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Marburg Klassiker von Max Frisch hat Premiere
Marburg Klassiker von Max Frisch hat Premiere
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11:00 29.01.2022
Eine Szene aus „Biedermann und die Brandstifter“ mit Metin Turan im Vordergrund.
Eine Szene aus „Biedermann und die Brandstifter“ mit Metin Turan im Vordergrund. Quelle: Jan Bosch
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Marburg

1958 wurde Max Frischs Drama „Biedermann und die Brandstifter“ in Zürich uraufgeführt. Das „Lehrstück ohne Lehre“ ist heute Schulstoff und neben „Andorra“ das meistgespielte Drama des Schweizer Autors, der 1991 im Alter von 79 Jahren in seiner Heimatstadt Zürich starb.

Am Samstag (29. Januar) feiert das Hessische Landestheater um 19.30 Uhr Premiere mit dem modernen Klassiker. „Biedermann und die Brandstifter“ sollte eigentlich schon im vergangenen Winter auf die Bühne kommen. Es musste damals allerdings wegen des Corona-Lockdowns aus dem Programm genommen werden.

Über ein Jahr später nimmt das Landestheater die Inszenierung von Milena Mönch nun doch noch ins Programm. Das Interesse ist groß, die Premiere längst ausverkauft. Aktuell sind vier Vorstellungen terminiert.

Für Milena Mönch und die Ausstatterin Sophie Rieser ist der „Biedermann“ die erste Regiearbeit am Hessischen Landestheater. Es spielen Christian Simon, Jürgen Helmut Keuchel, Metin Turan, Eike Mathis Hackmann und Jorien Gradenwitz sowie Ioana Nitulescu und Yasmin Mowafek, die sich die Rolle von Biedermanns Frau Babette teilen.

Max Frischs „Biedermann“ ist eine Parabel – also eine Art lehrhaftes Gleichnis, allerdings in seinem Fall ohne Lehre. „Weil ich etwas entdeckt habe, dass natürlich die Parabel unweigerlich einen didaktischen Trend hat. Und wenn ich den Witz im Titel mache ‚Ein Lehrstück ohne Lehre‘, das signalisiert nur meine Skepsis. Und ich hab einfach festgestellt, dass ich durch die Form der Parabel mich nötigen lasse, eine Botschaft zu verabreichen, die ich eigentlich nicht habe“, hat Frisch einmal über sein Erfolgsstück gesagt.

Die Aufführungen

Die Premiere am Samstag (29. Januar) ist seit langem ausverkauft. Weitere Vorstellungen sind am 30. Januar sowie am 3. und 4. Februar jeweils ab 19.30 Uhr im Theater am Schwanhof.

Im Zentrum stehen der Unternehmer Gottlieb Biedermann (Christian Simon) und die Brandstifter Schmitz (Eike Mathis Hackmann) und Eisenring (Jorien Gradenwitz). Sind die Brandstifter bei Frisch ein Ringer und ein Kellner, so werden sie in der Inszenierung von Milena Mönch zu einem Taxifahrer und einer Krankenschwester.

Die Geschichte ist bekannt: Der wohlhabende Unternehmer Biedermann weiß aus der Zeitung von zahlreichen Brandstiftungen in der Stadt und er kennt eigentlich das Vorgehen der Brandstifter, die sich in Dachwohnungen einnisten und dann die Häuser anzünden.

Trotzdem nimmt er einen Mann in sein Haus auf, lässt ihn in der Dachwohnung wohnen, weil er sich als Menschenfreund gefällt. Bald zieht dort eine zweite Person ein. Im Grunde machen die Brandstifter keinen Hehl aus ihren Absichten. Sie hantieren mit Benzin, sprechen offen über Zündkapseln. Zwar keimt bei Biedermann die Angst auf, doch letztlich verschließt er nicht nur die Augen vor der drohenden Gefahr, er hilft ihnen sogar bei ihren Plänen, reicht ihnen die Streichhölzer. Am Ende brennt das Haus.

„Biedermann und die Brandstifter“ ist nach wie vor ungemein aktuell. Und die Lehre? Die hängt stark von der Inszenierung und der Lesart des Publikums ab.

Von Uwe Badouin

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