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Marburg „Hier werden Perspektiven geschaffen“
Marburg „Hier werden Perspektiven geschaffen“
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12:58 26.09.2021
Der aktuelle BOP-Kurs mit Vertretern der Träger (v. links oben ): Marion Guder (Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt), Barbara Trümper (Kursleitung), Elena Melnikov, Shirin Abu Nabbout, Arta Kabashi, Uwe Kreiter (Fachdienstleiter Kreisjobcenter) , Rita Neidhardt (Geschäftsführerin von "Jobkonzept") Gerhard Wenz (Bereichsleiter; Bundesagentur für Arbeit); von unten links: Mohtaram Moradi Lelehka, Rosa Woldechiorgiz, Soba Guesh, Verena Vögl (Kursleitung)
Der aktuelle BOP-Kurs mit Vertretern der Träger (v. links oben ): Marion Guder (Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt), Barbara Trümper (Kursleitung), Elena Melnikov, Shirin Abu Nabbout, Arta Kabashi, Uwe Kreiter (Fachdienstleiter Kreisjobcenter) , Rita Neidhardt (Geschäftsführerin von "Jobkonzept") Gerhard Wenz (Bereichsleiter; Bundesagentur für Arbeit); von unten links: Mohtaram Moradi Lelehka, Rosa Woldechiorgiz, Soba Guesh, Verena Vögl (Kursleitung) Quelle: Larissa Pitzen
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Marburg

In einem großen Raum ist ein Stuhlkreis zusammengestellt worden, mehrere Frauen sitzen mit Vertretern der Träger und ihren Betreuern zusammen und lassen die vergangenen Wochen Revue passieren. Die letzte Woche ihres BOP-Kurses (Beratung, Orientierung, Perspektiven) ist angebrochen. Der Kurs hat ihnen geholfen, den ersten Kontakt mit der Berufswelt in Deutschland zu knüpfen.

Das Fehlen einer Anschlussstelle

2015 entstand die Idee zum BOP-Projekt. Nach der Flüchtlingswelle hat das Bildungsinstitut „Jobkonzept“ vermehrt Sprachkurse angeboten. Die Geschäftsleiterin, Rita Neidhardt, erkannte ein Problem und suchte nach einer Lösung: „Der Weg zu einer Arbeit nach dem Sprachkurs gestaltete sich nicht immer so einfach, dann kam die Idee für einen anschließenden Kurs, in dem die beruflichen Fähigkeiten der Frauen entdeckt werden und mithilfe von Bewerbungstrainings der Einstieg in einen Beruf erleichtert werden kann. Hier werden Perspektiven geschaffen.“

Die Teilnehmerinnen werden beim Verfassen von Bewerbungsunterlagen unterstützt, bekommen gezieltes Sprachtraining für das Arbeitsleben und werden auf Bewerbungsgespräche vorbereitet. Außerdem unterstützt das BOP-Projekt die Teilnehmerinnen dabei, eine Praktikumsstelle zu finden, was in einigen Fällen zu einer Übernahme führt. Um jedoch eine anschließende Ausbildungsstelle annehmen zu können, braucht man ein Sprachniveau B2 in Deutsch. Dieses muss dann durch eine Sprachprüfung belegt werden.

Wer sich zu einem Kurs anmelden möchte, sollte also schon einen Sprachkurs belegt haben, hier ist das Sprachniveau B2 noch nicht erforderlich, die meisten Kursteilnehmerinnen starten jedoch mit geringeren Sprachkenntnissen. In einem Erstgespräch werden dann die sprachlichen Fähigkeiten geprüft, bevor die Zulassung zum Kurs erfolgt.

Bei dem BOP-Kurs handelt es sich ausschließlich um ein Projekt für Frauen. Kursleiterin Barbara Trümper fiel auf, dass die Frauen immer vor ähnliche Probleme gestellt werden und diese Erfahrungen im Kurs teilen können. „Sei es nicht zu wissen, wie man von A nach B kommt, dass man Angst vor Behörden entwickelt, weil man verunsichert ist von dem dreiseitigen Brief von der Ausländerbehörde.“ In der Runde nicken alle Köpfe. „Wir betreiben Hilfe zur Selbsthilfe. Das bedeutet, wir geben den Teilnehmerinnen Hilfestellung auch außerhalb des Sprach- oder BOP-Kurses“, erklärt Trümper. Dabei gebe es zwischen Kurs und Arbeit noch große Lücken, die die Frauen irgendwann selbstständig schließen können. „Wir geben den geflüchteten Frauen oder Frauen mit Migrationshintergrund die Chance zu lernen, wie man sich Hilfe sucht, wen man als Ansprechpartner hat und wie man auch mal einen Arzt-Termin vereinbart, ohne dass das eigene Kind übersetzen muss“, erklärt Trümper.

Mehr Selbstbewusstsein durch Erfolg

„Unsere Betreuer sind so lieb und hilfsbereit, die helfen uns immer“, unterbricht sie Kursteilnehmerin Arta. Durch eine Bekannte wurde sie auf den BOP-Kurs aufmerksam. Die 34-Jährige kommt aus Albanien und ist seit zwei Jahren in Deutschland. Ihren Weg nach Deutschland fand sie wegen der Liebe. In Albanien schloss sie zwei Studiengänge ab, einen zur Deutsch-Lehrerin und einen zur Juristin. Das deutsche Bildungssystem erkennt ihre akademischen Abschlüsse allerdings nicht an. Trotzdem konnte sie während des Kurses ein mehrwöchiges Praktikum als Sprachcoach absolvieren. „Das hat mir noch mehr Selbstbewusstsein gegeben, diesen Beruf weitermachen zu wollen, anfangs sind immer alle etwas schüchtern, aber nach einer gewissen Zeit baut man sein Selbstwertgefühl aus“, sagt Arta begeistert.

Der Kurs wird sowohl von der Bundesagentur für Arbeit als auch vom Kreisjobcenter unterstützt. Somit werden beispielsweise Kurs-Kosten und Fahrt-Kosten für die Teilnehmerinnen übernommen. Gerhard Wenz, Bereichsleiter bei der Bundesagentur für Arbeit, unterstreicht, dass Kosten für Kurse wie diesen gerne übernommen werden würden, um den Frauen die Integration ins Arbeitsleben zu erleichtern.

„Und der Markt ist da“, wie Uwe Kreiter, Fachdienstleiter des Kreisjobcenters Marburg, deutlich macht. Hauptsächlich gebe es einen Bedarf an Arbeitskräften mit Ausbildungsabschluss.

Von Larissa Pitzen