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Marburg Wenn der Arztbrief zu kompliziert ist
Marburg Wenn der Arztbrief zu kompliziert ist
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15:00 10.10.2020
Yasemin Sasmaz ist die Projektkoordinatorin des Gesundheitsinformationsangebotes am Richtsberg. Quelle: Katja Peters
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Marburg

Das Gesundheits-Informationsangebot am Richtsberg ist ein Gemeinschaftsangebot vom Marburger Islamischer Kulturverein „Hadara“ und den Fachdiensten „Gesunde Stadt“ sowie „Migration und Flüchtlingshilfe“. Durch Gemeinwesen-Angebote am Richtsberg hat sich herausgestellt, dass immer wieder Fragen zur Gesundheitsvorsorge auftauchten. „Es ist eine Nachfrage da, und das nicht nur im Verein“, bestätigt die Projektkoordinatorin Yasemin Şaşmaz.

Zwei Jahre haben die Gespräche von Hadara mit der Stadt gedauert, bis das Projekt auf festem Boden stand. Vorsorge und Förderung heißen die Stichwörter und dies qualifiziert sowie individuell und vor allem kostenfrei. Auf vier Säulen basiert das Angebot.

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Beratungsstunden

Zwei Mal in der Woche – mittwochs von 18 bis 20 Uhr und samstags von 13 bis 15 Uhr – stehen Ärzte für Gespräche bereit. „Beispielsweise erklären sie komplizierte Arztbriefe oder geben weitere Informationen über Krankheiten“, erklärt Yasemin Şaşmaz und betont: „Wir sind dabei keine Konkurrenz zu den Haus- oder Fachärzten und es werden auch keine Diagnosen gestellt.“ Vielmehr gehe es um Zeit, die in vielen Praxen einfach zu kurz kommt.

Kochen und Spazieren gehen

„Wer seine Gewohnheiten umstellen möchte, der braucht oft jemanden, der ihn dabei unterstützt. Denn oft sind es Kleinigkeiten, an denen die Umstellung scheitert“, weiß die Koordinatorin. Hier kommen die Ehrenamtlichen des Projekts ins Spiel. Sie begleiten, wenn gewünscht, beim Spaziergang oder beim Arztbesuch. „Angedacht ist auch, gemeinsam hier bei uns in den Vereinsräumen zu kochen. Derzeit können wir das aber wegen des geforderten Abstands nicht umsetzen“, erklärt Yasemin Şaşmaz. Dabei kann eine veränderte Ernährung viel bewirken.

Vorträge

Ein weiterer wichtiger Bestandteil sind die Vorträge. Ein bis zwei Mal im Monat werden diese sowohl in den Vereinsräumen als auch per Videokonferenz gehalten. Die Themenvielfalt ist groß: Vitamin-B12-Mangel, Herzinfarkt oder Krebsvorsorge. „In diesem Monat ist Brustkrebsmonat und wir werden dazu einen Abend speziell für Frauen anbieten, wo es unter anderem um die Selbstuntersuchung der Brust geht“, erklärt Yasemin Şaşmaz. Alle Vorträge werden zweisprachig angeboten – deutsch und arabisch –, auf Wunsch werden auch weitere Dolmetscher eingeladen. „Wir wollen die Themen aufgreifen, die die Menschen beschäftigen.“

Gesundheitslotsen

Anja-Kerstin Lercher, Taha Baroudi, Hamse Baroudi, Uta Glatzle, Feride Hüseynova, Tom Yousef, Bajan Masri, Hala Jaroura, Dunja Al-Sarraj und Madinakhon Sames – das sind die ersten Gesundheitslotsen des Projektes. „Der Zugang zum Gesundheitsbereich ist für einige Mitmenschen unübersichtlich und abschreckend. Wir Gesundheitslotsen unterstützen, begleiten und geben Hilfestellungen. Dieses niedrigschwellige Angebot ist eine große Bereicherung für alle Marburger Bewohner. Deshalb bin ich froh, mich für die Teilnahme entschieden zu haben. Nun liegt es an den Ratsuchenden, die hoffentlich zahlreich Kontakt aufnehmen, dem Projekt Leben einzuhauchen“, sagt Gesundheitslotsin Anja-Kerstin Lercher. Sie und ihre „Kollegen“ sollen Hilfe zur Selbsthilfe geben. Dafür sind sie im September zertifiziert worden, haben sich in Sachen Ernährung, Schwangerschaft, Wechseljahre schulen lassen und sich psychosoziale Grundkenntnisse angeeignet. Die Frauen und Männer sind zwischen 18 und 45 Jahre alt. „Sie sprechen alle zwei Sprachen und helfen dabei, den ersten Schritt zu gehen“, beschreibt Yasemin Şaşmaz die Aufgabe der Gesundheitslotsen.

von Katja Peters

10.10.2020
10.10.2020
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