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Marburg Hier geht die Post ab
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15:58 19.05.2021
Die Schüler waren virtuell mit von der Partie bei einem Rundgang mit OP-Redakteurin Ina Tannert und Abteilungsleiter Peter Marcy durch das Briefzentrum der Deutschen Post in Langgöns.
Die Schüler waren virtuell mit von der Partie bei einem Rundgang mit OP-Redakteurin Ina Tannert und Abteilungsleiter Peter Marcy durch das Briefzentrum der Deutschen Post in Langgöns. Quelle: Fotos: Thorsten Richter
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Langgöns

In der riesigen Halle summt und brummt es wie in einem übergroßen Bienenstock. Sie wirkt ein wenig wie ein hungriges Wesen mit einem mächtigen Appetit auf nahezu alles, was sich in kleine und große Umschläge verpacken lässt. Mensch und Maschine arbeiten Hand in Hand, Abertausende Briefe werden täglich an einem Ende eingesaugt, um am anderen akkurat sortiert wieder ordentlich ausgespuckt zu werden. Die OP ist zu Gast im Verteilzentrum in Langgöns südlich von Gießen, eines von bundesweit 82 Briefzentren der Post. Und welchen Weg täglich Hunderttausende Briefe nehmen, bevor sie im eigenen Briefkasten landen oder im umgekehrten Fall in die Welt verschickt werden, das will auch die dritte Klasse der Schule am Hatzbachtal in Stadtallendorf genau wissen.

Die Schülerinnen und Schüler sind virtuell mit von der Partie: Für das laufende Schulprojekt der Oberhessischen Presse „Schüler lesen die OP“ hat die Deutsche Post DHL Group als Kooperationspartner ihre Tore geöffnet. Während die Autorin vor Ort also die Fußarbeit übernimmt, sind die Abc-Schützen per Videokonferenz über das Handy live dabei. Die Drittklässler haben sich im Unterricht mit dem Thema Briefverkehr befasst und bekommen nun einiges zu sehen – allen voran unzählige Briefe, die durch die Maschinen und durchs Bild flitzen. Und das wirkt „so schnell wie ein Ferrari“, kommentiert ein Schüler staunend über den Live­stream.

Denn auf den Förderbändern geht es zügig zur Sache, Stück für Stück wird die wertvolle Fracht an der ersten Station verschluckt und saust eine meterlange Bahn entlang. Dort werden die Umschläge, die aus den Briefkästen beziehungsweise Zustellstützpunkten ins Verteilzentrum kommen, sortiert. „In der Stunde schafft die Maschine etwa 30 000 bis 40 000 Briefe“, erklärt Abteilungsleiter Peter Marcy, der die Führung übernimmt und jede Menge Fragen der Schüler beantwortet. Die sogenannte Lese- und Codiermaschine erkennt, an wen die Briefe adressiert sind, und druckt diese wichtige Information verschlüsselt auf jedes Kuvert. Erkennbar übrigens an den kleinen roten Strichen am Rand des Briefumschlags.

Sensoren erkennen das Ziel und sorgen dafür, dass die Briefe auch das richtige Fach ansteuern: Und davon gibt es viele – ein Ablagefach reiht sich ans nächste, jeder Zustellbezirk hat ein eigenes, also etwa die entsprechende Kommune. Dort finden sich auch die Briefe, die ihre Eltern oder sie selber bald bekommen werden, erfahren die Schüler.

Bis zu einer Million Briefe am Tag laufen über die Bänder

Denn über einem Fach prangt der Bezirk Stadtallendorf auf der digitalen Anzeige. In die dazugehörige Ablage fallen die Briefe vom Förderband und dann noch eine Etage weiter nach unten in einen der unzähligen gelben Postkästen. Dabei wird zugleich nach einer ganz bestimmte Reihenfolge sortiert, nämlich angefangen vom ersten Haus, das der Postbote später auf seiner Tour ansteuert: „Wir sortieren die Sendungen so, wie der Briefzusteller seinen Bezirk abläuft“, erklärt Peter Marcy weiter.

Neben der Maschine für die Briefe im kleinen Format gibt es auf der anderen Seite der Halle das Gegenstück für Groß- und Maxibriefe. Auch dort sammeln Mitarbeiter stapelweise Umschläge ein und schicken sie auf großen Rollwägen auf die Reise. Auf so einem Wagen finden sich pro Ladung etwa 10 000 kleine Briefe auf einmal. Besonders große oder unformatige Stücke werden aussortiert und per Hand weiterverarbeitet.

Das Briefzentrum in Langgöns gibt es seit 1997, in der Niederlassung werden alle Sendungen der Postleitzahl-Regionen 35 bearbeitet. Rund 480 000 Haushalte liegen im Einzugsgebiet. Und wie viele Briefe landen so an einem Tag im Verteilzentrum, fragt Finja aus der Ferne. Im Schnitt etwa 800 000, zu Spitzenzeiten, etwa um Weihnachten, auch mal eine Million, lautet die Antwort. „Das sind richtig viele“, staunt Ben. Trotz E-Mail und anderer elektronischer Kommunikationsmittel ist die Zeit der Briefe eben noch längst nicht passé. Die frisch sortierte Fracht wandert nun zügig in Richtung Hallenende, wo alle fertigen Sendungen über 28 große Tore abgeholt werden können. Die ersten gelben Postautos docken gerade an den Schleusen an und warten auf Ladung. Bevor die aber hinaus darf, muss jeder vollgeladene Wagen noch einen letzten Scan bestehen.

Die Technik prüft, ob alle gestapelten Postkästen auf dem Regionswagen die korrekte Kennung für den Weitertransport haben. Der Abteilungsleiter macht die Probe aufs Exempel und tauscht eine der Boxen aus. Der Scanner erkennt prompt den „eingeschmuggelten“ Kasten und schlägt zur Freude der lachenden Schüler ordnungsgemäß laut piepsend Alarm. Nachdem der Fehler behoben wurde, darf die Post auf die Rampe und wird zu einem von Hunderten Zustellern gebracht. Sie sorgen am Ende dafür, dass jedes Stück auch beim richtigen Empfänger landet.

Über unser Traditionsprojekt „Schüler lesen die OP“ beschäftigen sich seit Monaten hunderte Schüler mit dem Zeitungswesen und werden selber aktiv: Die ersten ausgesuchten Artikel unserer Schüler-Reporter erscheinen in dieser Ausgabe auf der nächsten Seite. Alle Artikel sind außerdem online unter www.op-marburg. de/schueler zu finden.

Von Ina Tannert