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Marburg Angeklagter fehlt, Haftbefehl folgt
Marburg Angeklagter fehlt, Haftbefehl folgt
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20:00 20.07.2022
Gegen einen Angeklagten, der nicht zur Verhandlung vor dem Amtsgericht Marburg erschien, erließ Richter Domink Best einen Sitzungshaftbefehl, damit dieser beim nächsten Prozesstag anwesend ist.
Gegen einen Angeklagten, der nicht zur Verhandlung vor dem Amtsgericht Marburg erschien, erließ Richter Domink Best einen Sitzungshaftbefehl, damit dieser beim nächsten Prozesstag anwesend ist. Quelle: Sven Hoppe/dpa
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Marburg

Statt mit einer rund 95-minütigen Verhandlungseröffnung endete diese am Mittwochmorgen (20. Juli) am Marburger Amtsgericht recht schnell mit dem Erlass eines Haftbefehls gegen den abwesenden Angeklagten. Diesem wirft Staatsanwalt Dr. Buß insgesamt 190 Taten vor, die er als Angestellter in einer Post-Partner-Filiale im Hinterland in den Jahren 2017 bis 2021 begangen haben soll.

Insgesamt 30 000 Euro soll der Angeklagte für sich behalten haben, indem er von Kunden gezahlte Beträge stornierte und in die eigene Tasche steckte. Darüber hinaus soll er in mehreren Fällen Abbuchungen von Kunden-Sparbüchern vorgenommen und das dementsprechende Geld aus dem Tresor entnommen haben. Dabei soll es sich um insgesamt 40 000 Euro handeln. Zudem soll der Angeklagte sich dafür verantworten, dass er einem Kriminalpolizisten einen gefälschten Einstellungsbescheid der Staatsanwaltschaft vorgelegt haben soll, um die Durchsuchung seiner Wohnung zu verhindern.

Das war aber noch nicht alles, was den Vorsitzenden Richter Dominik Best und die Schöffen dazu veranlassten, dem Antrag des Staatsanwalts zuzustimmen und einen Sitzungshaftbefehl zu erlassen. Der Vorsitzende Richter berichtete von einem Schreiben, in dem stand, dass der Angeklagte an Corona erkrankt sei und deshalb nicht vor Gericht erscheinen könne. Außerdem sei der Angeklagte mit der Pflege seiner Großeltern beschäftigt. Dem Schreiben war ein Foto beigefügt, auf dem ein positiver Schnelltest zu sehen war, der laut Best aber niemandem zuzuordnen war. Die Nachfrage bei der Person, deren Name unter dem Text steht, ergab, dass diese das Schreiben nicht verfasst hatte.

Fortsetzung am 27. Juli

Ähnlich verhält es sich mit einem vom Angeklagten im Mai der Polizei vorgelegten angeblichen Attest eines Arztes, das seine Verhandlungsunfähigkeit bescheinigen sollte. Die laut Richter Best an der Echtheit bestehenden erheblichen Zweifel bestätigten sich bei einer Kontaktaufnahme mit dem Mediziner. Dieser praktiziert seit einiger Zeit nur noch aushilfsweise, war am Tage der Ausstellung nicht tätig und kennt den vermeintlichen Patienten nicht.

Den Einwand des Pflichtverteidigers Thiel gegen den vom Staatsanwalt beantragten Haftbefehl ließ Richter Best nicht gelten. Es sei zwar bisher kein Verhandlungstermin ausgefallen, doch sei es fraglich, ob der Angeklagte nächste Woche vor Gericht erscheinen werde. Dieser habe versucht, sich der Verhandlung durch Totalfälschungen zu entziehen, und für den nächsten Termin sei der Versuch einer „aktiven Entziehung“ zu erwarten. Deshalb komme auch angesichts der Schadenshöhe und des zu erwartenden Strafmaßes von zwei bis vier Jahren Haft nur eine Vorführung nicht in Frage.

Die Verhandlung wird am Mittwoch (27. Juli) ab 9 Uhr in Raum 154 des Amtsgerichts Marburg fortgesetzt.

Von Gianfranco Fain

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