.07.2022
Die Preise für Brennholz haben immens angezogen.
Die Preise für Brennholz haben immens angezogen. Quelle: Christin Klose
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Wetter

„Die Preise bei Brennholz und Pellets kennen derzeit nur eine Richtung: nach oben“, sagt Uwe Geißel, Geschäftsführer des Brennstoffhändlers „Poitzmann & Geißel“ in Wetter. Habe die Tonne Pellets vor einem Jahr noch 250 Euro gekostet, „sind es jetzt 600 Euro. Bei der Sackware ist es identisch – die Preise haben sich auch mehr als verdoppelt“.

Und auch beim Brennholz sei die Entwicklung ähnlich, „der Schüttraummeter liegt aktuell bei 110 Euro – den Preis muss ich aber bei einer Bestellung offen lassen“, sagt Geißel. Denn: Wenn sein Vorlieferant keine Ware aus der Region bekomme und er weite Wege habe, um Stammholz zu holen, „hat er einen erhöhten Aufwand – dann kann es sein, dass der Schüttraummeter plötzlich 115 Euro kostet“. Vor einem Jahr habe der Brennholzpreis noch bei 80 Euro gelegen.

Woran liegen die immensen Preissteigerungen? „Es wurden sehr viele Pellet-Heizungen verbaut – doch kam kein neues Pellet-Werk hinzu“, weiß der Brennstoff-Spezialist. In der Folge trifft ein knappes Angebot auf eine stark erhöhte Nachfrage – mit dem bekannten Effekt.

Transportkapazitäten fehlen

Und es kämen noch weitere große Abnehmer hinzu: „Kraftwerke, die Kohle verstromt haben und dann auf Gas gewechselt haben – das wurde zu teuer, also verfeuern sie nun Pellets.“ Ein weiterer Grund, warum die kleinen Holz-Presslinge so teuer wurden: „Viele Pellets wurden im Osten produziert – großteils mit russischem Holz, das nun von der Blockade betroffen ist.“

Frachtkosten seien gestiegen – nicht nur wegen der Spritkosten, sondern auch wegen Lastwagen, die eigentlich von den Speditionen ausgetauscht werden müssten, weil sie nun reparaturanfällig seien. „Diese schicken die Speditionen aufgrund von hohen Reparaturkosten im Schadensfall nicht mehr auf die Straße – neue Lastwagen fehlen aber. Also fehlen auch Transportkapazitäten, was die Fracht teurer macht.“

Geißel betont, dass er noch lieferfähig sei, „aber wir bekommen gerade kaum Nachschub. Obwohl wir viel einlagern könnten.“ Doch seine Stammkundschaft könne sich darauf verlassen, beliefert zu werden. „Vielleicht bekommen sie nicht die komplette Lieferung auf einmal. Aber wir lassen niemanden in der Kälte sitzen“, verspricht der Unternehmer. Und auch Neukunden wolle man natürlich bedienen. Uwe Geißel rät: „Jetzt bestellen, nicht bis auf den letzten Drücker warten – und vor allem nicht in Panik verfallen.“

Brennholz-Fakeshops boomen

Waren, die nachgefragt und teuer sind, rufen stets Kriminelle auf den Plan. Sie richten Fakeshops ein und versuchen, ihre Opfer mit günstigen Preisen zu ködern. Aktuell ist das auch bei Kaminholz und Pellets der Fall, warnt das Verbraucherschutzportal „Watchlist Internet“.

Angesichts steigender Preise und der zu erwartenden Knappheit beim Gas schauten sich viele Verbraucherinnen und Verbraucher nach Alternativen um. Wer Brennholz oder Pellets verfeuern kann, lagert diese nun oftmals schon ein, um im Winter vorbereitet zu sein.

Da die hohe Nachfrage auch die Preise von Pellets und Holz steigen lässt, legen die Betrüger in ihren Fakeshops extrem günstige Preise als Köder aus. Weicht der aufgerufene Preis zu stark vom Durchschnitt ab, ist höchste Skepsis angebracht. Und bleibt am Ende nur Vorkasse als einzige Zahlungsart, sollte man die Finger von dem Shop lassen.

Auch die Internetsuche nach Erfahrungsberichten zu dem jeweiligen Shop lohnen sich Verbraucherschützern zufolge oft. Denn vielfach finden sich im Netz bereits Warnungen anderer.

Ebenso wichtig: Impressum checken. Fehlt es, sollte man ebenfalls von einer Bestellung Abstand nehmen. Ansonsten lohne es sich, das angebliche Handelsregister unter Handelsregister.de zu prüfen und zu schauen, ob unter der angegebenen Adresse überhaupt ein beziehungsweise das angebliche Unternehmen geführt wird.

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Von Andreas Schmidt