Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Hinweise berücksichtigen, Gesamtinteresse im Auge behalten
Marburg Hinweise berücksichtigen, Gesamtinteresse im Auge behalten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:00 26.02.2022
Mitglieder des Ortsbeirates Michelbach begleiteten Ortsvorsteher Peter Aab (von links), der am Freitag voriger Woche an Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies die Stellungnahme des Ortsbeirates zum Entwurf des Regionalplanes übergab.
Mitglieder des Ortsbeirates Michelbach begleiteten Ortsvorsteher Peter Aab (von links), der am Freitag voriger Woche an Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies die Stellungnahme des Ortsbeirates zum Entwurf des Regionalplanes übergab. Quelle: Foto: Gianfranco Fain
Anzeige
Marburg

Die Mitglieder des Ortsbeirates Michelbach arbeiten konstruktiv am Entstehen des neuen Regionalplanes Mittelhessen mit und übergeben dem Oberbürgermeister die Stellungnahme des Gremiums, erklärte Ortsvorsteher Peter Aab gegenüber Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies vor dem Rathaus am Freitag vergangener Woche, dem Tag des Abgabeschlusses für die Ortsbeiräte. Aab verdeutlichte auch die Erwartungen des Gremiums: „Der Magistrat und der Oberbürgermeister sollen unsere Forderungen umsetzen.“

Und die sind wie bei einigen anderen Stadtteilen auch in Michelbach nicht mit den Vorstellungen der Stadtplaner oder anderer Gremien, die Vorschläge zum Regionalplan einreichten, kompatibel. Dessen Entwurf sieht zum Beispiel für Michelbach zwei Vorranggebiete für Siedlungen und ein Vorranggebiet für Gewerbe vor. Beiden Siedlungsflächen steht der Ortsbeirat ablehnend gegenüber.

Dies, weil sich der dörfliche Charakter des Stadtteils wegen des kontinuierlichen Wachstums der vergangenen Jahre veränderte, unter anderem durch die Zunahme an nächtlichen Licht- und Schallimmissionen des sich ausdehnenden Industriegebietes, dem Reduzieren von Agrar- und Waldflächen und dem Ansteigen des motorisierten Individual- und Lieferverkehres.

Die vorgesehenen Siedlungsflächen wären mit zusammen 39 Hektar fast so groß wie die derzeitige Fläche Michelbachs inklusive des Neubaugebietes. Das käme einem Anteil von 27 Prozent an den insgesamt vorgesehenen 147 Hektar neuer Siedlungsflächen des gesamten Stadtgebietes gleich.

Michelbach zu stark betroffen 

Damit wäre Michelbach erneut überproportional betroffen, findet der Ortsbeirat und fordert ein intensiveres Planen von Siedlungsflächen in den umliegenden Stadtteilen mit ebenso guter Verkehrsanbindung an den Industriestandort Görzhausen.

Als Alternative für die „überdimensionierten Vorrangflächen für Siedlung ohne schlüssiges Verkehrskonzept“ am Ortsrand schlägt der Ortsbeirat vor, innen liegende Flächen für Wohnbebauung zu nutzen und dazu auch das Bürgerhaus abzureißen und das Sportgelände „Am Lorch“ zugunsten einer Wohnbebauung zu nutzen. Ein Sportgelände und eine Sporthalle könnten dann am Ortsrand entstehen. Ferner möchte der Ortsbeirat das Vorranggebiet Gewerbe auf 17 Hektar begrenzt wissen, so wie es in der Bauleitplanung Görzhausen III bisher vorgesehen ist. Eine weitere Ausdehnung des Gewerbegebietes zum Ort hin lehnt der Ortsbeirat ab.

„Allerhöchste Anerkennung“ zollte der Oberbürgermeister dem Ortsbeirat dafür, sich in Arbeitsgruppen und bei Terminen mit den Bürgern intensiv mit dem Entwurf des Regionalplanes auseinandergesetzt zu haben. „Das ist nicht mehr selbstverständlich“, so Spies. Er verwies darauf, dass die Aufnahme der Flächen in den Regionalplan der Stadt Entwicklungsoptionen eröffne. Ob und wie diese genutzt werden, liege dann wieder im Ermessen der Stadt und finde ihren Niederschlag in der Bauleitplanung, die mit den Ortsbeiräten abgestimmt werde.

Spies versprach, dass die Stadtverwaltung in ihrer Stellungnahme alle Hinweise der Ortsbeiräte berücksichtigen werde. Er wies aber auch darauf hin, dass dabei das Gesamtinteresse der Stadt im Auge behalten und konkretisiert werde. Dahingehend erwartet der Oberbürgermeister keine großen Diskrepanzen und äußerte zudem zuversichtlich: „Wenn Marburg sich nach 120 Jahren anschickt, zum zweiten Mal die Welt zu retten, kann man sich nicht verweigern.“

Spies führte weiter aus, dass die Stadtverordneten zu neuen Siedlungsgebieten im Osten der Stadt tendieren, da die Verkehrssituation im Westen „schwierig ist“. Zur von Agnes Kaminski angekündigten weiteren Stellungnahme des Ortsbeirates zum Gewerbegebiet Görzhausen sagte Spies, dass es sich dabei um einen spezifischen Bereich handelt, der „für die Stadt enorm wichtig ist“.

Till Koerner wies darauf hin, dass das Aufstellen des neuen Regionalplanes in eine Phase falle, in der die Stadt den Klimanotstand beschlossen habe und dementsprechend zu handeln sei. „Wir können Regionalplanung nicht mehr wie früher betreiben. Wir leben unter anderen Voraussetzung und müssen uns alle einschränken.“ Dazu sagte Spies, man wolle aus den Möglichkeiten, die der Regionalplan biete, das Beste machen und die Klimaziele der Stadt umsetzen.

Die vom Fachdienst der Stadtverwaltung formulierte Stellungnahme zum Entwurf des Regionalplanes geht zur Beratung in die Ausschüsse der Stadtverordnetenversammlung und wird für diese zum Beschluss Ende März auf der Tagesordnung stehen.

Waldtal

Der Ortsbeirat Waldtal sieht mit Sorge die Pläne, das Besiedeln der Lahnberge durch Kliniken und Universitätsgebäude erheblich zu erweitern und auch, dass in Bauerbach Siedlungsgebiete erschlossen werden sollen, wo es keine Einkaufsmöglichkeiten und auch keine durchgängige Busverbindung gibt. Dies führe zu einer erhöhten Lärmbelästigung durch die den Stadtteil Waldtal umschließende Panoramastraße, was die Wohnqualität im Waldtal insbesondere Am Rain und am Ginseldorfer Weg mindern würde.

Wichtig ist dem Ortsbeirat, dass der den Stadtteil umgebende Wald als Naherholungsgebiet geschützt und erschlossen wird.

Schröck

Der Ortsbeirat Waldtal sieht mit Sorge die Pläne, das Besiedeln der Lahnberge durch Kliniken und Universitätsgebäude erheblich zu erweitern und auch, dass in Bauerbach Siedlungsgebiete erschlossen werden sollen, wo es keine Einkaufsmöglichkeiten und auch keine durchgängige Busverbindung gibt. Dies führe zu einer erhöhten Lärmbelästigung durch die den Stadtteil Waldtal umschließende Panoramastraße, was die Wohnqualität im Waldtal insbesondere Am Rain und am Ginseldorfer Weg mindern würde.
Wichtig ist dem Ortsbeirat, dass der den Stadtteil umgebende Wald als Naherholungsgebiet geschützt und erschlossen wird.

Moischt

Der Ortsbeirat Moischt spricht sich einstimmig gegen die Ausweisung des VRG 322 für Industrie und Gewerbe südwestlich von Moischt aus und beantragt, diese Flächen aus dem Entwurf des Regionalplans herauszunehmen. Zur Begründung gibt der Ortsbeirat unter anderem an (OP berichtete), dass es sich um ertragssichere Böden mit guter Wasserspeicherkapazität handelt und das Gewerbegebiet mit rund 33 Hektar fast genauso groß wäre  wie die gesamte Wohnbebauung von Moischt. Befürchtet wird die Minderung der Wohnqualität durch Emissionen wie Lichtverschmutzung, Lärm- und Geruchsbelästigung durch Industrie- und Gewerbebetriebe.

Von Gianfranco Fain