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Marburg Herbergssuche soll Herzen öffnen
Marburg Herbergssuche soll Herzen öffnen
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09:56 02.12.2020
Marieke Kräling vom Team der Citypastoral Marburg an der Graffitikrippe auf dem Marburger Marktplatz.
Marieke Kräling vom Team der Citypastoral Marburg an der Graffitikrippe auf dem Marburger Marktplatz. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

Auch eine mehr als 2.000 Jahre alte Geschichte kann mit modernen künstlerischen Mitteln erzählt werden. Ein Beispiel dafür ist die Graffitikrippe, die der Marburger Graffitikünstler Hekmac im Auftrag des „Citypastoral“-Teams der katholischen Kirche Marburg gestaltet hat.

Auf den in einem großen Dreieck angeordneten Leinwänden auf Elementen aus Holz und Bauzäunen hat Hekmac drei Szenerien aufgesprüht, die wichtige Orte aus der Weihnachtsgeschichte darstellen.

Das ist zunächst einmal natürlich der Stall, in dem sich die Geburt Jesu ereignet hat. Außerdem sieht man eine Stadtansicht von Nazareth, der Stadt in Galiläa, in der Jesus aufwuchs. Und als drittes eine Feuerstelle inmitten einer kargen Landschaft, wo man sich mit ein wenig Imaginationskraft vorstellen kann, dass sich dort an dem Feuer Hirten wärmen könnten.

Bereits zum ersten Advent wurde die Graffitikrippe auf dem Marburger Marktplatz aufgestellt, und zwar hinter den beiden Marktbuden und zwischen dem Marburger Weltladen, dem großen Weihnachtsbaum und dem Rathaus.

Herbergssuche wird dargestellt

Im Lauf der kommenden Tage werden auf der Krippenfläche von mehr als 21 Quadratmetern nach und nach wichtige Elemente der Weihnachtsgeschichte inszeniert, indem Figuren oder Gegenstände hinzugefügt werden.

Der 26-jährige Graffitikünstler Hekmac hat nicht nur die Graffiti-Krippe gestaltet, sondern auch zwei lebensgroße spezielle Weihnachtsfiguren: Josef und Maria werden in den kommenden Tagen ihren Standort verändern und gewissermaßen in Marburg durch die Straßen gehen, – auch wenn sie sich natürlich nicht richtig bewegen. Die lebensgroßen Graffitifiguren werden ab dem 1. Dezember an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet befestigt und sollen dann am Heiligabend bei der Krippe auf dem Rathausplatz ankommen.

Auf diese Weise soll die Herbergssuche von Maria und Josef aufgegriffen werden, über die Evangelist Lukas in der biblischen Weihnachtsgeschichte schreibt. Darin geht es um die Reise des Paares aufgrund der nach einem kaiserlichen Gebot angeordneten Volkszählung. So begibt sich auch Josef zusammen mit seiner hochschwangeren Verlobten Maria auf den Weg in seine Geburtsstadt Bethlehem.

Maria und Josef gehen ins Kino

Als die Zeit der Niederkunft kam, gebar Maria ihren Sohn in einer Krippe, da in den Herbergen kein Platz war. „Die dahinterliegende Botschaft von Weihnachten ist: Nicht im reichen Palast oder in einer perfekten Welt wird Gott Mensch, sondern in der ärmlichen Krippe am Rande der Gesellschaft“, meint Marieke Kräling vom „Citypastoral“-Team der Katholischen Kirche, das die Idee zu der Krippenaktion hatte.

In Marburg „klopfen“ Maria und Josef in dieser Woche an die Pforten des Kinos in der Biegenstraße, auch wenn dort wegen des Lockdowns gerade niemand eingelassen werden kann. Auch eine Bäckerei in der Universitätsstraße sowie Standorte vor Geschäften am Hanno-Drechsler-Platz und am Heumarkt werden zum Refugium für Josef und Maria, bevor sie dann an Heiligabend an der Krippe am Marktplatz ankommen.

„Maria und Josef sollen die Marburger dazu ermutigen, aus dieser Zeit eine besondere Zeit der Nächstenliebe und Menschlichkeit zu machen“, erzählt Marieke Kräling. „Auch wenn dieses Jahr durch Corona viele Türen verschlossen bleiben, so können wir unsere Herzen öffnen und anderen helfen“, meint sie.

Grundidee stammt aus Wuppertal

Die Grundidee zu der besonderen Krippe stammt aus Wuppertal, wo es schon seit zehn Jahren eine solche Graffitikrippe gibt. In Marburg war ursprünglich eine größere Aktion geplant: So sollten sich auch Jugendliche vom St.-Martin-Haus im Waldtal an der künstlerischen Gestaltung beteiligen.

Angedacht war auch das gemeinsame Singen von Weihnachtsliedern oder kleine Gottesdienste im Freien an der Graffitikrippe. Gerne wären die Mitglieder des „Citypastoral“-Teams dann auch mit den Passanten in der Oberstadt ins Gespräch gekommen. Doch wegen der Coronabeschränkungen muss das Rahmenprogramm leider ausfallen.

Graffitikünstler Hekmac hat etwas mehr als zwei Wochen an der Gestaltung der Krippe gearbeitet. Dabei verzichtete er darauf, gesellschaftskritische Anspielungen einzuarbeiten. Stattdessen entschied er sich für eine klassische, zeitlose Gestaltung. „Ich denke, dass die Menschen in schwierigen Zeiten sich gerne auf etwas Vertrautes besinnen“, meint Hekmac.

Wer allerdings genau hinschaut, der könnte in Nazareth ein Gebäude sehen, das sehr an das Marburger Landgrafenschloss erinnert. Marieke Kräling freut sich jedenfalls über die gute Zusammenarbeit mit dem Studenten und berichtet, dass das Team mit dem Graffitikünstler während der Entstehung des Straßenkunstwerks auch fruchtbare Gespräche über Kirche und Glauben geführt hat.

OP-Adventskalender voller Geschichten

Die OP hat für Sie den Adventskalender 2020 geöffnet! Seit dieser Woche und bis einschließlich Heiligabend lesen Sie unter www.op-marburg.de/weihnachten-2020 Geschichten rund um das Thema Weihnachten. Sie lesen von Menschen und Aktionen, die anderen das Fest der Feste versüßen – und genau das hoffen wir damit auch für Sie zutun.

Wir wünschen Ihnen, liebe Leserinnen und liebe Leser, eine schöne Vorweihnachtszeit und – das versteht sich speziell in diesem Jahr wohl von selbst – gute Gesundheit!

Viel Spaß bei den Geschichten, die unsere Reporter für Sie gefunden haben.

Von Manfred Hitzeroth