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Marburg Hohe Preise, lange Lieferfristen
Marburg Hohe Preise, lange Lieferfristen
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07:56 18.05.2022
Alexander und Ralf Funke mit Neuwagen im Autohaus Funke in Kirchhain.
Alexander und Ralf Funke mit Neuwagen im Autohaus Funke in Kirchhain. Quelle: Thorsten Richter
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Potenzielle Autokäufer müssen sich weltweit auf ein knappes Angebot und stark steigende Preise einrichten. Nach der jüngsten Prognose des Duisburger „Center Automotive Research“ werden im laufenden Jahr global nur noch 67,6 Millionen Neuwagen verkauft.

Das wären rund 1 Million Autos weniger als im ersten Corona-Jahr 2020 und der niedrigste Wert seit 2011. Wichtigster Grund für die Flaute sind erhebliche Produktionsprobleme in Folge fehlender Zulieferteile.

Die Hersteller werden nach Angaben von CAR-Leiter Ferdinand Dudenhöffer versuchen, die zusätzlichen Kosten für ihre nicht ausgelasteten Fabriken über höhere Preise reinzuholen. Sie hätten wegen des knappen Angebots bei Preiserhöhungen nahezu freie Hand und bereits im bisherigen Verlauf der Pandemie gute Einnahmen erzielt – trotz des zeitweisen Stillstands der Bänder.

Lieferzeiten von mindestens einem halben Jahr

Die stärksten Einbußen im Vergleich zum Vorjahr mit 71,3 Millionen verkauften Einheiten erwartet CAR in Europa mit einem durchschnittlichen Rückgang um 10,1 Prozent. In Deutschland sollen der Prognose zufolge 2,47 Millionen Neuwagen hinzukommen, rund 6 Prozent weniger als im Vorjahr.

Auch die Kunden und die Autohändler im Landkreis bekommen dies zu spüren. Innungs-Obermeister Ralf Funke sagte der OP, wer einen Neuwagen kaufen wolle, müsse sich auf Lieferzeiten von mindestens einem halben Jahr einstellen. Bei vollelektrischen Autos und Plug-in-Hybriden seien es sechs bis neun Monate.

Das spiegelt sich auch im Anteil der Elektrofahrzeuge an allen verkauften Wagen. Laut Funke sind dies bei ihm etwa drei Viertel aller verkauften Neuwagen: 50 Prozent vollelektrische Fahrzeuge und ein Viertel Plug-in-Hybride. Angesichts der aktuell hohen Spritpreise wundert sich der Innungs-Obermeister darüber nicht.

Listenpreise haben sich kaum verändert

Die Lagerbestände bei fast allen Autohändlern seien zudem dramatisch zurückgegangen. „Wenn früher 60, 70 Neuwagen auf dem Hof des Händlers standen, sind es heute vielleicht nur 6 oder 7.“

Schuld an der Misere sind, so Funke, vor allem die unterbrochenen Lieferketten insbesondere aus Fernost seit Beginn der Corona-Epidemie. „Und wenn sich im Suez-Kanal ein Schiff dreht, sind da im Zweifel unsere Autos drauf.“

Zu den stark gestiegenen Preisen für Neuwagen merkt Obermeister Funke an: „Die Listenpreise der Hersteller haben sich kaum verändert.“ Verschlechtert hätten sich aber die Nachlässe, die die Kunden beim Händler zum Teil heraushandeln könnten. „Das liegt“, so Funke, „vor allem an vielen Förderprogrammen, die ausgelaufen sind.“ Im Umkehrschluss: Trotz tendenziell niedrigeren Umsatzes steigt der Verdienst der Hersteller.

Frühestens im ersten Halbjahr 2023 werde sich die Situation für den Kunden wieder verbessern, sagt Funke. Bis dahin sei mit hohen Preisen und langen Lieferfristen zu rechnen.

Von Till Conrad und unserer Agentur