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Marburg Gedenken an Verfolgung von Hexen
Marburg Gedenken an Verfolgung von Hexen
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08:00 06.08.2019
Hexen: Heute eine beliebte Kostümierung - im 17. Jahrhundert ein Vergehen das zahlreiche Opfer gefordert hat. 2020 soll ein Gedenksymbol in Marburg aufgestellt werden. Quelle: Matthias Bein
Marburg

Es geht um den Umgang mit Anderssein und Ausgrenzung, um brutale Verfolgung und die Machtfrage zwischen Frauen und Männern – das Marburger Themenjahr 2020 stellt einen aktuellen Bezug zur Gegenwart her, wie die städtische Pressestelle mitteilt. Dabei setzt sich die Stadt Marburg im kommenden Jahr mit einem traurigen und vielschichtigen Kapitel der Vergangenheit auseinander: dem Hexenglauben und der Hexenverfolgung.

„Es handelt sich um ein ganz finsteres Kapitel unserer Geschichte, das lange zurückliegt, aber trotzdem noch nicht aufgearbeitet ist“, sagt Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies. Auch in Marburg und Umgebung wurden – vor allem im 17. Jahrhundert – Frauen, Männer und sogar Kinder wegen eines Vergehens gefoltert und ermordet, das es so gar nicht gab: Hexerei.

Gedenksymbol zur Rehabilitation der Opfer

Die ehemalige Stadtverordnete Elke Therre-Staal hatte den Anstoß zur Auseinandersetzung mit diesem Thema gegeben. Im vergangenen Jahr hatte dann der Magistrat auf Antrag von SPD, B 90/Die Grünen, Marburger Linke und BfM beschlossen, durch ein Gedenksymbol zur Rehabilitation der Opfer der Hexenverfolgung im Raum Marburg beizutragen.

2020 soll das Gedenksymbol gestaltet und in der Stadt aufgestellt werden. „Mit der Aufarbeitung von Hexenglauben und Hexenverfolgung in Marburg wollen wir ein Zeichen setzen gegen Vorurteile, Diskriminierung und Ausgrenzung. Gewalt gegen Menschen, ganz gleich, ob sie anders denken, glauben, handeln oder aussehen, darf es in unserer Stadt nicht geben“, sagt Spies.

Das Gedenken an die Opfer der Hexenverfolgung soll das gesamte Jahr hindurch begleitet werden von Ausstellungen, Vorträgen, Lesungen, Führungen, einer wissenschaftlichen Tagung, Kunst, Konzerten und Filmen, die gemeinsam mit den Kirchen, der Universität und der Stadtgesellschaft erdacht und gestaltet werden. Das endgültige Jahresprogramm soll erst im November stehen. Noch bis 15. August können sich Marburger mit einem eigenen Kulturprojekt beim Fachdienst Kultur (E-Mail: kultur1@marburg-stadt.de oder per Post, Kulturamt, Markt 7, 35037 Marburg) bewerben.

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