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Marburg Hilferuf zur Rettung der Jugendherberge
Marburg Hilferuf zur Rettung der Jugendherberge
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20:05 19.07.2020
Leerstand –und Bau-Ruine? Die Jugendherberge Marburg. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Der Fortbestand der Jugendherberge in Weidenhausen ist weiter bedroht, nun wollen Oberbürgermeister und Landrätin für einen Hoffnungsschimmer sorgen: Sie wenden sich mit einem Schreiben an den Hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) und bitten darin um Hilfe zur Rettung des geplanten Herbergs-Neubau am Trojedamm.

Denn wie die OP berichtete, kalkulierte der Hessische Jugendherbergsverband, der mit dem Abriss des Bestandsgebäudes schon zum Jahreswechsel und damit vor der Corona-Pandemie begann, mit sieben bis acht Millionen Euro Kosten für das Projekt. Mehr als sechs Millionen Euro wären dabei aus Eigenmitteln und Bankdarlehen gekommen – laut Timo Neumann, Verbands-Geschäftsführer, angesichts des Corona-Lockdowns, der finanziellen Folgen für den Gesamtbetrieb ein „nicht leistbarer Luxus“. Eine Umsetzung der Pläne in Weidenhausen sei „auf lange Zeit nicht möglich“, sagte er im Mai. An der Lahn drohe eine Bau-Ruine.

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Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) und Landrätin Kirsten Fründt (SPD) wollen mit der erbetenen Hessen-Hilfe nun dafür sorgen, die „Jugendherberge in ihrer spezifischen Funktion für den gesamten Landkreis zu erhalten und damit zu verhindern, dass das alte Gebäude als Bauruine endet beziehungsweise ein entsprechender Neubau nicht gelingt“. Der Magistrat plane daher, die für dieses Jahr vorgesehene Förderung in Höhe von 300.000 Euro ins nächste Jahr zu verschieben und aufzustocken. Das Land Hessen solle die Lage nach Möglichkeit ebenso bewerten und seinerseits „einen entsprechenden Beitrag leisten“.

Landtagsabgeordnete schalten sich in Rettungspläne ein

Hintergrund: Der vollzogene Teilabriss mache eine Wieder-Inbetriebnahme in alter Form „objektiv unmöglich“. Die Jugendherberge habe aber über ihre touristische Funktion hinaus eine hohe Bedeutung für eines der zentralen musealen Projekte Mittelhessens: das archäologische Freilichtmuseum Zeiteninsel in Weimar-Argenstein. Ein Projekt, in das auch die Stadt Marburg viele tausend Euro investiert. Für die Unterhaltung und die Angebote sowie Veranstaltungen zahlt die Stadt seit 2012 eine Regelförderung von mindestens 8000 Euro pro Jahr, in 2020 sind es 22.000 Euro, wie es auf OP-Anfrage heißt. Zu der Beteiligung an den Baukosten von bisher 150.000 Euro, kommen nun weitere 140.000 Euro.

Fördergrund: Es handele sich um einen Ort, der nachgefragte Kurse für Kita-Gruppen, Vereine, Erwachsene sowie beliebte Aktionstage zu verschiedenen Schwerpunkten anbiete. Das Konzept der „Zeiteninsel" setze laut Stadt und Landkreis unter anderem darauf, „einen attraktiven, außerschulischen Lernort zu schaffen, der jedoch besonders auf die Jugendherberge und die dort übernachtenden Schulklassen als Frequenzbringer angewiesen ist“, heißt es in dem Schreiben an Bouffier.

Laut des Landtagsabgeordneten Dirk Bamberger (CDU) gebe es bereits „positive Signale“ aus Wiesbaden, wonach zumindest einer Verlängerung des Bewilligungszeitraumes der zugesagten Teilfinanzierung entsprochen werden könne. Er selbst werde „alles dafür tun, dass die Jugendherberge erhalten bleibt“. Der Linken-Landtagsabgeordnete Jan Schalauske fordert die Landesregierung hingegen zu einem „weiteren Beitrag“ auf. Es gelte die Einrichtung „im speziellen zu fördern, damit verhindert werden kann, dass die beliebte Herberge pandemiebedingt zu einer dauerhaften Bauruine wird“.

Nach langem Streit zwischen Bauherr, Architekten und Gestaltungsbeirat wurde der Neubau-Antrag vergangenes Jahr genehmigt. Hintergrund des Widerstands war vor allem die Fassadengestaltung des Bauwerks, das von Kritikern als „Klotz“ und „Trutzburg“ bezeichnet wurde.

von Björn Wisker