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Marburg Herder-Filiale in Gießen eingerichtet
Marburg Herder-Filiale in Gießen eingerichtet
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17:08 27.07.2017
Professor Peter Haslinger ist der Direktor des Herder-Instituts in Marburg. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

In direkter Nachbarschaft zum Hauptgebäude der Justus-Liebig-Universität in Gießen ist jetzt eine Außenstelle des Marburger Herder-Instituts für historische Ostmitteleuropaforschung eröffnet worden. Die Filiale des Instituts der Leibniz-Gemeinschaft befindet sich nun im Gebäude des Zentrums für Medien und Interaktivität (ZMI) der Uni Gießen und soll einen Baustein zur weiteren Vernetzung in der Region Mittelhessen darstellen.

Komplementär ist im Herder-Institut in Marburg unweit des Marburger Landgrafenschlosses übrigens ein „Liebig-Bereich“ eingerichtet worden, der für Partner, Kollegen und Forscher aus Gießen zur Verfügung steht.

Im Erdgeschoss des Gebäudes an der Uni Gießen stehen jetzt zwei Büroräume sowie ein Besprechungsraum mit dazugehöriger Infrastruktur zur Verfügung. Entstanden sind somit fünf Arbeitsplätze, erläutert Dr. Antje Coburger, Pressesprecherin des Herder-Institutes, auf Anfrage der OP. Coburger betonte, dass durch die Außenstelle aber keine Arbeitsplätze des Herder-Instituts dauerhaft nach Gießen verlagert würden. Die neue „Herder-Filiale“ sei vielmehr dafür gedacht, projektbezogene Arbeitsplätze auf Zeit zur Verfügung zu stellen, beispielsweise für Doktoranden des in Gießen neu eröffneten „Loewe“-Schwerpunkts „Konfliktregionen im östlichen Europa“, die dann zusätzlich zu ausgedehnten Archivreisen zwischen Marburg als Standort des Herder-Instituts und Gießen hin- und herpendeln könnten. Der neue „Loewe“-Schwerpunkt wurde gemeinsam vom Herder-Institut und Forschern der Gießener Universität unter Leitung von Professorin Monika Wingender eingeworben. Über den aktuellen Ukraine-Konflikt hinaus wird in diesem Projekt die Geschichte von Konfliktregionen im östlichen Europa erforscht.

Vor zehn Jahren war im Zuge der Zentrenbildung an den hessischen Universitäten die Osteuropaforschung aus Marburg nach Gießen verlagert worden. Gleichzeitig blieb das Herder-Institut, ein Institut der Leibniz-Gemeinschaft und eine wichtige Anlaufstelle für die Forscher, in Marburg.

600000 Bildträger aller Art

Es ist heute eine der weltweit führenden Stätten der historischen Ostmitteleuropaforschung und verfügt unter anderem über eine Forschungsbibliothek mit rund einer halben Million Medieneinheiten sowie über ein Bildarchiv mit circa 600000 Bildträgern aller Art zur Kunst- und Kulturgeschichte Ostmitteleuropas.

Das außeruniversitäre Marburger Forschungsinstitut hat vor allem seit der Neuberufung seines Direktors Professor Peter Haslinger und einem Kooperationsvertrag von 2006 enge Kontakte zur Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU). Denn Haslinger hat in Gießen einen Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte und pflegt intensive Kooperationsbeziehungen zum Gießener Zentrum Östliches Europa (GiZo).

Mittlerweile müsse niemand mehr Befürchtungen haben, dass das Herder-Institut nach Gießen verlagert werde, sagte Coburger. Das sei spätestens nach der Einweihung des Anbaus an das Herder-Institut vor zwei Jahren klar. Mit den vermehrten neuen Wegen zwischen Marburg und Gießen kämen Mitarbeiter des Herder-Instituts gut zurecht. „Der Weg ist letztlich doch nicht so weit“, sagte die Sprecherin des Herder-Instituts im Gespräch mit der OP. Zudem gebe es vermehrt auch wissenschaftliche Kooperationen mit Partnern an der Marburger Universität wie beispielsweise im Fachbereich Geschichte. Damit gehe einher, dass es nicht mehr einen so engen fachlichen Zuschnitt gebe.

An der Gießener Uni freut man sich auf jeden Fall über die Herder-Filiale. „Die Ansiedlung einer Außenstelle des Herder-Instituts in Gießen ist ein sichtbares Zeichen für die enge und erfolgreiche Kooperation in der Ost- und Mitteleuropaforschung“ sagte der Gießener Uni-Präsident Professor Joybrato Mukherjee.

Es sei die Aufgabe der Wissenschaft, neue Formen der Ost-West-Kommunikation mit zu entwickeln und dadurch einer erneuten Ost-West-Spaltung entgegen zu wirken, betonte Mukherjee.

von Manfred Hitzeroth