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Marburg Hilfsaktion von „Wir Hessen helfen“ startet
Marburg Hilfsaktion von „Wir Hessen helfen“ startet
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08:40 17.09.2021
Im Ahrtal gibt es noch einiges zu tun – wie zum Beispiel auf diesem Foto zu sehen in Altenahr: Hinter einem Tunnel der Rotweinstraße haben die Aufräumarbeiten begonnen. Die Straße wurde von der Flut vollständig mitgerissen.
Im Ahrtal gibt es noch einiges zu tun – wie zum Beispiel auf diesem Foto zu sehen in Altenahr: Hinter einem Tunnel der Rotweinstraße haben die Aufräumarbeiten begonnen. Die Straße wurde von der Flut vollständig mitgerissen. Quelle: Foto: Thomas Frey/dpa
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Marburg

Am Samstag um 7 Uhr startet „Hessens größte Helfertruppe“ ins rheinland-pfälzische Ahrtal, um den Betroffenen der Flutwasserkatastrophe Beistand zu leisten und den Wiederaufbau voranzutreiben. Dabei werden die Helfenden von Rundfunk und Fernsehen begleitet. Ziel des Teams ist es, mit 300 bis 600 Helfern in den Norden von Rheinland-Pfalz aufzubrechen und es sind viele Menschen dem Aufruf gefolgt. „Jeden Tag kommen schätzungsweise 40 bis 50 Anmeldungen dazu und im Moment steht die Zahl der Helfer bei knapp 300“, sagt Sandra Christiansen aus dem Organisationsteam. Ihr Kollege, der Mardorfer Lkw-Fahrer Ralf Kalabis-Schick, glaubt daran, dass am Samstag „schätzungsweise 450“ starke Männer und Frauen die Fahrt ins Ahrtal antreten werden.

Beiden ist jedoch wichtig zu betonen, dass auch kurzfristig entschlossene an der Hilfsaktion teilnehmen können, da jede helfende Hand gebraucht werde: „Jeder von uns weiß, wie lange es dauert, ein Haus zu bauen. Das ist nicht in neun Wochen erledigt. Die Menschen müssen viele Teile ihrer Häuser abreisen, zurückbauen und anschließend neu aufbauen. Nach neun Wochen steht da vielleicht das Fundament“, erklärt Kalabis-Schick.

Spendenbereitschaft nicht wie erhofft

Neben den Aufräum- und Aufbauarbeiten rund um die zerstörten Häuser wird das Team am Samstag auch dafür sorgen, dass wichtige Versorgungsstellen im Flutgebiet besetzt werden. Für die Betroffenen seien diese Stellen nicht nur im Hinblick auf die Nahrungsmittelverteilung wichtige Anlaufpunkte, sondern auch Orte der Begegnung und des Austauschs.

Die Helferinnen und Helfer werden dabei von den Betroffenen im Ahrtal nicht nur dringend benötigt, sondern auch wärmstens empfangen. Christiansen erzählt, dass ihr eine Frau aus dem Ahrtal gesagt habe, dass die Unterstützerinnen und Unterstützer „direkt ins Herz der Flutopfer einziehen“. Das Team um Kalabis-Schick und Christiansen ist überzeugt davon, eine emotionale Truppe mit enormem Zusammenhalt mobilisiert zu haben, die zwar schon viel erreicht habe, aber nun bereit sei, weitere große Aufgaben anzugehen.

Im Gegensatz zu der großen Anzahl an Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die am Samstag direkt vor Ort helfen möchten, ist die Spendenbereitschaft der Menschen in Hessen nicht so hoch wie erhofft ausgefallen. „Wir sind jeder Spenderin und jedem Spender dankbar, aber wir haben klar erkannt, dass die Spendenbereitschaft zurückgeht“, sagt Christiansen. Die extra dafür eingerichteten Sammelstellen im Landkreis erhielten nicht den gewünschten Zulauf. Beim nächsten Mal müsse mehr Zeit eingeplant werden, um ausreichend Spenden zu sammeln. Eine weitere Ursache liege laut Ralf Kalabis-Schick in der abnehmenden Berichterstattung über die Flutgebiete. Dadurch fehle vielen Menschen das Bewusstsein, dass in den überwiegenden Teilen des Gebietes noch Hilfe gebraucht werde. Er und sein Team möchten am Samstag viele Bilder und Videos machen und diese über Social-Media-Plattformen verbreiten, um die Situation der Flutopfer „nach außen zu kommunizieren“.

Fluthilfe ist wichtiger als der eigene Geburtstag

Mit leeren Händen beziehungsweise Containern reist der Trupp am Samstag jedoch nicht ins Ahrtal. Neben den Spenden aus den Sammelstellen hat das Organisationsteam mit Hilfe von Spendengeldern diverse Dinge beschafft, die im Flutgebiet für den Wiederaufbau und das alltägliche Leben benötigt werden.

Wie wichtig die Hilfsaktion für das gesamte Team ist, verdeutlicht das Beispiel von Sarah Hedoch, die große Teile der Organisation übernommen hat. Anstatt ihren 43. Geburtstag am Samstag mit ihren Freunden und ihrer Familie zu verbringen, entschied sie sich dazu, die Koordination der Hilfsaktion zu übernehmen. „Feiern kann man nur dann, wenn die Welt in Ordnung ist, aber nicht, wenn es so viele Menschen gibt, die Hilfe brauchen“, sagt Hedoch.

  • Wer noch helfen möchte, wird gebeten, eine E-Mail an info@hessenhelfen.de zu senden.

Von Luca Hartmann

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