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Marburg 600.000 Euro mehr fürs Theater
Marburg 600.000 Euro mehr fürs Theater
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11:00 16.11.2019
Freude bei Eva Lange (links) und Carola Unser, den Intendantinnen des Hessischen Landestheaters: Das Land Hessen und die Stadt Marburg erhöhen den Etat. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Stadt Marburg und das Land Hessen sind sich einig: Das hohe künstlerische ­Niveau soll gesichert, Gastspiele im ländlichen Raum sollen besser möglich sein, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der beiden Gesellschafter der Hessischen Landestheater Marburg GmbH. Dafür braucht das kleinste hessische Subventionstheater mehr Geld.

Land und Stadt erhöhen die Finanzierung des Landestheaters im kommenden Jahr um insgesamt mehr als 600.000 Euro. „Damit soll das Landestheater seinen kulturpolitischen Auftrag besser erfüllen können, auch in den vielen Kommunen ohne eigenes Ensembletheater im ländlichen Raum zu gastieren“, betonen die Geldgeber.

Das Land und die Stadt teilen sich die Finanzierung des Theaters: das Land zahlt 59 Prozent, die Stadt 41 Prozent. Entsprechend sind im Entwurf des Landeshaushalts zusätzliche 355.600 Euro vorgesehen, die Stadt erhöht ihren Beitrag im Haushaltsentwurf des Oberbürgermeisters für 2020 um 247.111 Euro.

Der Etat des Landestheaters betrug einschließlich eigener Einnahmen 2019 knapp 3,9 Millionen Euro und wird damit 2020 auf rund 4,5 Millionen Euro steigen. „Das Landestheater Marburg hat unter seinen Intendantinnen Eva Lange und Carola Unser ein beeindruckendes künstlerisches Niveau erreicht“, erklärt Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn (Die Grünen).

"Wichtige Rolle für unsere Demokratie"

„Dieses Niveau wollen wir sichern und vor allem ermöglichen, dass es sich der Aufgabe eines Landestheaters gemäß auch in der Fläche Hessens entfalten kann.“ Der ländliche Raum werde durch attraktive Theateraufführungen vor Ort gestärkt, so die Ministerin.

Das Landestheater spielt etwa in Biedenkopf und jüngst in Kirchhain, aber auch in anderen Regionen Hessens und darüber hinaus. Zudem spiele das Theater „eine wichtige Rolle für unsere Demokratie“, es stehe für ­Offenheit, Vielfalt und Toleranz, so die Ministerin.

„In einer Stadt, die so tickt wie Marburg – in einer Universitätsstadt mit einer langen Kulturtradition und großer Diskussionsfreude – muss Theater eine herausragende Rolle spielen“, erklärt Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD).

„Mit den beiden Intendantinnen und einem motivierten Team auf und hinter der Bühne freuen wir uns über ein hochklassiges Theater, das ganz in der Tradition Erwin Piscators als Ort der gesellschaftlichen Auseinandersetzung und im besten Sinne für Weltverbesserung steht.“

Im Landestheater fehlen acht bis zehn Stellen

Die Intendantinnen Eva Lange­ und Carola Unser, die das Landestheater seit Herbst 2018 leiten, freuen sich sehr. „Es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung“, sagte Eva Lange.­ Unter anderem wird mit den zusätzlichen Mitteln die Untergrenze für die Mindestgage von derzeit 2.000 auf 2.300 Euro erhöht.

Dieser Beschluss des Kunstministeriums gilt künftig hessenweit. Es ist laut Dorn „ein erster Schritt, um die häufig problematische Einkommenssituation vieler Künstlerinnen und Künstler zu verbessern“.

Im Landestheater fehlen nach Auskunft von Intendantin Lange allein acht bis zehn Stellen in den völlig überlasteten technischen Abteilungen und in der Theaterpädagogik. „Dort sollen fehlende Stellen neu besetzt werden, um zur Entlastung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beizutragen.“

Das sei angesichts des schwierigen Marktes für Fachkräfte an Theatern nicht so einfach. Lange erklärt: „Wir werden zudem schauen, wie wir Schritt für Schritt auch die Gagen für alle Mitarbeiter anheben können, die schon länger am Landestheater tätig sind.“ Die Intendantin weiß aber auch: „Das wird mit dem zusätzlichen Geld aber nicht möglich sein.“

von Uwe Badouin