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Marburg Schauspieler bekommen mehr Gage
Marburg Schauspieler bekommen mehr Gage
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11:57 03.01.2020
Am Marburger Theater profitieren drei Schauspieler von der Anhebung der Gagen-Untergrenze. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Kulturministerin Angela Dorn (Grüne) hat angekündigt, dass die künstlerisch Beschäftigten am Hessischen Landestheater Marburg, an den drei hessischen Staatstheatern und am Stadttheater Gießen in Zukunft mindestens 2300 Euro brutto erhalten sollen. Dazu wird das Land eine Gagen-Untergrenze einführen, die 300 Euro über der derzeitigen Mindestgage von 2000 Euro brutto liegt. Mit dieser Erhöhung möchte Dorn zudem erreichen, dass die hessischen Theater konkurrenzfähig bleiben.

In Hessen profitieren etwa 80 Beschäftigte an den Theatern von der neuen Gagen-Untergrenze, da sie derzeit weniger als 2300 brutto verdienen. „In Marburg sind es drei junge Schauspiel-Anfänger, die von der neuen Mindestgage profitieren“, sagt Eva Lange, eine der beiden Intendantinnen des Marburger Theaters. Darüber hinaus sei die Entscheidung ein sehr wichtiger Impuls, der politisch ein großes Zeichen setze.

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Die bislang gültige 2000-Euro-Mindestgage regelt der bundesweite Tarifvertrag NV Bühne für öffentliche Theater. Dieser Entgeltvertrag gilt nach Auskunft des Kulturministeriums für „überwiegend künstlerisch Beschäftigte“ und sieht nur die genannte Mindestgage vor. Eine Unterteilung nach verschiedenen Entgeltgruppen wie in anderen Tarifverträgen gibt es nicht.

Intendantin: Großes politisches Zeichen

Die Ankündigung der Ministerin wurde in der hessischen und auch in der deutschen Theaterszene mit großer Freude aufgenommen. „Die Erhöhung der Mindestgage in Hessen ist eine Sensation. Wir finden das fantastisch“, sagte Schauspielerin Lisa Jopt in ihrer Funktion als Vorsitzende der Schauspieler-Vereinigung Ensemble-Netzwerk.

Eva Lange betont, dass dies nur ein erster Schritt sein könne, es brauche Mindestgagen für alle Spielalter, damit auch die Schauspieler, die schon viele Jahre auf der Bühne stehen, profitieren. „Die Anhebung der Mindestgage ist aber ein wichtiger Beitrag dazu, dass auch kleinere Theater wie das in Marburg konkurrenzfähig bleiben – und dass der Beruf des Schauspielers, der ohnehin großes Engagement erfordert, attraktiv bleibt.“

Auch Jopt plädiert für ein Mindestgagenstufensystem, um ältere Mitarbeiter nicht zu benachteiligen. Sie weist darauf hin, dass die aktuelle bundesweit gültige Mindestgage von 2000 Euro im öffentlichen Dienst für un- und angelernte Hilfsarbeiter gezahlt werde. Daher sei die Erhöhung ein Gebot der Fairness.

Das Landestheater Marburg kann im Jahr 2020 außerdem mit einem höheren Budget planen (die OP berichtete). Sowohl das Land Hessen als auch die Stadt Marburg wollen ihre Zuschüsse für das Theater um insgesamt mehr als 600 000 Euro erhöhen. Nach Auskunft des Hessischen Kulturministeriums stockt die Landesregierung ihren Finanzierungsanteil um 355 600 Euro und die Stadt um 247 111 Euro auf. Das Geld soll vorrangig für zusätzliche Stellen im Bereich Technik und Werkstätten sowie für Theaterpädagogik und kulturelle Bildung verwendet werden.