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Marburg Herantasten an den Alltag
Marburg Herantasten an den Alltag
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19:57 15.05.2020
Patricia Ferrante war am Mittwoch die erste Besucherin nach der Wiedereröffnung des Marburger Kunstmuseums. Sie schaut sich ihr Lieblingsbild „Message of Silens – Black Water“ in der Rolf-Glith-Ausstellung an. Quelle: Uwe Badouin
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Marburg

Normalerweise wäre die Innenstadt an einem Mittag Mitte Mai proppenvoll. Touristenbusse würden am Erwin-Piscator-Haus parken, Studierende in Scharen zwischen Hörsaalgebäude und Mensa pendeln, Schüler wären auf dem Weg zu ihren Bussen. Am Mittwoch dagegen war es ruhig.

Natürlich waren Fußgänger unterwegs, viele davon mit Masken im Gesicht. Aber eben gefühlt deutlich weniger. Und einen Parkplatz in der Uferstraße bekam man ohne Probleme. Der Maitag fühlte sich eher an wie ein Tag in den Sommer- und Semesterferien, wenn Marburg für einige Wochen in eine Art Dornröschenschlaf fällt.

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Aber was ist schon normal in Corona-Zeiten, auch wenn sich Deutschland in diesen Tagen langsam lockerer macht. Geschäfte sind geöffnet, Restaurants folgen, und auch das Kunstmuseum in der Biegenstraße ist nach acht Wochen Corona-Zwangspause seit Mittwoch, 13. Mai, wieder geöffnet. Es ist ein vorsichtiges Herantasten an den Alltag.

Derzeit keine Audioguides

„Sie sind der Erste“, sagt Alicia Kirsch am Empfang im Kunstmuseum. Es ist kurz nach 12 Uhr, das Museum ist seit gut einer Stunde offen. Kirsch trägt einen Mund- und Nasenschutz, vor ihr steht eine Plexiglasscheibe, im Hintergrund eine Flasche Desinfektionsmittel.

Die gab es vorher auch schon, um die Audioguides zu reinigen, die Besucher beim Rundgang durch das im Oktober 2019 nach einer siebenjährigen Schließung wegen aufwendigen Sanierungsarbeiten wiedereröffnete Museum unterstützen. Die Audioguides werden derzeit aus Sicherheitsgründen nicht angeboten. Ein Ansteckungsrisiko solle vermieden werden, heißt es im Museum.

Keine Führungen, Vorträge, Kreativkurse

Dann kommt doch noch eine Besucherin. Patricia Ferrante von der Uni-Verwaltung nutzt die Mittagspause für einen kleinen Sprung hinüber ins Museum, um sich ihr Lieblingsbild anzuschauen: Rolf Gliths großformatiges Gemälde „Message of Silence – Black water“.

Corona hat viele Pläne des Museums erst einmal gestoppt. Es gibt aktuell keine Führungen, keine Vorträge, keine „Kunstpausen“, keine „Bilder-Dialoge“, keine Kreativkurse im Atelier: Die kleinen Vorträge, die mittags vor wechselnden Objekten angeboten wurden, hatten sich zunehmender Beliebtheit erfreut.

Maximal 20 Besucher gleichzeitig im Museum

„Ich freue mich natürlich, dass es eine langsame, schrittweise Öffnung gibt“, sagt Museumsdirektor Dr. Christoph Otterbeck. Er bedauere aber sehr, dass das Museum viele neue Wege der Kunstvermittlung stoppen musste. Auch die aktuelle Ausstellung mit großartigen, fotorealistischen Gemälden von Rolf Glith mit dem Titel „message of painting“ wurde durch die Schließung ausgebremst und nun bis zum 20. September verlängert.

Das Museum hatte in der Zeit der durch die Corona-Pandemie bedingten Schließung zumindest drei attraktive und informative Online-Ausstellungen angeboten. Jetzt kann man die Sammlung und die Glith-Ausstellung wieder besuchen. Es lohnt sich. Maximal 20 Besucher werden in das Museum gelassen. Mund- und Nasenschutz ist Bedingung, Abstand halten in den großen Räumen kein Problem. Die kleineren Kabinette dürfen gleichzeitig nur von einer Person, Paaren oder Familien betreten werden.

Das Museum ist täglich außer dienstags von 11 bis 17 Uhr geöffnet, der Eintritt kostet 5 Euro für Erwachsene, ermäßigt 3 Euro. Personen unter 18 Jahren und Studierende der Philipps-Universität haben freien Eintritt. Das Landgrafenschloss öffnet voraussichtlich am 4. Juli.

Von Uwe Badouin