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Marburg Abschiebung in letzter Minute verhindert
Marburg Abschiebung in letzter Minute verhindert
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17:13 11.12.2019
Als „einen Engel, von Gott geschickt“ bezeichnen Fatima Abidi, Tarek Ramdani und ihre zwei Kinder – die aus Angst vor Verfolgung nicht erkannt werden wollen – Anna Radke. Die 78-Jährige hat die algerische Familie, die vor rund acht Jahren aus einem Gebiet nahe der tunesischen Grenze über das Mittelmeer floh, in ihrer kleinen Innenstadt-Wohnung aufgenommen. Quelle: Björn Wisker
Marburg

Die Bundesbehörden wollten Mitte Januar eine 30-Jährige und ihre Familie aus Cappel nach Nordafrika abschieben. Ein ärztliches Attest, wonach die Frau im 8. Monat schwanger war, aus medizinischen Gründen als flugunfähig gilt und der Mann eine schriftliche Zusage für einen Arbeitsplatz bei einer Marburger Firma hat, ignorierten die Behörden. Der Flugzeugpilot am Frankfurter Flughafen verweigerte die Mitnahme der Passagiere mit Verweis darauf, dass kein Facharzt an Bord sei. Entsprechende OP-Informationen hat die Polizei Marburg bestätigt.

In Marburg leben nach Angaben der Stadt aktuell 271 Asylbewerber – einschließlich derer, die sich noch im Klageverfahren befinden. Zudem sind 75 Geduldete, also Ausreisepflichtige, bei denen die Behörden vorübergehend auf Abschiebung verzichten, registriert. Das für Abschiebungen zuständige Regierungspräsidium Gießen spricht auf OP-Anfrage bei Schwangeren-Abschiebungen von stets erfolgenden „Einzelfallprüfungen“, bei im Vorfeld von Ärzten festgestellten Reiseunfähigkeiten erteile die zuständige Ausländerbehörde der Betroffenen eine Duldung – eigentlich. Insgesamt wurden laut RP im vergangenen Jahr 1.754 Menschen abgeschoben – 600 mehr als noch im Vorjahr. Bundesweit scheiterten vergangenes Jahr 8.000 Abschiebungen am Abschiebetag selbst.

von Björn Wisker

Den ausführlichen Bericht zum Fall der algerischen Familien lesen Sie hier. (Artikel ist nach Anmeldung für OP-Leser zugänglich.)