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Marburg Ein Marburger Veteran auf Rädern
Marburg Ein Marburger Veteran auf Rädern
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12:00 26.01.2022
Mit dem historischen Schlossbus befassen sich die Mitglieder des Vereins Nahverkehrsgeschichte Marburg und die Macher des Marburger Nachtwächterboten, hier teils im passenden Wächtergewand Wilfried Geiger (von links), Martin Handl, Martin Klehm, Fahrer Marvin Schneider, Dr. Mathias Handl und Hajo Kaiser.
Mit dem historischen Schlossbus befassen sich die Mitglieder des Vereins Nahverkehrsgeschichte Marburg und die Macher des Marburger Nachtwächterboten, hier teils im passenden Wächtergewand Wilfried Geiger (von links), Martin Handl, Martin Klehm, Fahrer Marvin Schneider, Dr. Mathias Handl und Hajo Kaiser. Quelle: Ina Tannert
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Marburg

Er ist ein Schmuckstück und zieht viele Blicke auf sich, wenn er über das alte Kopfsteinpflaster gen Landgrafenschloss rumpelt. Touristen drehen sich um und zücken die Kamera, auch alteingesessene Marburger dürfte er noch immer ins Auge fallen, der historische Marburger Schlossbus 191, der seit mehr als fünf Jahrzehnten durch die Innenstadt fährt.

Der feierte im Jahr 2019 seinen 50. Geburtstag, was kein anderer Bus des städtischen Fuhrparks vor ihm geschafft hat. Er ist allerdings nicht der erste seiner Art. Schon ab 1953 wird das Landgrafenschloss durch einen Omnibus – ein Opel Blitz – mit der Innenstadt verbunden, auf der damaligen Linie 16 vom Hauptbahnhof zum Schloss, heute die Linie 10, waren immer schon besonders kleine und wendige Fahrzeuge der Stadtwerke unterwegs.

Und der bis heute erhaltene Mercedes-Bus – eine Maßanfertigung für Marburgs spezielle Straßen – fährt seit 1969 bis heute die steile Strecke hoch zum Landgrafenschloss, allerdings nicht mehr im regulären Liniendienst, sondern über die regelmäßigen „Fahrten der Erinnerung“ des Vereins Nahverkehrsgeschichte Marburg.

Nachtwächterbote thematisiert Bus-Historie

Heute begeistern sich für den vor allem Auto- und Geschichtsfans, bei seiner Ankunft in Marburg galt der Bus aber als große Errungenschaft – er ersetzte den seit 1953 eingesetzten Kleinbus für Fahrten hoch zum Schloss. Für Marburgs enge, steile Straßen brauchte es da eine Sonderanfertigung, mit schlankem Fahrgestell, hoher Wendigkeit und extra starkem 80 PS Dieselmotor.

Wichtige Geschichtsetappen und Anekdoten rund um den alten Bus werden nun in der neuen Ausgabe des Marburger Nachtwächterboten erzählt, das dem Oldie eine ganze Sonderausgabe widmet. Das Geschichtsheft erscheint seit nunmehr zehn Jahren in unregelmäßigen Abständen und beleuchtet verschiedene Facetten der Stadtteile und der Stadtgeschichte.

Und der Bus gehöre da auf jeden Fall dazu: „Der Schlossbus ist einzigartig in Deutschland und wurde extra für Marburg gebaut. Er hat eine Sonderausgabe verdient, und wir freuen uns schon jetzt auf die neue Saison der Stadtrundfahrten“, sagt Mit-Herausgeber Martin Klehm vom Verein Nahverkehrsgeschichte Marburg.

Der Verein organisiert die historischen Sonderfahrten zwischen März und Oktober, die Wartung des Schlossbus-Veteranen haben die Stadtwerke übernommen. Und für jede holprige Tour setzt sich Stadtwerke-Fahrer Marvin Schneider ehrenamtlich ans Lenkrad und bugsiert Bus und Passagiere durch die engen Straßen. Kein Vergleich zu modernen Stadtbussen, den Oldie in Schwung und um Kurven zu bekommen, benötigt viel Geschick: „Man braucht 100-mal mehr Kraft als bei anderen Bussen“, sagt Schneider lachend. Dennoch mache ihm jede Tour Spaß, selbst wenn er teils nur über Zwischengas mit der rechten Drehzahl voran kommt, wenn der Oldie „mal zickig ist“.

Weitere Infos im Web

Weitere Informationen online unter www.nachtwächterbote.de und www.schlossbus191.de

In dem neuen Heft thematisieren fünf Autoren allerhand Wissenswertes rund um den Bus: Von dessen langer Geschichte, über die Restaurierung in 2005 und Stationen im Laufe der Jahrzehnte bis zu Veränderungen der Linienführung und den moderneren Nachfolgern. Zudem kann in einem Erlebnisbericht eine der ersten Busfahrten im Jahr 1969 quer durch Marburg detailliert nachverfolgt werden.

Von Ina Tannert

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