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Marburg Hessens Top-Jura-Absolventin kommt von der Philipps-Universität
Marburg Hessens Top-Jura-Absolventin kommt von der Philipps-Universität
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13:00 22.05.2021
Die Marburger Studentin Carina Zitzelsberger war im vergangenen Jahr die beste Jura-Absolventin Hessens.
Die Marburger Studentin Carina Zitzelsberger war im vergangenen Jahr die beste Jura-Absolventin Hessens. Quelle: Christina Mühlenkamp/Uni Marburg
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Marburg

Die Marburger Jura-Studentin Carina Zitzelsberger hat die Erste juristische Prüfung mit „sehr gut“ abgeschlossen und war damit die beste Absolventin von über 725 Prüflingen des Jahrgangs 2020 in Hessen. „Das ist eine außergewöhnliche Leistung. Wir sind sehr stolz auf unsere Absolventin“, meint Jura-Professorin Christine Budzikiewicz.

Die umfangreichen Prüfungen fanden ab Juni vergangenen Jahres schon unter Corona-Bedingungen statt und waren im Oktober abgeschlossen. Damals war bereits klar, dass die Punktzahl der 24-jährigen Marburger Studentin außergewöhnlich gut war. Sie erzielte 14,19 Punkte, was einer Benotung von „sehr gut“ entspricht. Zum Vergleich: Ab vier Punkten gilt das Examen als bestanden, ab neun Punkten hat man schon ein Prädikatsexamen. Jede Punktzahl über 14 wird äußerst selten erreicht.

Die Benotung für das Erste juristische Staatsexamen bildet üblicherweise nach neun Semestern in der Regelstudienzeit eine Zäsur hinter der ersten Etappe der Juristenausbildung und ist sozusagen der Abschluss des Jurastudiums. Auf dem Weg zum Volljuristen können dann aber das Referendariat, bei dem die Absolventen die juristischen Berufsfelder vertieft kennenlernen, sowie als Abschluss das Zweite Staatsexamen folgen.

Schon alleine der staatliche Teil des jetzt von Carina Zitzelsberger herausragend bewältigten Examens hat es in sich. Er beinhaltet neben einer mündlichen Prüfung sechs jeweils fünfstündige Klausuren aus den Bereichen Zivilrecht, Strafrecht und Öffentliches Recht. Dabei müssen die Prüflinge nur „bewaffnet“ mit Gesetzessammlungen theoretisch auf ihr gesamtes im Studium erlerntes Wissen zurückgreifen.

Kernbestandteil dieser Klausuren sind Rechtsfälle, die geschildert werden und für die die Prüflinge handschriftlich formulierte Lösungsansätze vorlegen müssen. Und diese Lösungen werden dann von erfahrenen Professorinnen und Professoren bewertet.

„Die Klausuren sind sehr umfangreich und anspruchsvoll“, weiß Zitzelsberger aus eigenem Erleben. Positiv für sie bei der Bewältigung der Aufgaben war, dass sie nach eigenen Angaben keine spezielle Prüfungsangst hat. Ein wenig Nervosität direkt vor den Klausuren gehörte aber auch bei ihr dazu. Und nach der anstrengenden Vorbereitungszeit war dann erst mal Entspannung angesagt. Im Nachhinein überraschte es sie selbst ein wenig, dass sie beim Staatsexamen sowohl im staatlichen Teil als auch im universitären Examensteil so exzellent abschnitt. „Ich hatte kein außergewöhnliches gutes Gefühl, aber auch kein schlechtes Gefühl“, berichtet sie im Gespräch mit der OP.

Dass sie hessenweit den Spitzenrang belegte, wurde erst im März dieses Jahres wegen der dann vorliegenden Statistik klar. „Das hat mich schon sehr gefreut“, berichtet die Studentin, die diese Nachricht auch erst vor wenigen Wochen erhielt.

Mittlerweile ist Zitzelsberger als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Rechtsvergleichung am Marburger Fachbereich Rechtswissenschaften bei Christine Budzikiewicz tätig. Dort promoviert sie zu einem Thema rund um die vertraglichen Schuldverhältnisse.

Als potenzielle Top-Juristin könnte sie sich in der Zukunft sowohl einen Job als Anwältin in einer internationalen Großkanzlei aussuchen als auch eine gute Karriere im Justizdienst anstreben. Denn viele Einser-Juristen werden später Richter. Aber auch die akademische Laufbahn auf dem Weg zu einer Professur steht ihr theoretisch offen.

Doch für die Marburger Studentin, die vor fünf Jahren aus der Nähe von Hanau zum Studium nach Marburg kam, ist das noch Zukunftsmusik, und sie will sich noch nicht festlegen. Schließlich muss sie erst einmal ihre Doktorarbeit abschließen und hätte danach noch zwei, drei Jahre Zeit, bis die konkrete Berufswahl ansteht.

In der Zwischenzeit kann sich die Marburger Studentin auch ihrem Hobby Reiten widmen, dem sie im heimischen Raum nachgeht. Sowohl das Springreiten als auch die Vielseitigkeitsreiterei hat sie dabei schon ausprobiert.

Von Manfred Hitzeroth