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Marburg Hofeigener Pferdemist düngt den Spargel
Marburg Hofeigener Pferdemist düngt den Spargel
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07:55 23.05.2020
In Dagobertshausen ist die Spargelernte in vollem Gange. Quelle: Thorsten Richter
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Dagobertshausen

Das weiße Gold hat gerade Hochsaison. Auf vielen Tellern landet derzeit der frisch gestochene Spargel aus Dagobertshausen. Und das, obwohl es im Moment zu kalt ist und der Boden für den Spargelanbau eigentlich ungeeignet ist. Er ist zu hart und zu trocken.

Aber das hat Hofgut-Landwirt Helfried Eden nicht davon abgehalten, es trotzdem mit der aufwendigen Frucht zu probieren. Sein bester Mitarbeiter auf dem Spargelfeld ist die Folie. „Ohne sie würde das alles nicht funktionieren“, gibt er unumwunden zu.

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Nur mithilfe der meterlangen Abdeckung kann der Spargel in den Dämmen wachsen – bis zu acht Zentimeter am Tag. „Wenn es außen 25 Grad Celsius sind, dann erreichen wir unter der Folie 40 Grad Celsius“, erklärt der Landwirt. Aber nur wenn die schwarze Seite oben ist“, schiebt er noch hinterher.

Sie sorgt für Temperatur und hält auch die Feuchtigkeit im Damm, die der Wind ansonsten aus der Erde ziehen würde. Auf sechs Hektar verteilen sich die Spargelfelder des Hofgutes, eine Reihe ist 360 Meter lang. An guten Tagen können hier täglich 800 Kilogramm geerntet werden.

Ein eingespieltes Team

Bis zu 16 Erntehelfer sind dafür jeden Tag im Einsatz. Stückweise schieben sie die Folie zur Seite und schon sind die weißen Stangen zu sehen, wie sie aus dem Boden ragen. Mit zwei Fingern wird die Erde vorsichtig rund um eine Frucht beiseite geschoben, ehe der Mitarbeiter mit einem kurzen Stoß den Spargel absticht.

Seit drei Jahren arbeitet in Dagobertshausen „die gleiche Mannschaft“, wie Helfried Eden sagt. „Die sind eingespielt, der Vorabeiter kennt sich bestens aus“, lobt er die polnischen Erntehelfer, die trotz der Corona-Pandemie auch in diesem Jahr vor Ort sind, „weil die Grenze zu Polen nie zu war“, sagt der Hofgut-Leiter.

Er ist froh, dass er die erfahrenen Männer hat. „Die Spargelernte ist anstrengend, weil man den ganzen Tag in gebückter Haltung arbeiten muss. Hinknien klappt nicht“, berichtet er aus Erfahrung, auch wenn er beim Fototermin eine Ausnahme macht.

Sieben Jahre aus dem Vollen schöpfen

Bis zu 20 Triebe hat eine Knolle. Etwa die Hälfte wird geerntet, die andere Hälfte bleibt stehen, damit sie für das kommenden Jahr wieder Kraft tanken kann. Denn Spargel zu bewirtschaften ist sehr aufwändig, dafür, dass man nur etwa zwei bis drei Monate im Jahr ernten kann.

Zwei Jahre allein brauchen die Pflanzen, um zu wachsen, anschließend kann drei Jahre lang nur der halbe Ertrag eingefahren werden. „Dann können wir sieben Jahre voll abschöpfen, müssen im fünften Jahr aber schon an neuer Stelle wieder mit der Nachzucht anfangen.

Denn nach den 15 Jahren Bewirtschaftung muss der Boden genauso lange spargelfrei bleiben“, sagt Eden. Er pflanzt dann Erdbeeren auf die ehemaligen Spargelfelder. Deren Freiland-Saison steht kurz bevor.

Messungen bestätigen Landwirt

Mineralstoffe bekommt der Dagobertshäuser Spargel nur durch den hofeigenen Pferdemist. Dieser wird regelmäßig auf die Felder ausgebracht. Zusammen mit den Zwischenfrüchten Senf und Ölrettich wird dieser im Frühjahr zersetzt.

„Messungen haben ergeben, dass der Nitratgehalt im Herbst gleich null ist“, sagt der Landwirt nicht ohne Stolz. Zwei Jahre hat er an diesem natürlich Kreislaufsystem experimentiert. Mit Erfolg, was Geschmack und Verkaufszahlen unter anderem beim Freilandverkauf vor dem Waldschlösschen und in diversen Supermärkten in Stadt und Landkreis belegen.

Von Katja Peters

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