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Marburg Hessens Theater bleiben bis Ostern zu
Marburg Hessens Theater bleiben bis Ostern zu
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17:58 12.01.2021
Frohes neues Jahr steht auf einem Plakat im Theater am Schwanhof. Das Jahr startet 2021 an hessischen Theatern mit einem Lockdown.
Frohes neues Jahr steht auf einem Plakat im Theater am Schwanhof. Das Jahr startet 2021 an hessischen Theatern mit einem Lockdown. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg / Wiesbaden

Die drei hessischen Staatstheater in Darmstadt, Kassel und Wiesbaden, das Hessische Landestheater Marburg und das Stadttheater Gießen wollen ihren Spielbetrieb in der Osterwoche Anfang April wiederaufnehmen – sofern es die Pandemielage zulässt. Das haben die Intendanzen der fünf Bühnen gemeinsam mit Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn vereinbart. Dies teilte das Hessische Ministerium für Kunst und Kultur gestern mit.

Bisher galt, den Spielbetrieb vollständig bis mindestens Ende Januar, Proben und die Arbeit in den Werkstätten überwiegend bis zum 10. Januar ruhen zu lassen. „Das aktuelle Pandemie-Geschehen bringt leider nicht die erhoffte Entspannung, sondern nach bisheriger Erkenntnis eine erneute Verschärfung. Daher war es mir wichtig, zusammen mit unseren Theatern ein Szenario zu erarbeiten, das der Situation Rechnung trägt“, erklärte Hessens Kunst- und Kulturministerin Dorn.

Neben der Vorbereitung für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs an Ostern wollen die Theater laut Absprache „flexible Formate und zudem Angebote vor allem im Bereich des Schultheaters bereithalten, um damit kurzfristig einen eingeschränkten Spielplan zu ermöglichen“. Theaterangebote für Schulen wie etwa Klassenzimmerstücke werde es aber nur geben, wenn die Pandemielage dies zulasse. „Wir haben uns damit erneut gemeinsam auf ein einheitliches Vorgehen verständigt, da für die Theater und ihre komplexen Betriebsabläufe längerfristige Pläne zwingend notwendig sind“, so die aus Marburg stammende Ministerin.

Der Proben- und Werkstättenbetrieb soll in den fünf hessischen Subventions-Theatern bis mindestens Anfang Februar ruhen. Ausnahmen sollen im Ermessen der Intendanzen unter Einhaltung der verbindlichen Hygieneregeln etwa für digitale Produktionen oder für den Abschluss von Neuproduktionen möglich sein. Kunstministerin Dorn und die Intendantinnen und Intendanten der fünf Bühnen wollen sich Ende Januar zum weiteren Vorgehen auf der Basis der dann aktuellen Entwicklungen verständigen.

„Gerade die Kultur lebt vom direkten Kontakt zwischen Menschen. Das ist ihre große Qualität, das macht sie aber auch so verwundbar“, betont Angela Dorn. „Die leeren Konzertsäle und Theater sind ein eindrückliches Zeichen für die großen Opfer, die uns die Pandemie abverlangt. Sie sind aber auch ein Beitrag dazu, die Gesundheit von Menschen zu schützen. Ich bin den Intendanzen der hessischen Theater daher für ihre Solidarität und die große Verantwortung, die sie damit auch als Arbeitgeber in einer öffentlichen Einrichtung übernehmen, außerordentlich dankbar.“

Was bedeutet die Entscheidung für das Hessische Landestheater? Nach dem Start unter Corona-Hygienebedingungen im September mit Ödön von Horvaths „Glaube Liebe Hoffnung“ Anfang September und kleineren Produktionen wie dem Kinderstück „Mutig, mutig“, dem Klassenzimmerstück „Mein ziemlich seltsamer Freund Walter“ und der Uraufführung von „Der Schnaps erkennt die Traurigkeit“ im September wurde es still am Theater. Die im November geplante Premiere der Komödie „Der nackte Wahnsinn“ wurde ebenso wie das große Weihnachtsstück „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ und die Uraufführung „Hannah! Das Erwachsen eines politischen Bewusstseins“ wegen des zweiten Corona-Lockdowns gestrichen. Alle Hoffnungen, im Dezember zumindest das Weihnachtsstück zur Aufführung zu bringen, platzten angesichts der in Deutschland stetig steigenden Corona-Infektionszahlen.

Unterdessen sind laut Spielzeitplanung zwei weitere Premieren in der Pipeline: die Musikproduktion „Soundtrack des Lebens“ und der moderne Klassiker „Biedermann und die Brandstifter“, der am kommenden Freitag hätte Premiere feiern sollen. Im Februar war im Erwin-Piscator-Haus (EPH) der Rio-Reiser-Liederabend „Mensch. Lass uns ein Wunder sein“ geplant.

„Die Stücke sind zum Teil fertig oder fast fertig“, sagte Intendantin Eva Lange der OP. Es seien Proben abgebrochen worden, um die Schauspielerinnen und Schauspieler zu schützen. Im Januar werde gar nicht geprobt.

Geht es nach den beiden Intendantinnen Eva Lange und Carola Unser, gibt es Anfang April einen regelrechten Premierenreigen am Landestheater. Sie wollen möglichst alle Produktionen zur Aufführung bringen. Dies gilt auf jeden Fall für den Musikabend „Soundtrack eines Lebens“, das Stück über Hannah Arendt, die Komödie „Der nackte Wahnsinn“ und Max Frischs „Biedermann und die Brandstifter“. Ein Fragezeichen steht hinter dem Rio-Reiser-Abend und dem Weihnachtsmärchen „Aschenbrödel“. „Wir geben die Hoffnung nicht auf“, sagt Carola Unser, „aber für das Märchen wird es langsam richtig eng.“ Dies liegt nicht zuletzt an den begrenzten Belegungszeiten des Landestheaters im EPH.

Von Uwe Badouin