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Marburg Der Kampf mit der Dürre
Marburg Der Kampf mit der Dürre
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14:00 13.07.2022
Getreideernte zwischen Moischt und Schröck. Demnächst steht die Weizenernte an, Landwirte ächzen unter der anhaltenden Dürre.
Getreideernte zwischen Moischt und Schröck. Demnächst steht die Weizenernte an, Landwirte ächzen unter der anhaltenden Dürre. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Nur ein kurzer Blick auf den nächsten Acker genügt und die Folgen des viel zu trockenen Sommers werden deutlich: Die Feldfrüchte stehen auf krümeligen, staubtrockenen Böden. Die lang anhaltende Hitze macht den Feldern und damit den Landwirten zu schaffen, stellenweise führt die Witterung zu einer früheren Reife der Ernte und damit zu weniger Ertrag.

Schon die Ernte der Wintergerste begann in Hessen teils auffallend früh ab Ende der zweiten Juniwoche. Je nach Standort war das auch in Marburg-Biedenkopf der Fall, mit den Erträgen sind die meisten Landwirte jedoch zufrieden: „Mit der Wintergerste sind wir im Landkreis praktisch durch und die ist auch gut gelaufen, die Menge war in Ordnung, teilweise waren aber die Körner etwas kleiner“, berichtet Karin Lölkes, Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Marburg-Kirchhain-Biedenkopf. Generell spüren die Bauern das unbeständigere Klima, „durch die Trockenheit wurde alles früher reif, das wird schon deutlich“.

Nun steht der Winterweizen an, bei dem wurde in Hessen teils schon eine Notreife festgestellt. Eine Noternte, um die noch nicht ganz ausgereiften Pflanzen zu retten, sei zwar nicht die Regel, aber auch im Kreis dürfte an schwächeren, trockeneren Standorten wohl weniger Ertrag eingefahren werden, schätzt Kreislandwirt Frank Staubitz. Die in diesen Tagen erwartete neuerliche Hitzewelle wird aber kaum noch Einfluss auf den Weizen haben. Der ist bereits gereift oder die Reifung wird derzeit abgeschlossen. Und die Hitze habe nicht nur Nachteile: „Wir können bei Trockenheit ernten und sparen uns dann die Trocknungskosten“.

Klimawandel zwingt zum Umdenken

Anders könnte die Stimmung später im Jahr aussehen – Landwirte sorgen sich bereits um die Herbstkulturen auf den Feldern, wo sich die Trockenheit bemerkbar macht. An manchen Standorten rollt der Mais seine Blätter und bildet die sogenannten Fahnen aus – die Blütenrispen am Ende der Sprossachse – was auf eine schnellere Reifung schließen lässt. Bei den Zuckerrüben sorgt die Trockenheit für sogenannte schlafende Bestände, die Blätter liegen schlaff auf dem Boden auf. „Das Wasser fehlt massiv beim Mais und bei den Zuckerrüben, da wäre Regen dringend nötig“, betont Staubitz. Das gilt auch für das Grünland, wo schon jetzt nichts mehr für das Vieh nachwächst, er müsse auf den Weiden bereits zufüttern. Mit der Situation wie vor drei Jahren sei die Lage aber noch nicht vergleichbar. Nach den Hitzesommern ab 2018 herrschte überall massiver Mangel an Winterfutter. Das habe sich mit dem guten Ertrag aus dem letzten Jahr gebessert, die Vorräte sind wieder aufgefüllt.

Diese Erfahrung und der fortschreitende Klimawandel zwingt Bauern aber auch zu einer intensiveren Planung: „Ein gewisser Vorrat ist die beste Absicherung, wir sind es aber nicht gewohnt, dass es alle zwei bis drei Jahre zu wenig Futteraufwuchs gibt. Wir kommen in Zukunft also nicht drum herum, nicht mehr nur für die nächsten zwölf Monate zu denken, sondern für die nächsten 24 Monate“, so Staubitz.

Wie schützen sich Landwirte noch vor zunehmender Trockenheit und Hitze durch den Klimawandel? Das gelingt nur über Anpassung: „Die richtige Sortenwahl kann hier beispielsweise dazu beitragen, für den jeweiligen Standort die geeignete Sorte auszuwählen, zum Beispiel eher eine frühreife Sorte, die von einer Hitzewelle im Juni nicht so stark betroffen ist wie eine erst später reife Sorte“, teilt der Hessische Bauernverband auf dpa-Anfrage mit. Auch eine wassersparende Bewirtschaftungsweise der Böden könne hilfreich sein.

Dürremonitor zeigt betroffene Regionen

Auch das hessische Umweltministerium bezeichnete die Situation für die Landwirtschaft als schwierig. Der Dürremonitor weise aktuell für Hessen im Gesamtboden weitestgehend schwere bis außergewöhnliche Dürre auf, vielerorts auch im Oberboden.

Klimaprojektionen zeigten, dass sich zukünftig – bei gleichbleibenden Jahressummen – Niederschläge in das Winterhalbjahr verlagern. Die Phasen von Trockenheit, vor allem im Frühjahr und Sommer, dürften somit häufiger und länger anhaltend auftreten. Damit steige künftig wohl der Wasserbedarf weiter ebenso wie durch Trockenheit ausgelöste Stresssituationen.

Der Dürremonitor des Helmholtz Zentrums für Umweltforschung ist unter www.ufz.de zu finden.

Von Ina Tannert und unserer Agentur