Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Pfarrer singen per Knopfdruck am Markt
Marburg Pfarrer singen per Knopfdruck am Markt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:55 23.12.2019
Auf Knopfdruck mühten sich die Pfarrer, weihnachtliche Stimmung zu verbreiten.  Quelle: Nadine Weigel
Marburg

Sonntag, vierter Advent, kurz vor 16 Uhr: Neun Männer und Frauen in schwarzen Talaren haben sich vor dem Marktbrunnen aufgestellt. Sie haben sich große Plakate umgehängt, die in dicken schwarzen Lettern beschrieben sind. Vier dieser Plakate sind zudem mit Alarmknöpfen in Signal­farben ausgestattet.

Ist das etwa eine Demonstration inmitten des Trubels am Marburger Weihnachtsmarkt? Plötzlich drückt ein Passant auf den roten Knopf links außen und alle neun Protagonisten fangen aus voller Kehle an zu singen: „Tooochter Ziiion, freueueue Dich“. Das fröhlich christliche Adventslied „Tochter Zion“ ertönt auf dem Platz vor dem Marburger Rathaus.

Spendenbox zugunsten
der Obdachlosenhilfe

Des Rätsels Lösung: Hier hat sich die „holy jukebox“ formiert, also eine heilige oder vielleicht auch himmlische und ganz schön lebendige Musicbox. Die Idee dazu hatten die beiden evangelischen Pfarrerinnen Anna Scholz und Katharina Scholl. Sie haben sieben Kollegen davon überzeugt und sie dazu inspiriert, jetzt anderthalb Stunden auf dem verregneten Marktplatz tapfer gegen den Nieselregen anzusingen.

Spontan haben sich die ersten Zuhörer eingefunden und lauschen gespannt dem, was sie zu hören bekommen. Erst allmählich entdecken sie das Prinzip der „menschlichen Jukebox“ – auch nachdem ihnen Anna Scholz die Idee erklärt hat. Es funktioniert, wenn man auf einen Knopf drückt. Im Sinne der Sänger ist es aber auch, wenn die Zuhörer gleichzeitig noch in eine Spendenbox Geld werfen, das zugunsten der Tagesanlaufstätte der Obdachlosenhilfe gedacht ist.

Insgesamt haben die Pfarrer vier Lieder im Repertoire. Und so erklingt dann das getragene, feierlich wirkende Lied „Wir sagen Euch an den lieben Advent“ und bald darauf auch die Advents-und Weihnachtslieder „Wie soll ich Dich empfangen“ und „Macht hoch die Tür“. Es entsteht allmählich eine echte Adventsstimmung – und das jenseits der Kirchenpforten.

Spannend wird es immer dann, wenn mehrere Knöpfe zugleich oder kurz hintereinander gedrückt werden. Denn dann formiert sich ein vielstimmiger Kanon aus zwei bis vier Liedern. Das ist der besondere Clou dieser „menschlichen Jukebox“. Das hört sich dann manchmal ein bisschen experimentell, aber auf jeden Fall nicht unspannend an.

Hochachtung für die
 Anstrengung der Sänger

Der Menschenmenge, die sich im Halbkreis formiert hat, gefällt es sichtlich. Manche klatschen nach einem Lied Beifall, andere singen sogar mit.
„Ja, das war echt toll“, ruft spontan Micha Schröder, der das Geschehen am Rand zusammen mit großer Freude verfolgt. „Es ist doch toll, dass die da stehen und singen“, sagt er anschließend im Gespräch mit der OP. Er zollt den Pfarrerinnen und Pfarrern Hochachtung für ihre großen Anstrengungen, weihnachtliche Stimmung zu verbreiten.

Sehr angetan sind auch zwei Frauen, die auf dem Weg zu einem Chorkonzert in der Universitätskirche einen kurzen Stopp eingelegt haben. Ebenso aufmerksam verfolgen einige Chorsänger aus Marburger Kirchen das Geschehen und sparen nicht mit Lob für die spezielle Aufführung.
Besonders begeistert sind vor allem die kleinen Kinder, die mit Begeisterung die bunten Knöpfe drücken und dann ganz fasziniert sind, wenn die weihnachtlichen Weisen ertönen. Der heilige Abend kann jetzt kommen. 

von Manfred Hitzeroth