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Marburg 14,8 Millionen Euro mehr für die Uni
Marburg 14,8 Millionen Euro mehr für die Uni
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07:00 12.03.2020
Hochschulpakt Hessen: Uni Marburg bekommt mehr Geld und zusätzliche Professorinnen und Professoren. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Für die Marburger Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause war es bereits der dritte Hochschulpakt, bei dem sie für die Uni Marburg mit Vertretern des Wissenschaftsministeriums verhandelte. Ihre Bilanz fiel am Mittwoch kurz vor der Unterzeichnung in Wiesbaden positiv aus. Es sei der bisher beste Hochschulpakt für die Marburger Universität, sagte sie im Gespräch mit der OP. Das betreffe vor allem den Punkt Budget-Verlässlichkeit. „Bisher hatten wir in den Budgets große Schwankungen von Jahr zu Jahr. Das wird nun in dem neuen Sockelbudget aufgefangen“.

Die in dem Pakt für die Jahre 2021 bis 2025 festgehaltene Steigerung der Finanzierung um 4 Prozent pro Jahr bedeute eine große Leistung, bei der die Marburger Universität etwas Spielraum gewänne, sagte Krause. Das sei auch deswegen wichtig, weil die Marburger Hochschule in der Laufzeit des Hochschulpakts der vergangenen fünf Jahre die Summe der Tarif- und Kostensteigerungen nicht vollständig habe auffangen können. Die Tarifsteigerungen für die Bediensteten der Hochschule sollen künftig ausgeglichen werden, und für die Gesamt-Hochschule und der Fachbereiche soll etwas mehr Geld als bisher bereitstehen .

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Insgesamt steht für die 14 hessischen Hochschulen die Rekordsumme von 11,2 Milliarden Euro zur Verfügung. Es ist nicht ganz so einfach, detailliert herunterzubrechen, wie viel Geld davon dann an der Marburger Universität ankommt. Denn neben einem neuen alleine 8,2 Milliarden umfassenden Sockelbudget für die Grundfinanzierung der einzelnen Hochschule gehören unter anderem noch ein Erfolgsbudget, ein Profilbudget sowie ein Innovations- und Strukturbudget zum finanziellen Gesamtpaket.

Wissenschaftsministerin Angela Dorn, die für das Land Hessen die Verhandlungen mit den Hochschul-Leitungen federführend geleitet hat, nannte auf Anfrage der OP zumindest eine Größenordnung für die Höhe der geplanten Steigerung. So gebe es für das Jahr 2021 gegenüber 2020 14,8 Millionen Euro mehr für die Uni Marburg, worauf dann jedes Jahr eine vierprozentige Steigerung folgen solle.

Unterfinanzierung der Fachbereiche soll gedämpft werden

Uni-Präsidentin Krause warnte allerdings angesichts der bisherigen Unterfinanzierung der Marburger Universität vor übertriebenen Erwartungen auf einen Geldsegen. „Es bricht jetzt kein goldenes Zeitalter an“, sagte sie auch an die Adresse der Uni-Gremien gewandt. „Wir werden es aber schaffen, die Unterfinanzierung der Fachbereiche zu dämpfen“. Sie betonte vor allem, dass sie mit dem neuen Hessischen Hochschulpakt auf eine Verlässlichkeit in der Hochschulfinanzierung hoffe.

Ein Kernpunkt der Vereinbarung ist die Schaffung von 300 neuen Professuren an den hessischen Hochschulen. Davon sollen 145 Professuren an den Universitäten geschaffen werden und 23 dieser Professuren an der Universität Marburg. „Das entspricht in etwa dem Personalvolumen eines Fachbereichs“, erläuterte die Uni-Präsidentin. „Wir werden aber nicht die Struktur der Universität verändern“. Die Uni Gießen erhalte etwas mehr Professorenstellen, die Uni Frankfurt deutlich mehr, und die Hochschulen in Kassel und Darmstadt ähnlich viele Professuren wie Marburg. Mit den zusätzlichen Professuren soll die Betreuungsrelation deutlich verbessert werden, bei der Hessen bisher bundesweit im Ländervergleich weit hinten lag. Bisher betreut ein Professor durchschnittlich in Hessen 72 Studierende.

Berechnet wird mit einem Durchschnittswert

Bei der Verteilung der Mittel an die einzelnen Hochschulen fällt die von Jahr zu Jahr schwankende Studierendenzahl nicht mehr so stark ins Gewicht wie bisher. Darauf hatten die Präsidenten der hessischen Universitäten im Vorfeld der Verhandlungen besonders gedrängt. Berechnet wird die Mittelverteilung aufgrund eines Durchschnittswertes aus den Jahren 2018 bis 2020. Insgesamt soll vor allem auch die Qualität der Lehre gezielt gefördert und aufrechterhalten werden.

Uni-Präsidentin Krause lobte die Wissenschaftsministerin für ihren kenntnisreichen Einsatz. Angela Dorn habe engagiert und hart verhandelt und sich als Wahrerin der Interessen der hessischen Universitäten erwiesen. Und die Ministerin gab das Kompliment zurück: In den Verhandlungen habe die Marburger Präsidentin immer wieder auch Brücken gebaut.

Der Hochschulpakt

Der neue hessische Hochschulpakt für die Jahre 2021 bis 2025 wurde gestern in der Landeshauptstadt Wiesbaden nach einigen Monaten intensiver Verhandlungen feierlich unterzeichnet. Ministerpräsident Volker Bouffier und Finanzminister Dr. Thomas Schäfer (beide CDU) sowie Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne) unterzeichneten das 47-seitige Papier gemeinsam mit den Präsidentinnen und Präsidenten der insgesamt 14 Hochschulen des Landes. Das Rekordvolumen von 11,2 Milliarden Euro ist zwei Milliarden Euro höher als die Summe des aktuellen Hochschulpaktes.

Angela Dorn sieht den Pakt vor allem unter dem Stichwort Systemwechsel: Neben den neuen Budgetmodellen nennt sie die Erhöhung des Frauenanteils bei den Professuren, die Verbesserung der Beschäftigungsbedingungen, eine konsequentere Profilbildung, mehr Kooperationen zwischen den Hochschulen sowie ökologische Nachhaltigkeit als Hauptpunkte des neuen Systems.

Ausgeklammert wurde im Hochschulpakt aus Zeitgründen das Thema „Heureka“, die nächste Staffel des Hochschulbauprogramms des Landes Hessen. Die Wissenschaftsministerin deutete an, dass es dazu aber noch Nachverhandlungen geben werde.

In einem Eckpunkte-Papier werden wichtige Einzelheiten festgehalten. So soll es neben den zusätzlichen Professuren unter anderem auch mehr Lehramts-Studienplätze, mehr Mittel für den wissenschaftlichen Mittelbau sowie eine Aufstockung und Neuausrichtung des Forschungs-Förderprogramms „Loewe“ geben.

Von Manfred Hitzeroth

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