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Marburg Am Landestheater beginnt die Corona-Saison
Marburg Am Landestheater beginnt die Corona-Saison
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13:57 18.09.2020
Mit Ödön von Horváths Drama „Glaube Liebe Hoffnung“ startet das Hessische Landestheater in die Spielzeit 2020/21.  Quelle: Jan Bosch
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Marburg

Am heutigen Freitag startet das Hessische Landestheater um 19.30 Uhr im Erwin-Piscator-Haus (EPH) mit Ödön von Horváths Tragödie „Glaube Liebe Hoffnung“ in die Spielzeit 2020/21. Die Premiere ist ausverkauft.

Geplant sind im September drei weitere neue Produktionen: Am Samstag hat um 15.30 Uhr im Mini Tasch im Theater am Schwanhof das Kinderstück „Mutig, mutig“ (ab 3 Jahren) Premiere, am Mittwoch, 23. September, um 10 Uhr in der Grundschule Niederweimar das Klassenzimmerstück „Mein ziemlich seltsamer Freund Walter“ und am Samstag, 26. September, um 19.30 Uhr im Theater am Schwanhof die Uraufführung „Der Schnaps erkennt die Traurigkeit“.

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Die dritte Marburger Theatersaison der beiden Intendantinnen Carola Unser und Eva Lange steht ganz im Zeichen der Corona-Pandemie, die erhebliche Auswirkungen auf den Alltags- und Aufführungsbetrieb des Landestheaters hat. Zum einen werden aufgrund der Hygiene- und Abstandsregeln die Platzkapazitäten im EPH sowie im Theater am Schwanhof erheblich reduziert.

Inszenierungen an Corona angepasst

Im EPH wird im großen Saal gespielt. Zugelassen sind dort rund 200 Zuschauer. Die Bühne im Theater am Schwanhof, die normalerweise 200 Zuschauern Platz bietet, ist bis auf Weiteres für maximal 48 Zuschauer freigegeben. Deutlich weniger sind es natürlich im Mini Tasch und im Kleinen Tasch. Angeboten werden Doppel- und Einzelplätze. Wer sich im Theater bewegt, muss eine Mund-Nasen-Maske tragen, auf den Sitzplätzen kann sie abgenommen werden.

Auch die Inszenierungen werden an Corona angepasst. Alle Stücke des Spielzeitstarts wurden ohne Pause konzipiert, die Aufführungen im Abendspielplan dauern maximal 100 Minuten, teilte das Landestheater auf OP-Anfrage mit.

Und auch die Bewirtung wird geändert: Im EPH bestehe die Möglichkeit ins Bottega zu gehen. Im Theater am Schwanhof werde für Abendvorstellungen ein „ausgewähltes Getränkeangebot“ bereitgehalten. Bei den Vorstellungen im Mini Tasch könnten sich die Zuschauerinnen und Zuschauer etwas mitbringen. Eine Garderobe wird nicht angeboten. „Die Jacken müssen mit in den Saal genommen werden“, heißt es von Seiten des Landestheaters.

Mehr Abos als Plätze

Das Theater hat ein weiteres Corona-Problem: Es gibt mehr Premieren-Abonnements als Plätze. Das Landestheater muss bei der Platzvergabe also gewaltig tüfteln, um die Ansprüche zu erfüllen. Dies gilt insbesondere für die Premieren in den kleineren Spielstätten im Theater am Schwanhof.

Besonders schwierig dürfte die Platzvergabe für das Weihnachtsstück werden, das in der Regel mehr als 10.000 Besucher anlockt. In diesem Jahr steht einer der ganz großen Weihnachtsklassiker auf dem Programm: „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ nach dem gleichnamigen tschechischen Kultfilm von Václav Vorlicek und Frantisek Pavlícek.

Trotz all der Probleme sehnen das Ensemble und das Team hinter den Kulissen den Start der Spielzeit herbei, in der 13 Premieren geplant sind (die OP berichtete ausführlich). Schließlich war das Landestheater wie alle Kulturstätten in Deutschland vom Corona-Lockdown betroffen. Seit Mitte März wurden alle Premieren und Vorstellungen – von einem kleinen Not-Open-Air-Programm im Juni abgesehen – abgesagt.

Totentanz in fünf Bildern

Ödön von Horváths „Glaube Liebe Hoffnung“ entführt das Publikum in die frühen 1930er Jahre. Intendantin Eva Lange bringt den „kleinen Totentanz in fünf Bildern“ mit großem Ensemble auf die von Carolin Mittler ausgestattete Bühne. Es wirken mit: Jorien Gradenwitz, Metin Turan, Sven Brormann, Jürgen Helmut Keuchel, Ben Knop, Charlotte Ronas, Fanny Holzer, Simon Olubowale, Patrick Bimazubute, Mechthild Grabner und Anna Rausch.

Worum geht’s? Die Korsettvertreterin Elisabeth hat wenig Glück gehabt in ihrem jungen Leben. Sie will der Anatomie ihren Leichnam verkaufen und von dem Geld einen Wandergewerbeschein kaufen und so dem Gefängnis entgehen. Doch tote Körper gibt es genug und so nimmt ihre Geschichte einen anderen Lauf. „Horváths ‚Kleiner Totentanz‘ zeichnet das Spiegelbild einer Gesellschaft, die am Abgrund steht“, so das Landestheater.

„Mutig, mutig“ heißt es am Samstag um 15.30 Uhr im Mini Tasch. Das Stück von Lorenz Pauli und Kathrin Schärer richtet sich an Kinder ab drei Jahren. In dem Stück mit Maus, Schnecke, Frosch und Spatz erzählen vier Puppen und die Schauspielerinnen Lisa Grosche und Ioana Nitulescu eine Geschichte von Angst, Freundschaft und Mut. Regie führt Dominique Enz.

Weitere Vorstellungen von „Glaube Liebe Hoffnung“ sind am 27. und 29. September, am 13. und 20. Oktober sowie am 20. Januar, jeweils um 19.30 Uhr im EPH.

Weitere Vorstellungen von „Mutig, mutig“ sind am 25. und 27. September, jeweils um 15.30 Uhr im Theater am Schwanhof.

Von Uwe Badouin

Marburg Hessisches Landestheater - Vorhang auf zur Corona-Saison
18.09.2020
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