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Marburg Hochhaus-Brand: Stadt sucht Notunterkünfte
Marburg Hochhaus-Brand: Stadt sucht Notunterkünfte
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18:41 24.06.2014
Der Brand eines Hochhauses am Richtsberg löste einen Großeinsatz der Feuerwehr aus.
Der Brand eines Hochhauses am Richtsberg löste einen Großeinsatz der Feuerwehr aus. Quelle: Florian Gaertner
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Marburg

Dicke Rauchschwaden kamen aus dem Gebäude, als die Feuerwehr eintraf. Erst gegen 7 Uhr war das Feuer, das in den Kellerräumen ausgebrochen war, unter Kontrolle. Nach neuen Angaben wurden 23 Hausbewohner mit dem Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus gebracht, darunter mindestens ein Kind. Auch ein Feuerwehrmann musste ärztlich behandelt werden, nachdem er vor Erschöpfung zusammengebrochen war. Bis zu 260 Mitglieder der Feuerwehr, des Rettungsdienstes und der Polizei waren seit 4.20 Uhr im Großeinsatz, nachdem mehrere Hausbewohner eine starke Rauchentwicklung gemeldet hatten.

Starke Rauchentwicklung meldeten zahlreiche Bewohner eines Hochhauses am frühen Dienstagmorgen. 280 Bewohner mussten evakuiert werden. Einige von ihnen wurden mit dem Verdacht auf Rauchgasentwicklung ins Krankenhaus eingeliefert. (Fotos: Florian Gaertner, Thorsten Richter, THW Marburg)

In dem Hochhaus sind 280 Menschen gemeldet - sie alle wurden mit Stadtbussen in die Georg-Gaßmann-Halle gebracht. Die Wohnungen, so eine Sprecher der Feuerwehr, seien nach ersten Einschätzungen nicht beschädigt. Trotzdem ist derzeit noch nicht klar, ob und wann das Haus wieder bewohnt werden könne. Der mutmaßliche Brandherd im Keller des Gebäudes ist abgesperrt. Ermittlungen zur Brandursache sind noch nicht möglich, da ein Betreten des mit Löschschaum gefluteten und nach wie vor heißen und verrauchten Kellers noch nicht möglich ist. Bereits im Laufe des Nachmittags sollen die Mieter die Möglichkeit erhalten, persönliche Gegenstände aus ihren Zimmern zu bergen.

Mutaz Elmubarak ist einer der Betroffenen, der derzeit im Notquartier am Gaßmann-Stadion auf weitere Informationen wartet. Die Feuerwehr weckte ihn und seine Familie, brachte sie durch das Treppenhaus nach draußen.

Die Kleidung, die er trägt, sei nicht seine eigene, so Elmubarak. In der Eile habe er es nicht mehr geschafft, sich eine Jacke oder Schuhe anzuziehen. "Uns geht es gut und wir sind sehr zufrieden, wie der Einsatz abgelaufen ist. Die Hilfe läuft reibungslos. Man steht uns bei", sagt er. Seine Tochter hat Elmubarak wie gewohnt in den Kindergarten gebracht. Sie soll von der Aufregung nichts mitbekommen.

"Ich fühle mich hier gut aufgehoben"

Auch Konrad Draude wurde in den Frühen Morgenstunden von dem Alarm geweckt. Er gelang als einer der Ersten ins Freie. Der Student nimmt die Situation mit Humor: "Man kann lachen oder weinen. Dann doch besser lachen. Die rauchige Wohnung kann ich lüften."

Auch er lobt die Arbeit der Einsatzkräfte. "Ich fühle mich hier gut aufgehoben, auch wenn ich nicht weiß, wie es in den nächsten Tagen weitergeht." An seiner Hand prangt ein Bändchen mit einer schwarzen 13. Die Feuerwehr habe es ihm beim Verlassen des Hauses umbegunden, um einen Überblick zu erhalten, wie viele Menschen das elfstöckige Gebäude bereits verlassen haben. Später, so Konrad Draude, sei sein Name auch auf einer Liste abgezeichnet worden.

Die rund 280 Bewohner werden in den kommenden Tagen in Notquartieren untergebracht. Durch die Rettungsmaßnahmen ist die Sonnenblickallee noch voll gesperrt, sodass es zu Verkehrsbehinderungen kommt.

Die Evakuierungsmaßnahmen sind derweil abgeschlossen. Bis in die Mittagsstunden hinein mussten Bewohner über (Dreh)Leitern das Haus verlassen. Außerdem durchsuchte die Feuerwehr die Räume, um auszuschließen, dass sich noch Menschen in den bereits evakuierten Wohnungen befinden.

  • Aufgrund des Brandes fahren die Busse der Stadtwerke (Linie 1, 4, 6) den Richtsberg nur eingeschränkt an. Die vorübergehend gesperrte Sonnenblickallee ist mittlerweile wieder befahrbar. Lediglich die Zufahrt zur Straße Am Richtsberg ist weiterhin gesperrt.
  • Für Betroffene und Angehörige ist mittlerweile ein Bürgertelefon mit der Rufnummer 06421/2019900  eingerichtet.